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Die Wahrheit · 1922-12-15 · Heft 24 (15.12.1922) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 24 (15.12.1922)
Date
1922-12-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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D i e Wahrhe i f Seits 1A Nr. 24 . Ritter Georg der Unevschroaene noch in den österreichischen Landen das Deutschtimn verteidigte, jene Zeiten/ im man bald einen Mischen Hausierer verprügelte, bald wieder nach reichlich genossenen! Abendmahl euren semitischen Turnverein aus'seinem Heim Vertrieb. Im Laufe der Zeiiten ist diese Art politischer Tätigkeit etwas aus der Mode gekommen; es scheint nun wieder anders rverden zu wollen. Die Judenfrage ist rin Kreise der Alpinisten wieder aufgerollt worden und es gehört heute zum guten Ton, seinen Arierparagraphen in den Satzungen zu besitzen. Ein Mitglied unseres Vereines, es kann auch das waschechteste völkische Blatt seinem Namen kein Rufzeichen beifügen, schreibt uns, er sei in die Lizumhütte der Sektion Hall des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins gekommen, als ein reichsdeutscher Professor, der bestimmt auch nicht dem auserwählten Volke angehörte, seinen Abscheu äußerte über ein Plakat des Inhaltes: „Juden und Mitglieder des Vereins „Donauland" sind hier nichl erwünscht." später wurde er auf ein Gedicht aufmerksam gemacht, das auf der ersten Seite des in -der Stube airstiegenden Fremdenbuches eingetragen ist. Es lautete: Juden und solche vom Donauland, Sind hier nicht gern gesehen; Seien sie noch so müde gerannt, Mögen sie draußen stehen. Jesus! Höre und. merke es gut, Wie dein Gebot sie verachten! Kämst du gar selbst, du geborener "Jud. . .. Müßtest du draußen versaMachten. Glückerfüllt denk' ich darüber nach Daß mich kein Glaube mehr bindet, ' Daß nicht mein Tod mich unter einem Dach Mit solch einer „Christenheit" findet! Trotz -des beschränkten Raumes, der unserer Zeitschrift zur Verfügung steht, haben wir es nicht über uns gebracht, unseren Magucöern die ergötzlichen Wahrnehmungen, -die - unser Freund in der LiznmhüUe gemacht hat, zu verschweigen." Jüdischer Weltkongretz oder nicht? Das Judentum, das .heißt ein ^trächdlicher Teil desselben, wird jetzt von einer neuen- Frage bewegt, die sich ans die Einberufung eines Weltkongresses zngespitzt hat. Dre^ Meinungen für und gegen sind irn vorhinein so heftig, daß sie schon jetzt einen Vorgeschmack von der Heftigkeit und den Verlaus dieser Tagung , geben. Selbst die Grenzen des Progruimms einer solchen Tagung sind noch nicht abgefteckt. Während die eine Partei das Praktisch-Zionistische betont, will die andere über solch engem Rahmen hinausgreifen. Sehr bemerkenswert ist die Meinung, die Rudolf Seiden in der „Jüdischen VoWstimme" vertrÄh: Ein WeWongveß ist nichts anderes als ein Zioniftenikongreß, aber in erweiterter Form. Denn die Zionisten sind auf diesem, wie er bisher war und auf jenem -ganz andere, darum ist es nicht so unlogisch, wie es manchem scheint, einen WeMongrch neu zu schassen. Wollt ihr das nicht, d a u n m o d e r n i s i e r t den Begriff Zionist. Eine Forderung, die bereits mehrfach laut geworden ist. IM) zum Schluß die scheinbar logische Folgerung: Das Tempo 'des Wiederaufbaues Palästinas hängt nur von den zur Verfügung stehenden Mitteln ad. Diese aber von der Zahl der Zionfftenarchänger. Mchr Zionisten! Nun aber ist es eine allgemein bekannte, daher nicht bestreitbare Tatsache, daß für den Wivderauafbaufonds Palästinas in aller Welt auch -solche. Inden beisteuern, die weder dem Zionistenbunde angchören noch mit seinen Richtlinien sympathisieren. Diese OpferwMgkeit -bedarf keines Meltkongrsses, der -ein ^erweiterter