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Die Wahrheit · 1923-01-01 · Heft 1 (1.1.1923) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 1 (1.1.1923)
Date
1923-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Unabhängige Zeitschrift für jüclische Interessen tlcdaJitlon und Administration: Wien II., Qelncftrafec 13 — Zernruf »r-r-io Mit de« Beiblatt: Veröffentlichungen -er «Union drutschSsterrrichischer Juden" XXXlX. Jahrgang Wie», 1. Jänner 1933_Nummer 1 Die ersten Schwalben? Im Wöeirer ,Mlduübnnde", fovc unseres Wissens cmsschliHbich arische hoh e Staatsbeamte und Genera le zu seinen MitKisdern zählt, wurde vor kurzem von dem beika-nnten Schriftsteller Oberstleutnant a. D. Jeremias Kreutz ein Vortrcsg gehalten, wie er hier in Wien, in solchen Kreisen als eine Sensätion bezeichnet werden darf. Den Gegenstand bildete „die Ueberlegercheit der Juden". Die Ausführungen des Redkrers verblüfften zunächst das Auditorium, das auf solche Belehrung nicht vorbereitet war, losten aber zum Schluß lautesten Beifall ans. Ohne uns in allen Einzelheiten mit dem Vortragenden einverstanden zu erklären, halten wir den folgenden Auszug durchaus für wert, unseren Lesern bekannt zu werden. Mt dem Zusammenbruch der Zentralmächte ist der Judenhaß unverhältnNmäßilg erstarkt. Die Haikenkreuzler tragen ihn offen zur Schau. Man wirft den Juden vor, sie feien an dieser Katastrophe schuld. In Wirklichkeit haben sie das Deibacle nicht verschuldet, sondern es rechteckig vorausgesehen. Diese Gabe wirtschaftlicher und poetischer Voraussicht ist nicht Eigenschaft einer „Raffe", sondern durch die brutale Verfolgung der Juden während langer Jahrhunderte den Juden ang-ezüchtet worden. Macht man einen Jagdhund zum Salonhund, so verliert er im Laufe weniger Jcchre seinen Spürsinn. Gezwungen, nsben und außer den Wegen zum Erwerb, die allen anderen freistanden, sich eigene austzuspüren, hat der Jude diese Gabe erworben, die ihn auch zum tüchtigen Geschäftsmann, wie zmn erfolgreichen Journalisten befähigt. Durch diese beiden Betätigungen übt der Jude einen bedeutenden Einfluß aus die Politik aus. Das Gefühl, das diese Tatsachen in der nichtjüdischen Umgebung auslosten, war Neid und Haß. Man suchte den Juden zu vernichten. Aber weder mit Feuer, noch mit Wasser kam män ihm bei. Im Gegenteil. Je mehr man den Juden verfolgte, umso mächtiger wurde er. Das Schulbeispiel ist das Wien Luegers. Lueger verfolgte den kleinen Hausierer, den -armen Juden, der in Wien nicht zuständig war. Mit dem Geldnnd Preffejuüen stand er. aus bestem Fuße. Seilten ist es den Juden im allgemeinen Po gut ergangen, wie m Wien unter Luegers Herrschaft. Was ist somit zu tun, um den schädlichen EiulMß der Juden ausKuschalten? Hier heißt es, von den Westmächten lernen. Auch in den Bereinigten Staaten, in Holland usw. bilden die Juden ein starkes Element. Trotzdem hat der Judenhaß dort nicht Wurzel Magen können. Weshalb? Wml jene Völker, anstatt den Juden zu beneiden, sein Mveau zu erreichen sich bemühen. So finden wir denn dort sowohl die bedeichendsten geschäftlichen Firmen als auch die größten Zeitungen in den Händen von NMjuden. Beide Teile fahren gut dabei. Diesem Borbilde sollte Oesterreich folgen. Mit Vhavaonischen Methoden, so meint Kreutz, werde man die Ueborlegenheck 'der Juden nicht los. Um den angeblichen „Vorsprung" der Juden wirksam abzubauen, schlägt der Vortragende das Mittel der K o n u i venz vor. Konnivenz mache gleichwertig. Der Jude hat dank seiner Schicksale ein hohes geistiges Niveau erreicht. Anstatt es ihm Mit Gewalt streitig machen zu wollen, solle man sich m friedlichem WettbH^b zu ihm emvorarbeiten. Dann wird mair auch einen o^vktiven Maßstab für die Beurteilung des Juden gewinnen und für seine guten Eigenschaften ein Auge haben. Denselben GedaEenHaing verfolgt ein bekannter deutscher Schriftsteller in einem soeben erschienenen Aufsatz. Im 4. Heft der Zöitschrft „Der Weg zur Vollendung" führt Gras Hermann Kaps -e r U n g folgendes -aus: „Die Juden sind zweifelsohne das als Beispiel wichtigste Volk der bisherigen Geschichte. Sie allein haben von der Prophetenzeit ab in ihrer Eigenart durchgehalten: sie allein sind weder aus-gestorben noch degeneriert: sie sind dos höchstgegüch-tete aller Völker in bezug aus Willen und Verstand. Nun. wenn anders es einen Meuschheitsfortschritt geben soll, müffen auch andere Völker mit dem vorschnellen Aussterben imd Entarten endlich einmal aufhören. Unser Planet wird gewiß noch so manches Jahrtausend bewohnbar bleiben, ganz neue Völker und Kulturen werden immer schwerer entstehen, die Aussprüche an dos Geistesnipeau möglicher Führer muffen fortan in steiler Kurve Ansteigen, also muß Eugenik in irgendeiner Form wohl eingrsissen. Das bisher -größte Beispiel solcher bieten eben die Juden. Man sage nicht, hier handle es sich um ein Ergebnis negativer Züchtung; dieser Anschauung gegenüber hat Richard Nikolaus Coudenhove- K a l e r g i, der in 'den besten heutigen Juden die ersten Vorläufer der Aristokratie der Zukunft sieht, trotz feiner Unterschätzung des Bbutmoments, des Völkischen überhaupt und ckotz des Radikalismus seiner Gesinnung, die eben deshalb den Tatsachen als BerkörperungsmÄtel des Sinnes nicht genügend Rechnung trägt, das Recht für sich. Die Juden mögen noch so unsympathisch fern, noch so viele unausrottbare Fehler und Schwächen hoben, siesind in ihrer Art höher gezüchtet als die eigentlich europäischen Völker. AHo müffen wir uns, anstatt billig über sie zu' schimpfen, an ihnen ein Beispiel nehmen. Wir sollen gewiß -nicht Juden werden »vollen, -aber wir dürfen uns auch nicht bei unserer Unterlegenheit 'bescheiden, wir sollen zumindest -ebenso lebens- und geistesstark werden wie sie und unser Streben -darauf richten, ihnen in allen Hinsichten überlegen zu.werben."

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