Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 24 (15.12.1922)
- Date
- 1922-12-15
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Oeite 10 BxeistY. Sekretär Fleischer führte in. seinen An» sprachen aus, daß das Optionsrecht bei Gebietsabtretungen ein -Postulat des modernen Völkerrechtes sei, das in allen FriÄdensschMssen der letzten 200 Jahre, Anwendung gefunden hübe und daß man dieses Recht, den Juden nicht entziehen dürfe. Den Begriff der Rasse kenne die österreichische Gesetzgebung nicht, ein Nachweis der Rassenzugehörigkeit sei «auch in keiner Weise zu erbringen. Geist und Absicht des Artikels 80 werden willkürlich verfälscht und ein klares Recht nach dem Part-eistandpunA des jeweiligen Innenministers in sein Gegenteil, verkehrt. Hier handle es sich aber nicht bloß um die wirtschaftliche Existenz Tausender von ^ftöden, sondern auch um ihre Ehre und die Anerkennung ihrer Gleichwertigkeit, weil sie sich als eine minderwertige .»Rasse" gewertet sehen. Redner bewirte, daß die Jachen Oesterreichs diesen Kamps mit zäher Energie weiterfühven norden und daß es der österreichischen Republk -würdiger wäre, das im. Friedensvertrag unzweifelhaft feftgestellte Optionsrecht freiwillig anzuerkennen, als sich durch einen Druck von außen hiezu zwingen zu lassen. — Präsident Ehrlich des Bukowinaer Zentraüverbwndes verwies aus die großen Verdienste, welche sich die Juden der Bukowina um die Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur ans diesem vorgeschobenen Posten erworben haben und überreichte eine Denkschrift, in welcher die schweren wirtschaftlichen Nachteile hervovgcholben werden, welche viele Hunderte von fleißigen und ehrsamen Geschäftsleuten und Gvrvecbetreibenben durch die Verweigerung der Option erleiden. Sektionsrät Mokry und Vizekanzler Breisky erklärten, daß sie die Ausführungen der «beiden Sprecher dem Minister des Innern und dem Bundeskanzler möglichst sinngetreu übermitteln werden. „Was dem Juden heilig ist und der Arier nicht wissen darf." Unter diesem Titel veröffentlicht das wöchentlich erscheinende Organ der nationalsozialistischen Partei, an deren Spitze der mandatshungrige Dr.. Walter, Riehl sicht, ein angebliches Zitat aus dem Schulchan Aruch, „Gesetz 81", in welchem behauptet wird, es sei dem Juden strenge verboten, einen..,Arier", mit «dem er in. Frieden, lebt, vom Tode zu retten, zum Beispiel, wenn, er ins Wasser gefallen sei.. Ferner sei es dem Juden verboten, einen „Arrer" zu heilen; es sei dem Juden ferner ertaubt, an einem „Arier" zu prüfen, ob ein Arzneimittel gesundheitbringend oder tödlich sei. Endlich sei ein Jude verpflichtet, einen Juden, der sich habe taufen lasten, totzuschlagen und aufs allerstrengste sei es ihm verboten, einen solchen vom Tode zu erretten! Wir 'bemerken zu «diesem Mat heute nur kurz folgendes: Der Schulchan Aruch ist nicht in „Gesetze" eingeteilt, es gibt also auch kein „Gesetz 81".. Diese Einteilung rührt von dem berüchtigten Fälscher Aron B r i m a n n her, der unter dem Namen Dr. Justus den ans dem Prozesse Rohling—Bloch von den Sachverständigen Professor N ö l d e ck e und Professor Wünsche .als schamloses Falsifikat gekennzeichneten „Judenspiegel" herausgegeben hat. Jnstns-Brimann hat vielfach das Gegenteil von dem 'behauptet, was der Schulchan Aruch sagt. Das Organ des Dr. Walter Riehl fälscht noch überdies den „Judenspiegel" des Justus-Briemann. Die von ihm angeführten Stellen lauten sowohl im Schulchan Aruch als auch bei Justus ganz anders. So erzeugt eine Fälschung die andere. Daß die den jüdischen Aerzten zugeschriebene Praxis eine Verleumdung ist, bsve-ist schon die- Tatsache, daß zahlreiche Päpste und Fürsten