Zioni'stenkongreß". sein soll. . Ü>ie Demokratie — mancher Aristokraten. Zufolge des epochemachenden Werkes des Grafen Heinrich Con» d e n h o<v e- Kalergr „Das Wesen des Antifemitismots" omb der bemerkenswerten Schrift über den „Ade l" seines Sohnes Richard, ist an wahrhaft demokratischer Hochgesinnung mancher Adeligen nicht zu zweifeln. Verallgemeinern kann man diese Meinung leider nicht. So hat am 23. v. M. im Jndnftriepalast der bürgerlich-demokratische Abgeordnete Graf Ottokar Czernin .seinen Vortrag über die Genfer Protokolle mit «der Glosse geschlossen: „Prälat Seipel kann nichts dafür, daß er nicht a/ls -Sohn eines Rabbiners -auf die Welt gekommen." Der aus solche Weise provozierte Lacherfolg bildet eine Passiv post für die Wah-lbiNlanz der bürgerlichdemokratischen Partei. Denn der, durch solchen Witz verletzte Teil der Zuhörerschaft, ging kopfschüttelnd über die Gesinnung des bürgerlich-demokratisch sein sollenden Albgeordneten nach Hanse, der wegen eines simplen Heitievköitserfolges es nicht verschmähte, die niedrigsten Hepp-Hepp-Jnftinkte seiner, mit den demokratischen G l e i ch h e i t s id e e n kaum vertranten Zuhörerschaft zu kitzeln. Der demo-kratische Firniß ist noch zu dünn: „Grattez le Russe.— vous trouverez 1 e Tarte re.“ Die bürgerlich-demokratische Partei wird für standesbewußte Juden erst dann in Beträcht -kommen, bis sie aushören wird, sich um den Pmrkt des Antisemitismus herunvzudrücken und klar und offen die vier Worte in ihr Wahlmauifest aufnehmen wird: „W i r —. vera b s ch e u e n — den Ant i femiti smus", mit der Begründung: „Die Konfession einigt die Familien — zersplittert aber die Bevölkerung, sobald sie vom Altar des Hauses auf die Straße getragen wird." Civis Versprechungen des Grafen Bethlen. Dem ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Bethlen paßt es vorläufig noch nicht, daß sein Kurs durch den christlichen der Erwachenden Ungarn gestört wurde und die Straßen der Landeshauptstadt wieder vom Geschrei nächtlich überfallener und mißhandelter Juden erfüllt werde. Budapest erfreut sich zwar, wie es in zivilisierten Städten der Brauch ist, einer Sicherheitspolizei, aber wenn deren Organ« zum Schutze gegen die Horthy-Strolche ihres Amtes walten möchten, sind sie selbst in Leibesimd Lebensgefahr. Die werte Oeffentlichkeit erfährt durch die lokale Presse am wenigsten von solchen Vorfällen, denn die Regierung vertritt den Standpunkt, man soll die Welt nicht grundlos aufregen. Es gibt indes neuerer Zeit doch so manches, das man nicht ohne weiteres vertuschen kann, wie die betyarische Fafziftenorganisationen, die Wert darauf legen, urbi et orbi wissen zu lassen, daß ihr Daseinszweck auf die Konzentration Mer christlichen Elemente der Nation abziele. Nachdem das Wort „christlich" im Programm des Hejjas-Gesindels eine verdammt anrüchige Bedeutung hat, sputet sich der edle Graf Bethlen — wir haben nicht mehr gezählt zum wrevieltenmal— mit der Versprechung, er werde nichts dulden, was die öffentliche Ruhe und Ordnung stören oder die Sicherheit einzelner Klassen, Rassen und Konfessionen bedrohen könnte. Eine ganz unverbindliche Drohung, so lange -die Regierung es nicht wagt, der Faszistenkopie an den Leib zu rücken, -die sich hochgehender Sympathien auch in jenen Kreisen erfreut, aus welchen die ungarischen offiziellen Regierenden hervorgehen. Bethlen und Nestroys Holofernes imponieren gerne mit den Worten: „Wenn ich einmal anfang' — aber ich fang' nicht an!" Das ganze scheinheilige Getue hat wahrscheinlich keinen anderen Zweck, als sich vor dem Völkerbund auszuspielen, -der die fragwürdige Ehre hat, feit kurzem auch Ungarn auf der Mitgliederliste zu führen.

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