Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 1 (1.1.1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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| Theater, Kmrft und Literatur Verein ^Vohlfahrt". Wie beveiSS in der «letzten Nummer unseres Blattes berichtet, veranstallete Donnerstag,!den 7. v. M., die überaus rührige Sektion I/IX dieses Vereines im Hotel „Post" eine Theatervorstellung. Zur Aufführung gelangte Thecdror Her^ls „Das neue «in gMreiches Schauspiel des berühmten Schriftstellers, das zugleich Spuren seiner politischen TätWeÄ ausweist. Es -ist -besonders ans einen sehr wirksamen Dialog gestellt und erfordert daher eine ersMassitze Darstellung. Umso anerkennenswerter ist es, daß Dilettanten, die Mitglieder der allmählich zu gutem Ruse gelangenden „KaiNz-Bühne", sich der schweren Ausgabe unitLrtzpgen, dieses Werk auf die wÄtdedsutenden Bretter zu dringen, und es bann ausvichttg aesagt werden, daß sie es gut druWen und wsseMich zum Erfolg beitrügen, wenn auch so manchen unter ihnen Bühwm-wutine fehlt. Unter den, Darstellern sei vor allem Herr N. Frankl genannt, der als Gast den Wasserstein gab, eine Rolle, die zur Uebertwibung wahrlich Anlaß gab; Herr FranLl jedoch ist bieser Gefahr mit bÄvundernswerter GeschicklichLE ausgewichen und führte eine sympachische Figur den Zuschmrern vor. Nicht minder lobenswert waren der alte Bergarbeiter des Herrn Paul Zeilrnger, der Dr. Friedheimer des Herrn Artur Hoff, der Dr. Biochler des Herrn Ernst Presser^ eines talentierten jungen Mannes, wie auch der Dr: Jakob SÄlomon des Herrn Louis K n a r s. Der übrigen Mitwirkenden, besonders der holden WeMWeit, sei ein PauschaWob gewidmet; sie haben aber noch stark den eingangs erwähnten Mangel der Bühnenrvutine zu bMmpfen. Der Spielleiter der gelungenen Vorstellung war der Regisseur der „Kainz- Bühne" Herr Joses Wolfs, der die Schauspieler gut an ihre Posten zu stellen wußte; wenn, wie gesagt, der eine oder ändere nicht Großartiges leistete, trifft ihn sicher keine Schuld. Die Hauptsache war schließlich. daß der Verein „Wohlfahrt", der sich die Unterstützung der notleidenden ffraeWschen WohlsahrtSanstallen Wiens zum Ziel gesetzt .hat, Men großen materiellen Erfolg aufzuweisen hattt, weit über vier Millionen Kronen sind der Reingewinn des schonen Abends, link da halten wir es für unsere Pflicht, diejenigen zu nennen, die sich besonders um die Suche bemüht hatten, vor allem den Obmann S. Weiner, die Obmännstellevertveter Moritz Oester reicher und Dr. Walter Werner^ den Schriftführer E. Juszkovits, wie auch die Vorstandsmitglieder Sigm. Kornmehl, Paul Fries. Bernh. Brunner, Hermann David, Moritz Freund, Wilhelm Grün, Gustav G las-er, Philipp Haas, S. Oesterreicher, Martin Roth, Ignatz Walzer und Max Mich. Weiß. Auch Frau Fries war ungemeinrührig und hat auch diesmal, wie der -jeder Gelegenheit, sich besonders verdient gemacht. Allvater (Wodan) oder Jehovah? Das deutsche Gllwöentum. Ein rel^ionsphilosvphischer Kuddelmuddel von Riemann sei jedermann bestens empfohlen, der in ernster Zeit nach einer Stunde ungetrübter Hetterkeit Verlangen hat. Herr Riemann stellt seine Frage selbstver- ÄLnidRch rmr, um für Wodan gegen Jehovah «mzutreten. Aber nicht nur gegen diesen, sondern auch gegen Christus. Das deutsche Glaubentum kann nur im Allvater (warum nicht ursprachlich Alsadur?) selig werden. Ein verbesserter Lucher, verwirft der Verfasser jede Pfaffewi, ob christlich oder jüdisch, denn beide sind nach