Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 1 (1.1.1923)
- Date
- 1923-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Hei« 6 Dis Wahrheit Nr. 1 Äberall. Bei der Menage, m idier Küche , und m den engen, feuchten Unterstünden. Bald' hier, 'bald da. War immer guter Laune, erzählte Lozekach und Witze, würzte durch Pikanterien die fade Suppe und machte das zähe Fleisch durch ein paar saftige Zoten genießbar. Wo die Stimmung Umschlagen wollte, wo Zugsführer Winter ckine verdrossene Rede haWen wollte, wo es so ausfah, daß wir es „dreckig" nannten, dort erschien der Leinwand. „Heren Se mal", so begann er, und dann redete er mit unglaublicher Zungenfertigkeit weiter. Zehn Minuten spater brüllte alles vor Lachen. Die KärNtner sangen chre Liedln, die Wiener schnapsten, es wurde fleißig Schnee geschaufelt und eifrig Dienst «gemacht. Da 'ließ ich mir 'den Mann kommen. „Sagen Sie, Gchbeiter, wie Eonrmt's, daß Sie immer in so guter Stimmung sind?" „Heren Se, Herr Fähnrich, ich und guter Stimmung! Was glauben Otl Zu Haus sitzt mein Weib und meine Kinder und haben nix zu essen! Mein Geschäft geht zugrmd'! Da soll ich in guter Stimmung sein? Aber schaun S', Herr Fähnrich, die Menschen sind so wie die -kleinen Kruder! An Wurschtl muß man ihnen geben, damit f -zum Flennen aufhevn. Wos glauben S', wie ma ausschaueten, wan der Leinwand nicht immer den Wurschtl machst. Ich glaub', Herr Fähnrich, Sie werd'n 's emseh'n, daß ich 's nicht des mein'." Ich klopfte ihm belobend auf die Achsel. Der FvichWng kam und die ersten Angriffe. Aus einmal gab's heWtzes Zielsener ans unser Kompagniekommandv, am gleichen Tage war Zugsführer Winter zum Fetzche übevgebaufen. In der Nacht darauf brachte Leinwand eine feindliche Patrouille heim. Die erste SÄberne in meiner Kompagnie erhielt der Mde Leinwand. Man wird nachdenklich, wenn man sich die Menschen ohne ParbeNrille ansieht. * * » Dann legte ich überhaupt die Parteibrille weg, richtiger gesagt, ich zerbrach sie. Als ich dann Journalist wurde, hatte ich so viel Gelegenheit, Juden aller Fachkategorien zu sehen und zu beobachten, daß sich meine früheren Ansichten von Grund auf änderten. Und als ich mich in jüdische Literatur vertiefte, in die tiefempfundene, nachdenkliche Sprache der jüdischen Autoren hinemlebte, stieg es in mir voll heißer Bewunderung aus für dieses BoL und seine uralte Kultur. Und trat ein, wo und tote ich Lonnte, für diese. Nicht in der Absicht, sie an sich zu fördern, sondern um den Antisemitismus aus diesem Wetze zu bekämpfen. Und da ist mir ein Gespräch in Erinnerung, das ich mit einem sehr gebildeten, Uwstverftändigen Mann führte, der sonst einen offenen Blick für alles hatte, aber zwei Fehler besaß: er war hervdrvatzendes Mitglied der Frontkampfervevsiimgung und alter Herr einer Burschenschaft. Ich versuchte, ihm die Gründe und Ziele meiner Tätigkeit zu erÄLven. Es war vergeblich Ich hielt chm vor Augen, doch Sr sich doch ebenso für sranzösffche und ÄaLieni-- sche Kunst begeistere, wie für die immerhin etwas abstrakte eines Tagvve, ohne hiebei seine nationalen Gefühle zu verletzen. Warum er also so uribMngt gegen die jüdischen KnnD-estrebungen sich stelle, war meine Fratze. Und die Antwort darauf war verblüffend einfach „Nachdem die Juden Handel und Industrie an sich gerissen haben und uns Arier aus all bichen GebiÄen verdrängten, wollen sie nun auch die Gebiete der Kunst und Literatur erobern. Bisher taten sie es verhüllt