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Die Wahrheit · 1922-12-15 · Heft 24 (15.12.1922) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 24 (15.12.1922)
Date
1922-12-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Gerte 14 Die W ahrhejt . Nr. 84 | Theater, Kmrft und Literatur I. M. W e i s, Die Empörung — oder Herodes und Hülel. Historischer Roman ans der Zeit Herodes. I. Aus dem Englischen frei übersetzt von E. Schmerler. Sowohl der Verfasser als der Uebersetzer sind beide bekannte Personen, Mer M>fce in Cincinnati, dieser ist jetzt Mir- Herausgeber des Hatoren in New-Dork. Der gelehrte Verfasser hat auf dem Hintergrund der bewegten Zeitgeschichte einen sehr lesenswerten Roman geschrieben, der von Anfang M Ende spannt und interessiert. All die großen Männer der Geschichte, in erster Reihe Herodes und Hillel, treten bedeutsam hervor. Doch auch die Träger anderer Namen, wie Baba den Buta und Jonathan den Usiel, die man aus dem Talmud kennt, spielen in Än Gang der Geschichte hinein. Der Kenner erkennt sofort, wie ganze talnmdische Stellen und viele rabbinische Sentenzen passend verwendet wurden. Der Roman soll ja das ganze jüdische Leben der damaligen Zeit widerspiegeln. Die Handlung gruppiert sich um die ^schichte eines Liebespaares — Hilleis Sohn Simon und eine Tochter der Prinzessin Salome und ist, wie gesagt, durchaus spannend gehalten. Daß dieser Roman ins Deutsche übersetzt wurde, kann nur "freudig begrüßt werden. Die deutsche Diktion ist von einem Kvrner hier in Wien überprüft worden und entspricht allen Anforderung^; sie liest sich glatt und elegant. Auch die Drucklegung ist hier in Wien erfolgt und auch sie ist gut gelungen. Nur einige Kleinigkeiten könnten sowohl in der Usbevsetzung (z. B. Rhodes statt Rhodos) als in dem Druck (z'B. nicht gehörige Bezeichnung der Gespräche) moniert werden, aber im Ganzen haben wir es mit einem fernen Buch zu tun, dessen Lektüre namentlich unserer männlichen und weiblichen Jugend warm empfohlen werden kann. S. Krauß. Zerstreut und doch geemt. Lebt da ein Mann in dem fernen, einst glanzvollen Bagdad und ist sich stets bewußt, daß er ein Abkömmling sei jener Großen aus Spanien, die einst so viel getan haben für die Wissenschaft des Judentums. Unser Mann ist darum wohl bewandert in allen Zweigen der jüdischen Wissenschaft, hauptsächlich aber erklärter Liebling ist 'der große Juda Ha-Levi. Geschäfte .führen unseren Mann nach Hongkong in dem fernen China, wo er, zu Wohlstand gelangt, jetzt nur noch mit mehr- Lust an seinem Juda ha-Levi hängend. Alles Aeußerliche ist an ihm englisch, feine Bücher, selbst der Bucheinband, selbftdas Papier, und man würde gar nicht glauben, daß Hongkong soweit anglisiert ist. Aber in fernem Innern bleibt unser Mann ein treuer Jude, ein echter Spagniole, ergeben der hebräischen Poesie, er selbst ein feiner Stilist des Hebräischen, Arabisch^, das er noch zu Hause in Bagdad gehört und gepflegt hat, hilft ihm das Hebräische des mittelalterlichen Dichters nur noch besser verstehen. So schreibt er ganze Bücher voll mit Amnttkungen und Erklärungen, die die Gedichte Juda ha- Levis in. ungeahnter Weise beleuchten und erklären. Als Text liegt chm vor, was der in Berlin gegründete Verein Mekize Nirdamnn herausgegeben und der, Prager Oberrabbiner bearbeitet hat. So gelangt die Frucht deutschen fleißes bis nach Hongkong. Der liebevolle Verehrer uda ha-Levis stirbt, ohne sein Werk herüusgegeben zu haben. Die Söhne haben den begreiflichen Wunsch, das Andenken ihres