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Die Wahrheit · 1922-12-15 · Heft 24 (15.12.1922) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 24 (15.12.1922)
Date
1922-12-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 8 Di» Wahrheit Nr. S4 das Primäre gefordert, dem erst die formale Absage an die frühere Religionsgemeinschaft durch das rituelle Tauchbad folgt. 14. Während alle Mizwot und alle anderen „Zeichen des Bundes mit Gott" an örtliche und zeitliche Bedingungen geknüpft sind, bleibt die Mila konstant und unablösbar. Das von Natur Gegebene wird zum Mittel unerläßlicher, sittlicher, religiös-nationaler Betätigung erhoben. „Wie 'der Weizen erst gemahlen und zu Brot gebacken werden muß, so wird der Jude seinem ideellen Lebenszweck erst durch die Beschneidung zugeführt." (Ber. r. 11). In jedem Moment soll er an seine Pflicht gemahnt werden, getreu dem Bunde der Väter und dem Zusammenhalt mit ihnen und seinen jüdischen Zeitgenosien, das heißt dem Judentum als religiös-nationaler und geschichtlicher Gemeinschaft und der Verpflichtung zur Gemeinbürgschaft und gegenseitiger Hilfeleistung, wie mit dem Anrecht darauf, — diese Treue auch auf die Nachwelt zu übertvagen. 15. Dementsprechend kämpfte der Jude auch nach der Makkabäerzeit mit den Waffen in der Hand für die Erhaltung der Mila (vgl. Schabbat 130 a, Rosch hoschana 14 a und Josephus (Antiq. 12, 5, 1) Und sagt der Altmeister der modernen jüdischen Wissenschaft Z u n z (Ges. Schr. II, 197): „Eine Abschaffung der Beschneidung schneidet das Leben dos Judentums mitten entzwei, ein Selbstmord ist keine Reform." I. N. Mannheimer schreibt hierüber (bei Trier, Rabb. Gutachten über die Beschneidung S. 100): „Jede Genoffenschaft hat auf chre Satzungen zu halten, hat das Recht, sich aller Verbindlichkeiten gegen den zu entledigen, der sich der Verpflichtung gegen sie entledigt. Ich habe kein Recht, Sie zu zwingen, als Jude Ihren Gott mit dem Hut auf dem Kopfe anzubeten; ich habe aber allerdings das Recht, Sie aus der Synagoge zu weisen und nötigenfalls hinauszuwerfen, wenn Sie den Hut abtun, wo ihn alle auftun." „Der Contrat social berechtigt dazu, der Staat, der uns als Genoffenschaft anerkennt, muß uns darin unterstützen. Ich erkläre, daß ich den fraglichen Knaben in keinem Falle in die Matrikel und Geburtsbücher eintragen, ihn weder zur Einsegnung und Konfirmation noch zum Aufrufen vor die Thora zulaffen, weder seine Ehe einsegnen, noch wenn er stirbt, zur Beerdigung auf dem jüdischen Gottesacker zulaffen, noch in irgend einer Beziehung ihn'als zum Judentums gehörig betrachten und ansehen würde." Monarchisten und Juden. Ein letztes Wort. Trotzdem Herr Oskar Hirsch seid meine Erwartungen, die ich in feine Loyalität setzte, weit übertraf (und im Jntereffe der Sache danke ich hier für seine -ehrliche, offene Erwiderung), bitte ich doch zu dieser Polemik ern kurzes Schlußwort sprechen zu dürfen. ES war leider Tatsache, daß die Monarchie unter vielen Uebelständen auch den hatte, antisemitische Bewegungen, die dem Staatsgrundgesetze entgegen waren, nicht zu unterdrücken; ob gerade die Tdleranz der Urckuldsamkeit nicht eine der hauptsächlichsten Mitursachen des Sturzes der Monarchie war, vermag ich nicht "Hu behaupten, habe es aber immer rein gefühlsmäßig bejaht. Als die „Österreichische Staatspartei" gegründet wurde, fand ich es für notwendig, dahin zu