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Die Wahrheit · 1923-01-01 · Heft 1 (1.1.1923) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 1 (1.1.1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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%ji Di e Wahrheit Ssüe ii Aus unseren Ortsgruppen. Die Mitgliedschaft OttÄring—Hernals wird fortab jeden zweiten Samstag im Monat im Klubzimmer des ,.C-af6 Neue Welt" (Hernaffer Hauptstraße) zwanglose Zusammenkünfte ihrer Mitglieder und von diesen eintzeführter Gäste veranstalten, bei welchen alle aktuesten Tagesfvagen besprochen werden sollen. An die Diskussion werden sich künstlerische VorträgeanschMeßen. — Wir empfehlen mich allen anderen Ortsgruppen die Einführung solcher zwangloser ZusammenMnfte. Die Mitgliedschaft St. Pütten schreibt uns: „Wir geben hiomiit unserer Freude darüber Ausdruck, daß Sie sich i»er Zeitschrift „Wahrheit" arvgeschlossen Hoden und in derselben Ihre Veröffentlichungen und Berichte bringen, die ker Judenschaft große Dienste leisten. Sowohl in der demnächst stattfindenden AusschUßsttzung als -auch in der künftigen Versammlung unserer Ortsgruppe werden wir Nicht erm!ange!ln, für die Zeitschrift „Die Wahrheit" und deren Abomrierumg einKutreten. Desgleichen werden wlr die MitgliedAbeiträge entsprechend der Geldentwertung erhöhen und Ihnen sodann sofort berichten. Den Mlfr uf zur Unterstützung -der „tlameruL alLusvL"--Studenten haben wir wahrgenommen und sofort in Verbindung mit der KultusgemeiUde hier eine Sammlung eingeleitet, die bisher «men Betrag vdn K 662.000 gezeitigt hat. Hievon wurden an das Aktionskomitee m Wien sofort K 556.000 seitens der Kultusgemeinde äbgeführit. Wir' fördern die Sammlung mit einem neuerlichen Aufruf energisch weiter und wird ehestens wieder ein größerer Betrag angeführt. Wir wollen Ihnen noch berichten, daß wir hier in letzter Zeit keine judenfeindlichen Vorkvmmnfffe wahrzunchmen hätten, die irgendwelches Einschreiten uiffererseirs «geboten hätten. Auch hier wurde -eine- Holz- und Kvhlenaktwn seitens der Kommune für St. Pölten eimtzeleitet. Unter der Leitung der Kultusgemeinde wurde von der Judenschaft ein Betrag von weit mehr als drei Millionen K-r o n e n angebracht. Danksagung. Anläßlich der Vollendung meines 25. Dienstjahres als Sekretär der „Union deutschästerreichischer Juden" (früher „Oesterrelchlsche Israelitische Union") sind mir von nah und fern so viele freundliche Begrüßungen und Glückwünsche zugegangen, daß ich außerstande bin, jede derselben einzeln zu beantworten. Ich sage daher auf diesem Wege allen Körperschaften und Einzelpersonen, welche mir in so ehrenvoller Weise ihre freundliche Gesinnung zu erkennen gaben, meinen tiefgefühlten, innigsten Dank! Wien, 18. Dezember 1922. Siegfried Fleischer. i Zur Beachtung! r Ml» ersuche« unsere geehrte« Mitglieder, Ke- : : stetUrugen auf die ..Wahrheit" a» di« Administration; 5 des Klatte». 