Vaters durch Herausgabe des Werkes zu ehren. Das Werk wird nach Europa gerächt, über London kommt es -auf die französischen Schlachtfelder, wo einer der Sühne, freiwillig für England kämpfend und sogar verwundet, das Werk, durch einen Sachverständigen zum Drucke vorbevsiten läßt. Der Sachverständige stirbt vorzeitig in den Wirren des großen Krieges, das Werk des chinesischen Kaufmannes bleibt einstweilen unveröffentlicht. Abermals über London findet endlich der Sohn fernen. Weg nach Wien, und hier landet endlich das Manuskript in der füllen Studierstube des Schreibers dieser Zeilen, von wo es mit Gottes Hilfe als prächtiges Werk in die Oeffentlichkeit dringen wird. Es wird Zeugnis ablvgen von dem ungebrochenen Forschung sgeift der Kinder des. Judentums, es wird aber durch seine Schicksal beweisen, daß es ein einheitliches Judentum gibt, das, obwohl ans dem ganzen Erdenrund zerstreut, sich geeint fühlt durch. die Verehrung, die es den Großen der Vergangenheit entgegenbringt und durch gemeinsames Bestreben, das zum. Zwecke hat, das Ansehen und die Kraft unseres Volkes zu mehren. Prof. S. Kr. Hermann Blmnenthal, „Die Abtrünnige". Ein Roman. Nun ein Roman ist es eben nicht, kann es auch technisch nicht auf den Raum von 53 Seiten sein, wohl aber eine schlichte, schmucklose Geschichte nach dem Leben, wie man sie zu Nutz und Frommen im Familienkreise erzählt und die trotz, oder wegen ihrer schlichten Anspruchslosigkeit ihre Wirkung auf den unverbildeten jüdischen Geschmack nicht verfehlt. Das schmuck ausgeftattete Büchlein ist im Hickl-Verlag, Wien—Brünn, erschienen. d. Dr. Jsmar Freund: Der Judenhaß. Ein Beitrag zu seiner Geschichte und Psychologie. Philo-Verlag, Berlin SW. 68. — Auf nur 38 Seiten gibt Freund eine. Fülle von Material, das den geschichtlichen Verlauf, dir innere Gesetzmäßigkeit und die seelischen Grundlagen einer Entwicklung auszeigt, deren Anfänge ws>t znrückliegen und deren letzte Auswirkungen noch der Zukunft angehören. Besonders beachtenswert ist es, weil die Belesenheit des Versagers umfangreiche literarische Nachweise bringt. Jeder Jude sollte es gelesen, aber auch über seinen Inhalt nachgedacht haben. O.-H. Bortrag. Dr. Gr unwald, „Das jüdische S p r i ch w o r t". Urania, Donnerstage den 21. Dezember 1622, Uhr abends._ . Verein ,Mohlfahrt". Die überaus rührige Sektion I/IX, unter Leitung des Herrn Obmann S. Weiner, veranstaltete Donnerstag, den 7. d. M. im Vereine mit der Kainzbühne zugunsten der notleidenden israelitischen Wohlfahrtsanstalten Wiens rm Hotel „Post" eine Theatervorstellung. Zur Aufführung gelangte Theodor Herzls „Das neue Ghetto". Wir werden auf die gelungene Aufftchrung zurückkommen.___ Apollotheater. Im Mittelpunkt des mit außerordent-' lich glücklichen Griff zusammengestellten Dezember- Programms des Apollotheaters steht der Kriminalsketch von Dr. Ludwig T h o m a „Das Werb", dessen spannende Handlung von den Burgtheatermitgliedern Josef Danegg e r und Gisela W il k e wirkungsvollst zur Geltung gebracht wird. Das Gastspiel von Anita Berber in ihren sensationellen Tanzschöpfungen war angesichts der besonderen Leistungen dieser Künstlerin und ihres Partners Sebastian D roste wie immer ein Erfolg. Als sehr lobenswert seien noch erwähnt Oreste Lampo, der. glücklich auf den Spuren Fregolis wandelt, der Musikimitator Fred Marion, Reckleß-Arley in einem amerikanischen Trapezakt, die Trampoliuakrobatsn Ed« mo nd os und die Equilibristen Brüder WHPlo. MW

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