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Die Wahrheit · 1923-01-01 · Heft 1 (1.1.1923) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 1 (1.1.1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Die Wahrheit Nr. 1 AuUsnblick, daß die Reichspostlichen, die, wenn es nicht gerade goldener Sonntag ist, schrille tzvrnsignale „Kauft nicht 'bei Juden!" hören lasten. sich durch den Inseratenteil dazu verleiden lasten, wovor im Textteil gewarnt wird, 'ihr „CrifMnd'l" in ausgsprochen jüdischen Geschäften zu besorgen? Dann aber die wichtigere. Frage: Können wirkliche Inden, die noch etwas auf Ehre und Gewissen halten, Lei Glaubensgenossen kaufen, die sich schamlos als ReichsposLförderor geben? Die Ostjudenfrage im preußischen Landtag. Es ist ein alter, demagogischer Kniff, die parlamentarische Tribüne als ein Sprungbrett ffir Reden zum Fenster hinaus zwecks Erregung der leicht betörbaren Massen zu gebrauchen. Nach dieser Mechode wurde von den Antisemiten aller Schattierungen im preußischen Landtag eine Ostjudendebatte abgeführt. Der deutschnationale Grvifswald-er Professor Köhler und der angebliche Demokrat Fischbeck bÄdeten ein würdiges Brüderpaar nach, dem Herzen Knüppel- Kunzes. Der interpellierte Minister Severing erinnerte die Herren daran, daß es nicht die Wahl der Ostjuden war, im Kriege ans ihrer Heimat zwangsweise nach Preußen geschleppt zu werden. Bekenntnis einer schönen Seele. Der sattsam bekannte Dr. Maurenbrecher, derzeit einer der verbissensten Hetzer gegen die Juden, glaubt aus dem Umstande, daß er gegenwärtig Pastor a. D. ist, sich auch jeder evangelischen Pflicht enthoben und als Leiter der „Deutschen Zeitung" Artikel verbrechen zu dürfen, die den Staatsanwalt Strafantrag stellen ließen. Das Gericht sprach den Angeklagten frei, was bei der Mentalität der preußischen Richter eigentlich gar nicht überraschen durfte. In seiner Verteidigung erdreistete sich Ehren-Maurenbrecher zu «der AeußerUNg:. „Ich stehe auf dem Standpunkt, und ich betone -ausdrücklich, gleichgültig welche Folgen das für mich haben mag, daß es mein gutes Recht ist, Leidenschaft und Empörung in den mir. nahestehenden Kreisen zu erregen, wenn die Tatsachen wahr sind, durch die diese Erregung entsteht, und wenn das Ziel, zu dein ich diese Erregung leiten will, ein gesetzlich berechtigtes ist." Das Ziel, zu dem die Maurenbrecher-Erregung führte, war bekanntlich die Ermordung Walter Rathenaus.. - . Er weiß, wie es zu machen wäre. Der Herr Michael Nobauer in Wien kann es nicht länger verkneifen, daß die drei Hauptprobleme der Deutschnationalen immer nur Gegenstand leerer Ideologie bleiben: Die JUdenherrschaft muß gebrochen werden- Der Anschluß an Deutschland ist unbedingt durchzuführen. Die verlorenen deutschen Gebiete müssen wir wieder zuruckhäben. Mit den Juden ginge es nach Herrn Michael Nobauers Rezept am leichtesten und einfachsten: „Boykott, Judenkatafter und eine Kampf- - truppe mit harter Faust." Drei Worte, inhaltsschwer, aber nicht aus den Gedankenmist des Anregers gewachsen. Etwas harter werde sich der Anschluß an Deutschland kochen. Aber mit Geduld uind Spucke, singe man auch diese Mucke. Bor allem wäre Recht, Verkehr, Schulwesen und Wirtschaft den reichsdeutschen Einrichtungen anzupassen. Das müßt? Herr Michael Nobaner den bayerischen Volksgenossen vorfchwatzen, die nichts lebhafter wünschen, als los vom Reich zu kommen. Wie kriegen wir aber die verlore- - neu deutschen Gebiete wieder zurück? Auch diese härteste Nuß knackt Herr Michael Nobauer mit scharfem Geistes - zahn spielend: „Die Wahrhaftigkeit.unseres Volkes -muß wieder herbeigesührt