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Die Wahrheit · 1923-01-01 · Heft 1 (1.1.1923) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 1 (1.1.1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Die Wahrheit Nr. 1 Einige Worte Zum 39. Jahrgang. - . Mit der vorliegenden Nummer tritt bis „Wahrheit" in das 39. Jahr Hres Bestandes und das fünfte Jahr ihres Erscheinens unter der neuen Leitung des Wattes. Wir wollen mit diesem Hinweise die Auismerksamkeck der gechrten Leser und Freunde auch daraus lenken, daß dem erweiterten Kreise unserer Auisgaben auch der erweiterte Rahmen zur Besorgung derselben entsprechen wird. Nicht imr Menschen, sondern auch Zeitungen wüchsen mit ihren höheren Zwecken. Und diese Zwecke sind tatsächlich durch die Zeitslrömung in mißervckdentlichem Maß gewachsen. Wir sehen, wie die Sturzflut Des Antisemitismus in den Nachbarstaaten ihre Wellen auch nach Oesterreich aviirft. Wir sehend daß nach demi schmählichen BeißfpM Deutschlands und Ungarn -auch hier vorwiegend Intellektuelle am Werke sind, den bisher scheinbaren Frieden der gesamten Staatsbürgerschaft zu stören. Das unbedachte geftügelte Wort des Bundeskanzler Dr. Seipel von der bodenständigen deutsch christli chen Bevölkerung mit hämischem Seitenblick auf die Inden, die kulturschändenden Vorgänge an den Wiener Hochschulen und die billigende Zustimmung der akademischen Senats, all dieses und ähnliches sind Wammenzeichen für jene, die ihre Augen nicht geflissentlich vor der unseren Indien drohenden Gesahr verschließen, zu deren Mwehr die konzentrische Gegenwirkung Pflicht der Selbsterhaltung istzMAachsanien Auslug zu halten, den Kamps und Alarmru^'ergehen zu lassen, ist düs uns gewordene Mandat. ' Wir begrüßen es mit Genugtuung, daß die „Union deudschösterreichischer Juden", der seit ihrem Bestände gar manche Wasfentat gelungen ist, an. unserer Seite in unserem Watte rüstig mitkämpst. Ihre Ziele sinid, wie Hr Titslprädikat „Union deutschösterreichischsr Juden" anzeigt, besonders dem 'Schutze dieser geltend. „Die Wahrheit" dient der gleichen Anisgabe nicht nur auf größerem Kampfboden, sondern richtet Hr Aulgenmerk ans die judenfeindlichen Vorkommnisse aller Welt, denn unverkennbar besteht ein Zusammenhang Zwischen den antissmitWen Führern und deren Stoßtvuippen in allen Ländiernl und ihren Schlägen, die oft genug Wirkung in die Ferne haben, tut rascher entschlossener Rückschlag not. Dies erklärt und rechtfertigt das erweiterte Format unseres Blattes, -dem ein 'erweiterter Mitarbeiterkreis entsprechen wird, -und falls dem Appell an das Judentum zur werktätigen Förderung in ausreichendem Maß Folge . gegeben wird, auch die bürzeren. Erscheinungstermine, die Verwirklichung des Planes: Die W a h r h e i t e in Wo ch e n b l a t t l Die Redaktion. Juden. Eine Hand voll Skizzen eines Proselyten. Von Hans Karl Grauen b e r g. ■ Bon den Juden wußte ich, daß sie ein gutes Schlage wort für Versammlungen bilden und sich auch sonst, sowohl praktisch als auch theoretisch, viersolgen lassen. Und" wie so mancher Arier seine einzige Beschäftigung darin finidet, daß -er sich Antisemit nennt, taug -auch ich die bunte Studentenmütze aus meinem Kopse, in dem außer Heiko und einem spöttischen. Hepp-heipp wenig mehr war. Ich baute um mich, wie es alle meine Kommilitonen täten, eine chinesische Mauer ans, 'die mich von allem Semitischen trennte. '• - «m;-;#j So war es mir ein Leichtes, zu hassen und zu verachten, was ich nicht kannte. ' ■ Dann kamen die -glorveckchen Tage deutschnModalen Ruhmes, wo wir die FarbemNütze. mit dem Raushütöl aus Feuilleton law» Jüdische Erlebnisse im Weltkriege. Von Dr. Willy Cohn. (Schluß.) j Mit diesen Dingen habe ich weit der chronologischen > Darstellung der Ereignisse vorgegrifsen. Inzwischen j rollte sich Jahr sur Jahr diches nicht enden wollenden Feldzuges man wunderte von der Pikardie ins Artois, in die Gegend der Lorettohöhe zur Somme, dann wieder! in die Champagne. Zwischendurch fielen kurze Urlaubs-! zeiten in der Heimat, die allzu rasch nur vergingen und an j b er ent Ende der Abschied stets ein bitterschwerer war, | aber man mußte die Zähne aufeinander beißen, und dann! ging es eben wieder eine Zeit lang; auch darin tnußte malt! bescheidener werden, und während man 1916 noch zweimal - in der Heimat sein konnte, war man froh, wenn man sie; 1917 noch einmal Wiedersehen durfte. Es war selbstver-! stündlich daß man, war man einmal in der Heimat, auch - das heimische Gotteshaus aufsuchte. „Welche Freude ist! es", so schrieb ich damals, „wieder aus dem Platze stehen i zu dürfen, von dem aus man einst in friedlicheren Tagen! seine Gebete zum Himmel sandte, von dort aus bcn Klanj gen der Orgel zu lauschen und dem Gesänge, voit dort - aus die Stimme des Rabbiners zu hören. Wohl fehlen! viele, Ne man sonst in der Nähe zu scheu gewohnt war,! und der Name manchen Freundes schallt von der Kanzel, als für das Vaterland gefallen herab. So trägt der Krieg seine Spuren bis an diesen stillen Fleck. Freitagabendstimmung in der Synagoge! Machtvoll klingen die alten liebgewordenen Töne des lechoh-daudi gen Himmel! Prinzessin Sabbath hat ihren Einzug gehalten! Die ganze Gewalt des Sabbathgedankens, den Israel der Welt geschenkt hat, dringt aus uns ein. Uird wir denken an die., Zeiten, wo einmal der Sabbach kommen wird, der nicht im - Kriege liegt, der Frieden bringt für die ganze Menschheit." Bon solch einem Abend in der Synagoge zehrte man dann s wieder lange im Felde! Draußen wechselten böse Dage mit den besseren; ganz furchtbar war die Somneschlacht, in der sich zum erstenmal die ganze gewaltige Ueberlegenheit des Gegners an Material so schwer bemerkbar machte, . und in der unsere Truppen -soUebermenschliches leisteten. - Nie wird man auch diese Nachte vergessen, in denen wir die Munition über die unter schwerem Feuer Liegenden Sommebrücken nach vorn brürgen mußten. Aber-ich will' ja nichts Grausiges schreiben^ nnd es ist auch schwer, denen, die diese Dinge nicht erlebt haben, ein Bild/davon zu geben!. Neben all diesen Strapazen gingen die fortwährenden Kränkungen über die andauernde Zurücksetzung. Mehrmals war ich von meinen unmittelbaren Vorgesetzten zur Beförderung eingereicht worden, immer wieder kamen diese Beförderungsvorschläge mit einem Vorwand zurück, daß ihnen mit Bezug auf den oder jenen Paragraphen des Armeeverordnungsblattes nicht stattgegeben werden, könne; in diesen Dingen war man ja nie verlegen! Ich hatte mir vor mir selbst keine Vorwürfe zu machen, ich I I | ^993518555

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