des Mittelalters sich von Mischen Aerzten behaiGeln ließen und deren - MMWnfremÄlichkeit rühmten. Daß Juden in Uchlreichen «Fallen in Leibansiä 24 «gefahr geratene Arier retteten, ist aus der Anführung eines, 'diesb^üglichm überreichen Materials in Mochs neuestem. Werke „Israel und die Völker" zu ersehen. Usbrigens halben Nöldecke und Wünsche eidlich erklärt, daß die Vorschriften des Schulchan Aruch für das heutige Judentum und fein Verhältnis zu den Christen nicht mchv gelten. Der. Schulchan Aruch spricht von „Äri", d. h. Götzendiener. Justus Brimann hat daraus „Christen" gemacht und das Organ des Dr. Riehl wieder macht aus «den Christen des Doktor Justus — „Arier". — Das Blatt will seine Veröffentlichungen aus dem „Heiligen Gesetzbuch der Juden" fortsetzen. Wir werden also genötigt sein, auf die Angelegenheit noch gründlicher zurüc^ukommen und dem Herrn Dr.- Riehl derart aus die Finger zu klopfen, ,baß ihm die Fälschung von Fälschungen verleidet wird. Zu den Vorgängen an den Wiener Hochschulen.. In Nummer 23 der „Wahrheit" vom 24.. November 1022, (Veröffentlichungen -der Union der österreichischen Juden) heißt es in dem Aufsätze „Lauter blöde Sachen" unter anderem: „Mer die schlimmste Mer Assimilationen ist der jüdische Nationalismus, der mit der ideellen Zukunfts- Hoffnung auf Zion keinen kausalen Zusammenhang hat. und durch Mißachtung Mer sremdnationalen Kultur nur den Judenhaß in Mer Welt verschärft und geradezu rechtfertigt." Die Richtigkeit dieses Satzes beweisen die letzten Vorgänge an den Wiener Hochschulen. Das Ziel dieser judenfeindlichen Bewegung war:. Numerus clausus jüdischer Studenten und Professoren an den österreichischen Hochschulen, Unzulässigkeit, der Bekleidung des Amtes eines Rektors, oder eines Dekans durch einen jüdischen Professor. Es ist die Verleugnung jedes Rechtsgefühles, wenn man bei gleichen Pflichten, nicht auch gleiche Rechte zuerkennt.. Obige Forderungen werden ohne nähere BogrüMrng als. selbstverständlich hingeftellt. Offenbar wird von der Voraussetzung ausgegangen, -daß die jüdischen Bewohner Oesterreichs kein Heimatsrecht haben, daß sie nur geduldete Ausländer sind. Warum hat man es ftüher,. als es noch keine jüdisch-nationalen Studentenverbindungen gab, nicht, gewagt, derartige Forderungen auszustellen? Dies ist teil-, weise die Folge des jüdisch-nationalen Gedankens, d^r politische Ziele außerhalb des Vaterlandes verfolgt. Es:ist der. willkommene Vorwand zur beginnenden Entrechtung der. österreichischen Juden in der Heimat. Nicht umsonst haben die Deutschvölkischen die Entstehung der jüdisch-nationalen. Bewegung begrüßt und sich über die Grundsätze der Jüdischnationalen, z. B. über die reinliche Scheidung der Rassen, anerkennend geäußert. Die Deutschvölkischen waren Realpolitiker. Sie waren sich sofort darüber klar, daß der jüdischnationale Gedanke in Oesterreich eine Waffe sei, die jederzeit gegen die Juden gekehrt werdenkönne.. Nun. machen sie davon Gebrauch. Die Jüdischnationalen, die von einer Verständigung von Volk zu Volk träumten, hatten nicht bedacht, daß sie mit einem außenpolitischen Programm den österreichischen Juden ihre Heimat nehmen,, sie im Vateplande entwurzeln, ohne ihnen eine neue Heimat zu geben.. __ Dr. E. W. Mitteilungen aus dem Zentralvorstand. Für unseren Preßfonds sind neuerlich eingegairgen: Von Karl Bauer, Innsbruck, K 30.000 von Emil Ehren st ein, Wien, 9. Bez., Nordbergstr.. 6, K 30.000, von Moritz Oe st er re i che r K 100.000, von Hugo Miroslav Ta u s i k K 100.000, von Simon W e i n e r K 50.000, von Philipp Haas K 10.000 und von Siegfried Stein K 10.000. Wir Mten dringend um weitere Zuwendungen! " ' Die Wahrheit