wirken, daß die.erste Nummer des Parteiblattes die philo semitische Stellungnahme der Partei präzisiere und verfaßte selbst den diesbezüglichen Artikel- Dreser aber konnte nicht zum Abdrucke gebracht werden, da, wie mir gesagt wurde, er allzuscharf gegen die Äntisemiten spreche und deshalb seinen Zweck verfehlen würde. Der Zweck des Artikels sollte der sein, einerseits jenen Parteianhängern, die noch irgendwie antisemitisch infiziert wären, 'Me Unrichtigkeit ihrer Anschauung darzmun, anderseits die Juden darüber zu unterrichten, 'daß die „Staatspartei" eine Monarchie der völligen Gerechtigkeit anstvübe. Mein Artikel aber, hieß es, würde nur das letztere Ziel erreichen; die noch antisemitisch empfindenden Mitglieder und Anhänger aber nicht zur Vernunft, sondern in die Opposition bringen. Aus Gründen der Parteidisziplin gab ich nach, obwohl ich mit der Meinung nicht zurückhielt, allzuviel politische Vorsicht könnte nur mißtrauisch machen. Meine Befürchtung gab mir recht. Aber nichtsdestoweniger besteht die Tatsache, daß die „Österreichische Staatspartei" die Monarchie völliger Gleichberechtigung anströbt und gegen jeden Raffenhaß energisch Stellung nimmt. Ich glaube, damit wäre dieses Thema, (und es ist bedauerlich, daß rm zwanzigsten Jahrhundert noch solche kulturlose Fragen überhaupt zur Sprache kommen müffen!) zur Gänze erschöpft. Aber schließlich baut sich ein Staat nicht auf die Meinung einiger unreifer Radaumacher auf, sondern (gleichviel ob Monarchie oder Republik) auf Moral und Kultur. Und diese beiden Faktoren haben mit Raffenbekämpfung nie etwas zu schaffen gehabt! Mit dem Ausdrucke meiner vollsten Hochachtung Hanns Karl Grauenberg. » » Durch das obige Schreiben des Herrn G. ist zur Genüge dargetan, patz ich in der Behandlung der „kulturlosen" Frage richtig vorgegangen bin, besonders, was den ftaglichen Artikel in der ersten Nummer der inzwischen eingegangenen „Monarchie" betrifft, welchem, meiner Meinung nach, Herr Grauenberg, dem vornehmes philosometisches Empfinden nach seinen Aeußerungen nicht im geringsten abzusprechen ist, ferne stehen mußte, eine Ansicht, die der Briefschreiber nur bekräftigt. Oskar H k r s ch f e l d. Der Großjude. Bon Joseph Lazarus, Jom Kipur 5083. B e r f ü h n u n g s t a g! Da sitzen sie friedlich beisammen, die sich draußen bekämpfen, Orthodoxe und Neologe, Zionisten und Affimillanten, auch ein Chuffid aus Polen ist in die Synagoge gekommen, das seltene Schauspiel zu sehen. Neben mir jüdische Schriftsteller aller Schattierungen. „Welches wäre der -größte Nutzen," frägt mein Nachbar, „den die orthodoxe Presse heutzutage der Welt erweisen könnte?" — „Der Nutzen, ihr nicht zu schaden." — ,.Wie meinen Sie das?" — „Ich meine, ihr solltet Lesirngs Nathan den Weisen umschreiben; ihr solltet die Erzählung von den drei Ringen einem unserer Propheten in den Mund legen, dessen allumfassenden Geist niemand des heutigen Zwerggeschlechtes tot seinem ganzen Umfange geerbt hat. Jeder trägt bloß di esen Lichtstrahl davon, der zu seinem GeistesschNff paßt. Der Orthodox e die wissenschaftliche Eignung; der Zionist die glühende historische Vorliebe; der C H u s s i d die prophetische Phantasie. Alle drei .Ausammervgelegt zu emför Person, würden die große Gestalt des Propheten wied ergeben. Naburbegründet der Bruderhaß infolge Zersplittermrg der

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