werden." Vielleicht verwendet sich , Herr Michael Nobauer bei der großen und kleinen. Entente um die Erlaubnis 'Mr diese - Bagatelle. Dann ist dem Deutschtum geholfen. Eins, zwei,, drei-— Geschwindigkeit ist leine. Zauberei. - Tempelschänderisches. Ein polnisches Filmuuternchmen versuchte, eine Kinoausnahme im Hofe der großen Synagoge in Wilna zu ivManstalten, und brachte zu Mesem Zwecke mchrere in komischer Weise als Juden kostümierte Kinoschauspieler und Statisten mit. Die ans dem Wege zur Andachtsübung sich befindlichen Juden' fühltensich durch diese Operation, geniert und verhinderten die Wnoausnahme. Die den. Kinooperateuren zur Hilfe geeilte Polizei konnte ebenfalls nichts ausrichtm, da die angesammeltsn Juden darauf bestanden, daß Vas Künotmternehmen kein Recht aus Benutzung des Synagoglnhofes zur Verspottung, jüdischer Eiinrichtüngen habe. Die Operateure und Stabi-sten utußten unverrichteter Sache abziehen. — . Als ein würdiges Seistnftück zu dieser Büberei eines Filmunitern'chmens wird aus London berichtet: Das Neueste aüs dem Gebiete der FWmsensativn ist in englischen Kinos die Darstellung, eines Raufchhaschonoh-GotteÄienst^ in einer Londoner kleinen Synagoge. Der betroffene Vorstand verwahrt sich gegen den Vorwurf, daß er die Filmaufnahme während des Mktesdienstes gestattet habe, beteuert vielmehr, es. handele sich um eine ihm nicht bekannt gewesene Vereinbarung zwischen dem Besitzer des Hauses, iu dem sich die Synagoge befindet, und der Filmagentur. Die Angelegenheit' wirbelt jedenfalls viel Staub auf. Hier wäre eine scharst FilmzeNsur wohl , am Platze, um das Judentum gegen die Profanierung seines Kultus zu schützen. 4 Gegen den numerus clausus an den Hochschulen. Anläßlich der Eröffnung des 179. Schuljahres der Universität in Philadelphia, einer der größten Universitäten der Vereinigten Staaten, hielt der Rektor Dr. Penn y man eine Rede, in welcher er sich in schärfster- Weise gegen die Propaganda einer Ausuahmsbegrenznng gegenüber den Juden wandte. Er erklärte, daß die Pennsylvania-Univer-. ' sität nach wie vor den einer Stätte der Bildung und Kultur würdigen demokratischen Standpunkt einnehme und jedes Vorurteil in bezug lauf Religion oder Rasse, der einzelnen Hörer energisch zurückweifen werde. Es sei unamerWanisch, die Zahl dar Studierenden irgend einer Rasse zu begrenzen.. Diejenigen Universitäten, welche -solche Rechtsbeschräu-kun-- -gen einführen wollen, verletzen das Grundprinzip, der amerikanischen VersassmW, welche jedem die gleiche Bildungsmöglichkert garantiere. Bei der Auswahl der Studierenden dürfen bloß die Fähigkeiten mrd Kenntnisse der Aufnahmsbewerber maßgebend fein, sonstige Vorrechte dürfen nicht in Frage kommen. Die Colleges und die Universitäten dürfen nicht den Standpunkt jener zur Genügebekannten aristokratischen Nichtstuer, die das College bloß alseinen exklusiven Klub betrachten, sich zur Richtschnur nehmen. Ist nicht Platz genug für alle, die sich um Aufnahme meldiein, so wäre >es besser, die gebildeten Snobs abzuweisen,, denn mögen diese auch in der -Gesellschaft eine Ausnahmsstellung einnehmen, so berechtige dies noch nicht zu einer Äusncchmöftellung auch an der Universität. — Unseren akademischen Judienhetzern zn.r Nacheiferung dringend empfohlen! - Fälscher. In Hannover betrieb der Buchdrucker Heinrich Rehmgnn den Sport-, mit dem Hakenkreuz versehene Notgeldfcheine zu 20, 50 und-75 Pfennig in Verkehr zu setzen, die er — der Mann scheint kapitalkräftig zu sein, denn es würden bis seht große. Mengen dieses Papiergeldes., auch in Wittenberg, ausgegeben — bis zum

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