seinem Begriff semitisch. Für ihn gibt es folgerichtig weder Himmel rwch Hölle, höchstens ein Walhall. Das hindert den Wirrkopf Riemann nicht, für seine Theosophie beim schäbigen Juden Spinoza in die Schule zu gehen: „Gott ist in allem, alles ist in Gott." Dann kiebrtzt dieser Herr Lei Hackel und Büchner, die keine Existenz nach «dem Tode gelten lassen. Das deutsche Glaubentum will statt der Priester' „Weihwarte" und schließt auch Andersnationale von der Glaubensgemeinschaft nicht aus, soweit sie nur Arier sind. Aus dem Allen Testament werden haarsträubende Stellen zittert. Biespielsweise: „Und welcher. Mensch, er sei dom Hause Israel oder ein Fremder unter Euch Blut isset, wider den will ich mein Antlitz setzen uni) ihn aus seinem Volke rotten." (Blutwurst verboten!) Denkender Germane! Kannst du jetzt noch einen Augenblick in der Entscheidung schwanken, welches Glaubentum zu wählen sei? Jenes, das dir die Blutwurst verbietet, oder das andere, das sie unter die Götterspeisen setzt, an der sich schon die Äsen im Schatten der Wellesche labten. Zwei Sprichwörter erklären und entschuldigen das muntere Büchlein des Herrn Riemann. Die Allwelschen (Römer), bereit Wodan als Jupiter verehrt wurde, meinten: In magnäbus. vahülsse sat, und Herrn Riemann mag es genügen, daß er mit der Aufrichtung des deutschen Glaubentwms etwas Großes leisten wollte. Anderseits: Die alten Deutschen tranken immer noch eins, bevor sie gingen imä> eine so ergötzliche Schrift lieferten wie: „Allvater ober Jehovah!" L S. M. Melamed: Psychologie des jüdischen Geistes. Zur 'Völker- und Knllurpsychologie. Zweite, ver> besssüe und vermehrte Auslage. Berlin, E. A. Schwetschke und Sohn, Verlugsbuchhandbang, 1921. — Man.kann sich wohll kaum eine schwerere Aulfgaba vorstellen, als eine Psychologie -des jüdischen Geistes zu schreiben! Denn was ist jüdischer Geist? Ist er in allen Perioden der Wellgeschichte derselbe geblieben? Melamed macht einen scharfen Unterschied zwischen dem Geist der Dhora und dem Geist des Rabbin-ismus, er meint, daß bei einer Rückkehr ist das Land der letztere wieder aüfhören würde. Ob d-^ Robbinismus im Sinne des Verfasiers nicht ciber eine Konstruktion ist, ob seine scharfe Trennung vom eigentlichen jüdischen Geist haltbar ist, das ist d!as Problem! Hier wird aber wie bei allen begriffsgefchichttichen Arbeiten eine Verständigung nur dann Mötzlich fein, wenn .mansich über den AusgangspUnNi völlig Mar ist. Im übrigen ist das Buch zweifellos gedankenreich. Vielleicht ist es ein wenig zu stark apologetisch geschrieben mit der Tendenz, den jüdischen Gefft vor den anderen zu rechtfertigen. Auch vermisse ich in ihm die unbedingt klare, übersichtliche Gedankensührung. Immerhin wird man es mit Nutzen lesen und mancherlei Anregung von ihm empfangen. Dr. WMy Cohn, Breslau. Jakob Klatzkin: Hermann Cohen, zweite Auflage. Jüdischer Verlag, Berlin. Die erste Auflage des Buches ist an dieser Stelle gewürdigt worden und wird der Eindruck, den bereits die erste Auflage hervorgerufen hat, durch die zweite ettveitürte Auflage noch verstärkt: Alle Ehrfurcht des Verfassers vor Cohen hindert den ersteren nicht, aus seinem Buche eine Kampfschrift zu schaffen, die den Gegensatz zwischen zwei Weltanschauungen offenbart. Klatzkin wird dem Juden Cohen, von dem ihn «ine unüberbrückbare Kluft trennt, nicht gerecht. Das Buch ist aber immerhin hochinteressant und bleibt dauernd besonders beachtenswert durch die «ausgezeichnete Cvhen-BMwFMphir. O. It