11., Aeinestratze 13 (Postspark aksrrrkonto : : Nr» 100.018) mit dem Uermrrk r „M. d. U." Mit- : } glied der Maion),,« richte«. : j Mir ersuche» dringend am Kpende» für de» : Pretzforrd. melche an unser Ievtraldüro, IX , Kergr : gaffe 4, geleitet werde« wolle«. : L.....................................................I Wahrheiten vom Tage Das polnische Hakenkreuz. Weber hat mrkivnalkoufessivnelle VeMendung einen der besten feines Landes als Todesopfer herausgesucht. Der Präsident der polnisck^n Republck wurde nach erprobtem Beispiel feige meuchlings erschossen, von einem Werkzeug der Rache, dem jugendliche Exaltiertheit nicht als mildernder Umstand zugebUigt wenden kann. Wie immer, versuchen die Anreger und Einbläser zum furchtbaren Verbrechen alle Schuld von sich und ihrer Partei abzuwälzen. Der in der Vollreife des Mannesalters stehende Verbrecher wird als geistig nicht normal hmgestellr. Dieser Behauptung ließe sich entgegvnhalten, daß nach Ansicht der Psychiater jeder Verbrecher geistesgestört ist, aber in Fällen wie dieser und ähnlichen bleibt dir Fratze offen, durch welche Umstände, durch welche EinMsse solcher Wahnsinn entsteht. Wenn die Meinung bei den veraMworklichen Faktoren bestünde, der Mord an dem Präsidenten sei die spontane Auswirkung eines Wirrkopfes, hätte es nicht sofort nach der vollbrachten Tat 'höchst bezeichnende Verhaftungen führender nationaler, jedenfalls schwer kompromittierter Persönlichkeiten gegeben. Man darf nicht vergessen, daß die Wahl Narutovicz zum Präsidenten schon bei dem Wahlakt das Signal zu schändlichen Ausschreitungen gab, die sich stetig verstärkten bis zu dem gräßlichen Finale im Ausstellmljgsgeibäude der KünsLlevvereinigung Zehita. G «briel Narutovicz wurde als .^udenpräsident" gemeuchelt, weil er mit den Stimmen £>3 Minderheitsblockes, Deutschen, Ukrainern und Juden, gewählt wurde. Wie recht hatte doch der ialierri-fche Minister N i t t i, als er in seinem Buche „Das friedlose Europa" die Polen als auf tiefster Kulturstufe stehend bezeichnete. Sie haben sich trotz der warnenden Beispiele dem Fluche und Verhängnis des deutschen Hakenkreuzes hrngetzÄen. Sie beweisen durch ihr unsühnbares Verbrechen an einem der Edelsten ihres Volkes die Wahrheit des Spruches: „Durch Nationalität zur Geschäft ist Geschäft. Je schmutziger und anrüchiger, desto sympathischer für die „Reichspost". Am ersten der 'heurigen goldenen Sonntage salbaderte sie an leitender Stelle ein Langes und. BreÄes über das Heil, das der Republik durch den Bundeskanzler Seipel widerfahre. Zu solchen bezahlten Paukenschlägen ist sie verpflWer. Dagegen wäre nichts einzuwenden. Sie knüpft dann an die Begeisteruntz das Geschäft und -mahnt die Leser, wenn sie nach dem goldenen Sonntag das goldene Zeitalter wollen anbrechen sehen, -müssen sie nur die christliche Presse (sprich Reichspost) halten. „Wie die Juden nach der Heimkehr aus dem babylonischen Exil ihr Jerusalem bauten — in einer Hand die Kelle, an der anderen das Schwert — wenn wir auch kein Jerusalem werden wollen —, so müssen wir es halten." Zu dieser Geschmacklosigkeit ist &e „Reichspost" berechtigt. Ihre ganze Schriftleituntz ist ein Akkumulator solcher GeschmacklvWeÄen. Sonderbar berühren mußte es nur, daß ihr Ruf nach Unterstützung sichtbar bei Juden auf fruchckaren Boden fällt! Wir zählten in der goldenen Rejichspostmimmer mehr als ein halbes Dutzend Mischer Inserenten, deren Name wohl rm Textteil mit einem höhnischen Ru^eichen erscheinen würde. Für den Anzeigenteil ist erstens die SchrfftleÄung nicht verantwortlich und dann, wie gesagt, Geschäft ist Geschäft. Also kein Borwurf gegen das gewerbsmäßige Antisemckenblatt. Dafür aber ein vernünftiges und praktisches Wort -an die gedachten Annoncrn-Juden. Glauben sie nur einen

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