unter 'btem Deckmantel deutscher Kunst, indem sie einen HoGmannsHal und Schnitzler schreiben ließen. Nun, da sie bisher erfolgreich waren, wollen sie diese pseudo-jüdische Kunst durch ihre autochthone ersetzen. Und darum müssen wir Arier uns mit aller Gewalt gegen diesen neuerlichen stechen Vorstoß dieses Asiateuvolkes wchven." . Gegen dieses Argument fourite und. wollte ich nimurer weiterkämpsen. Denn schließlich halte ich mich für zu gut, um den, schon von den Göttern als erfolglos erkannten Kampf gegen die Dummheit auszunehmen. Ich leigte dann die restlichen, mit noch anhaftenden Etisemitischen Schlacken ab, warf BurschenMütze und Band zu. dem übrigen Spielzeug meiner Julgenidtage, löste die Bezickhüngen zu den restlichen arischen Vereinen und trat bald darauf, um meine Ueberzengiuutz «auch nach außerchirn zu dokumentieren, zum Judentum über. * * * Bon den Juden weiß ich nun, daß sie ein Geistesvolk sind, desien Eigenart zu studieren ebenso interessant, wie lehrreich ist. -Das eine uralte Kultur hat und es Tatsache ist, was wohl die meisten Arier Mit zornigem Erröten ablehnen werden, daß die deutsche Kultur in vielem -NNf der jüdischen basiert. Ludwig Minder, die jüdische Orgel?) Ein Buch, das bei den Lesern, für die es gemacht wurde, nicht den erhofften Erfolg hatte. Daß es der logischen Entwicklung der Geschehnisse, der Glaubwürdigkeit als Ganzes entbehrt, ließe sich mit der vielmißbrruchten poetischen Frecheit entschuldigen. Schlimmer ist der Umstand, daß alle vorkommenden Personen dieses Judenromans Zerrbilder der Wirklichkeit sind. Vor allem dieser „Diener Gottes", der alte Wolf, Vater unseres Helden, ein ganz rntdenkbarer Rabbiner, Kantor, Schächter, Religionslehrer, Matrikensühver, der diese Aemter in seiner Person kumuliert, wie es in Dorfgemeinden Vorkommen lnag, der «aber so weltstömd ist, daß er von anderen erst den hochschwangeren Zustand seines Weibes erfahren muß, angeblich weil es der Talmud verbieten soll, der Gattin Aufmerksamkeit zu widmen. Selbst wenn dem so wäre, hatte doch die wackere kluge Frau längst schon ihren Mann verständigt. Der alte Wolf ist als eine verrückte Schraub gedacht. Er betet sowohl für als gegen das Kind, das kommen soll. Und als es da ist, kann er es nicht früh genug ins Cheder schleppen. Er weckt es morgens mit Ohrfeigen, wenn es verschlaft, und wirst es durch Uebevanstrengung in schwere Nervenkrankheit, aus der es nur durch entschlossene zupackende Liebe der Mutter gerettet wind. Mstoßend ist dieser Kamps der Eltern um die Seele des Kindes. Wie immer, bleibt die Mutter Siegerin. Jedenfalls eine absonderliche Frau, diese Rebbezin, die zur nachtschlafenden Zeit sich von dem Geschäft des Säuglingsstillens bei Heines Gedichten erholt. Gymnasiumreif kommt der kleine Wolf nach Prerau in Pension zum Oborkantor Samuel Gehorsam, einem wirsten Lumpen unp Nachtschwärmer. Hier beginnt das Verhängnis des Knaben. Er belauscht die oberkantorliche Ehebettintimitäten und ist von da an sexuellpathologisch geworden. Mit breitem Behagen ergeht sich der Verfasser in diesem Qualzustand des Jungen. Es ist ober noch ein Scheußlichererda, der eroNsch entglleffte BevthvD Alter, dev Schulkamerad -Albert Wolfs. Bon da ab geht es mit diesem unheimlich rasch abwärts. Albert wird nach der Matura ins Rabbiner-Seminar nach Budapest geschickt. Ausgerechnet Budapest für das mährische „Wllejüngel". Wo sonst könnte er so tiefschürfende Kennt- *) Rjkola-Verlag, Wien.