Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 24 (15.12.1922)
- Date
- 1922-12-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wah rhe i k Seite 9 Nr. L4 Bestrebungen in den Gäluth-Ländern 'beiseite stellen und tvenn sie Gr Programm dahin revidieren wollten, daß sie mit erhöhter Kraft sich auch für die Erhaltung der Position der Juden außerha'lb Palästinas einsetzen wollen. Auch wir 'brauchen eine Kursänderarng! ..Numerus elrmsus" heißt auch: „Geschlossene Zahl": Schließen wir uns zus am men! Judentum und Nationalismus. Von Oberrabbiner Dr. -Moritz G Lide mann s. A. Das Judentum hat zufolge seiner geschichtlichen Mission nicht die Aufgabe, die zentrifugale Nationalitätssucht oder Nationalitätsschwärmerei der Völker zu unterstützen, geschweige ihr seinerseits zu huldigen, sondern vielmehr die, den Individualismus der Nationen aufzuheben und auf die Vereinigung aller Menschen zu einer Menschenfamilie hinarbeiten . . ., würde das Jlldentum in allen seinen Bekennevn das Bestreben erwecken, wieder eine Nation zu werden, so beginge es einen S e l b st m o r d, denn es würde für eine im günstigsten Falle zweifelhafte Gegenwart die Zukunft preisgeben. Es hat aber immer in der Zukunft-gelebt, es ist niemals in der Gegenwart aufgegangen, es hat die Zukunft niemals der Gegenwart geopfert.. . * * * .* Die silbische Religion', kennt einen einseitigen Natwnalitätsbegrisf nicht', da dieser mit dem Geiste der Thora, der Propheten und Psalmen in direktem Widerspruch steht, ebenso wie mit dem Geiste seiner Geschichte.Da wir JNden nur als. Volk Gottes ein Glaubensvolk, nur durch die Offenbarung am Sinai und nicht durch Eroberungen durch Blut und Eisen ein Volk geworden, d e s sen Volksbegriff stets nur durch seinen Gotte s b e g r i f f b e d i n g t tu a r . . . » * * In der Erfiillung seiner religiösen Aufgabe, der Herbeiführung der messianifchen Völkerversöhnung und Völkerverschmelznng, nicht in der Betonung und Hervorkehrung des nationalen Charakters liegt die oft mißdeutete Auserwählung und göttliche Sendung Israels . . . Die hervorragendsten Bannerträger des Judentums, wie Philo, Maimonides, Mendelssohn, glänzten auch in der Kulturgeschichte ihrer Zeitalter und haben keineswegs durch ihre Assimilation dem Judentum geschadet, während das Nationaljudentum selbst ein Produkt zu weit gehender Assimilation ist, insofern es den nationalen Chauvinismus der Gegenwart ans das Judentum überträgt . . . Lassen wir uns nicht das Kukuksei der Nationalität in unser Nest legen, es wird nichts Gutes davon ausgebrütet. Wie sagt doch Grillparzer? „Bon Humanität — durch Nationalität — zur Bestialität." Diesen Entwicklungsgang können die Juden durch ihre Erfahrungen während >der letzten Jahrzehnte am besten bestätigen und sie sind davor gewarnt, ihn selbst mitzumachen . . . -r- * * Der jetzige Nationalismus, mancher Juden ist einfach lächerlich. Der deutsche Jude verachtet den polnischen Juden und umgekehrt. Im Mittelalter sonderten sich die aus.Spanien und Portugal vertriebenen Juden den Gemeinden, in welchen sie Aufnahme fanden, nach, in katatonische, kastilische, arragonische usw. Juden. Man sieht 'also, daß nürd as reli.giöseMomentvonjeher dä'S einigende, das nationale wber das disseren zieren de gewe.sen ist. Schon daß der deutsche Jude dom „Pollak", dieser ebenso vom „Datschen" spricht, zeigt, daß sie sich national als anders geartet betrachten, während sie Glaubensgenossen sind und sich als solche betrachten. - * * Die Nationalisierung des Judentums ist das Umgekehrte seines Anfangs, der Judaisierung des Nationalen. Dieses steckt im Irdischen, das Jüdische im Geistigen. Die Nationalisierung des Judentums heißtals o,es ausderSphäredesGeistigen in d i e des I rd ischen versenken. Aber „Staub bist du und zu Staub kehrst du zurück", das ruft man nur den Toten nach. ■» ■ » Das jüdische Volk, sagt Renan (Ursprung des Christentums, 6. Band, Seite 247 d. Orig.), zerstreut von einem Ende der Welt bis zum andern, hatte bald keine andere Nationalität, als die -- der Thora. * * * Der Glaube ist unser Jerusalem, läßt Stefan Zwetg seinen „Jeremias" zum Schlüsse ausrusen. Zeichnet Spenden für unseren Pretzfonds! Werbet Mitglieder für die „Union"! Abonniert unser Organ, „Die Wahrheit"! Gedenket bei Familienfesten, bei Testamentserrichtuugeu, Spielgewinsten usw. unseres Rechtschutzbüros! Es kommen ernste Zeiten! Pfleget den Opfersinn für unseren gemeinsamen Kamps! Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehrbureau. Der Optionsskaudal. Der „Bukowmaer Zentralverbanid" hielt -am 4. November eine zahlreich 'besuchte Versammlung ab, in welcher gegen die Abweisung der jüdischen Optanten seitens des Ministeriums des Innern energischer Protest erhoben wurde. Der Sekretär der „Union deutschöfterreichischer Juden", Herr Siegfried Fleischer, erstattete ein eingehendes Referat, welches die einzelnen Phasen des von der „Union" seit anderthalb Jahren geführten Kampfes um das Optionsrecht darlegte und den Standpunkt des Vizekanzlers Dr. Frank entschieden znrückwies, der erklärt Hat, daß er den Grundsätzen seines Klnbgenosfen und Miniftevkvllegen Dr. Wa b e r Rechnung tragen müsse. Redner teilte mit, daß 'frei der diesjährigen Septemibertaglung des Völkerbundes in Gens ans Grund des von der „Union" unterbreiteten Memorandums dre Vertreter der Signatarmächte mit dem Bundeskanzler Dr. Seipel und. dem Minister des Aeußern Dr. Grünberger eindringliche Besprechungen geführt und daß die letzteren erklärt haben, auf eine Aenderung der bisherigen Optionspraxis hinarbeiten zu wollen. Die VerfamiNlung beschsoß die Einsetzung eines permanenten Aktionskomitees, «das im Einvernehmen mit der „Union" alle weiteren erforderlichen Schritte durchzuführen hat. — Unter Führung des Sekretärs Fleischer sprach am 8. November eine Deputation des „Bukowinaer Zentralverbwndes" im Bundesministerium für Inneres und im Bundeskanzleramt vor. Da zur selben Stunde ein Ministerrat stattfand, empfing die Herren statt des Vizekanzlers Dr. Frank Herr SMionsrat Dr. Mokry und statt des Bundeskanzlers Dr. Seipel Herr Vizekanzler a. D. Doktor