Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 24 (15.12.1922)
- Date
- 1922-12-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 24 Die Wahrheit Seite 5 .Vater, der seinen Sohn nicht beschneiden läßt, sowie der Sohn selbst, solange er „arel" bleibt, verwirkt das Bürgerrecht in Erez Israel, im Galnch jeden Anspruch an dle Gemeinde. Veranlaßt nicht der Vater die Beschneidung seines Sohnes, so hat die Gemeinde die Pflicht, dafür zu sorgen, da sie die Verantwortung trägt, daß der Abrahamsbund mit Gott nicht verletzt werde. (Jore dea 261.) 3. Ein Unbeschnittener darf nicht in die Gemeinde . ausgenommen, ein unbeschnitdenes Kind somit nicht in die jüdische MatriM eingetragen werden. Dort, -wo die Eintragung eines Kindes jüdischer Herkunft nach dem Landesgesetz sogleich nach der Geburt seitens der Gemeinde vorgenommen werden muß, ist von dieser ein Attest über erfolgte Beschneidung einzufordern und in Evidenz zu halten. 4. Wie für die christliche Konfirmation ein Danszengnis gefordert wird, darf ein Knabe als Barmizwant nur zur Thora aufgernfen werden, wenn er sich über vollzogene Mily ausweisen kann. 5. Dasselbe gilt für Trauungen. >6. Der Uubeschnittene jüdischer Herkunft steht nicht nur außerhalb der jüdischen Gemeinde (Kidduschin 36a), er wird in gewissen Beziehungen 'dem Götzendiener gleichgestellt. So durfte er das Heiligtum nicht betreten (Ezechiel 44, 9), auch an dem Peffachopsermahl nicht teilnehmen (2. Mose 12, 43 ff). Wie jedem Wesen gegenüber gelten aber auch ftir ihn die Gebote der Mildtätigkeit. 7. Götzendiener dürfen auf einem jüdischen Friedhof bergesetzt werden, nicht aber Sünder neben Gerechten (Sanhedrin 47a), somit auch nicht einer, der das Gebot der Mila verletzt und nicht diese Verletzung durch nachträgliche Erfüllung gntgemacht hat. 8. Da ein solcher Sünder sich von der Geschlechterfolge (vgl. oben 1. Mose 17, 4, Psalm 22, 21, Tanchnma Wajjera) ausgeschlossen hat, wird er nach dem Ableben .nicht „zu den Seinen versammelt". Er hat keinen Anteil an der ewigen Seligkeit (Abot 3, Sanhedrin 99, Maimonides, Hilch. Mila 3, 9) und kein Anrecht ans die vorgeschriebene Trauer seiner Angehörigen (Maimonides, Hilch. Ebel 1, 10). Nur der Beschnittene geht ein in Abrahams Schoß, d. h. in das Paradies. (Kidduschin 72b; vgl. Ber. r. 48.) 9. Während von Heiden Opfer für das Heiligtum angenommen wurden, darf der unbeschnittene Jude keine Gemeindesteuer zahlen (Ovach chajfim 154). Eher soll eine Gemeinde aus Not die heiligen Gerätschaften verkaufen, als von einem solchen Juden' einen Beitrag annehmen. Selbst die Armen sollen sein Almosen zurückweisen. 10. Jeder Jude ist, auch wenn er eine Sünde begangen hat, als Israelit anzusehen (Sanhedrin 44a). Der Unbeschnittene wird darum Zeit seines Lebens der Verpflichtung zur Mila nicht ledig. . 11. Wer sie unterläßt, darf (5. Mose 30, 6 und Jesaja 52, 1) nach Wied er ansr i chtnng Zions den Boden Jerusalems nicht betreten. 12. Wie bei der Volksschöpsnng Israels, beim Ausbruch nach Erez Israel (2. Mose 12), wurde vor dem Betreten des Landes (Josna 5) auf die Durchführung der Mila aller Nachdruck gelegt. 13. Auch in der Apostelgeschichte (7, 8; 15, 19 f., vgl. Epist. Pauli an die Galater 2) gilt die Mila als unumgänglich für die als Inden geborene Christen, nur für die als Heiden geborenen ist si-e fraglich. Noch heute wird sie bei der Aufnahme von Proselyten ins Judentum als diesen Zusammenkünften eine Menge seelischerWiderstandskraft zur Truppe mit, die alle die kleinlichen Reibereien mib Kümmernisse leichter ertragen ließ. Aus allen Teilen des weiten Deutschen Reiches fanden sich die Teilnehmer zu jedem Gottesdienste zusammen, denn der lange Feldzag hatte die Truppenteile innerhalb der größeren Verbände durcheinander gewürfelt, während zu ÄTginn ja die laut smannschastlichen Verbände straffer gewahrt blieben. Und so stand neben dem süddeutschen Juden der Jude aus der Ostmark, neben beim Rheinländer der Berliner. Und man hat sich bei diesen Gelegercheiten kencrnongelernt und immer mehr gefühlt, daß das einigende Band, das Israel zusc.mmenhält, so stark ist, daß es imstande ist, alle die Einzelschattierungen, die sich unter seinen Bekennern bemerkbar machen, zu Überdrucken und die einzelnen Glieder zusammen zuh alten. Auch in dieser Richtung hat man viel .gelernt. Als ich auszog, war ich vielleicht ein. etwas fanatischer Anhänger der links-liberalen - Richtung in unserer Glaubensgemeinschaft und stand dem'Zionismus mit völliger Verständnislosigkeit, ja mit. einer gelvissen Feindseligkeit.gegenüber; das hat sich dann gründlich geändert und am Schlüsse des Krieges stand ich fast aus entgegengesetztem Standpunkte, wenigstens 'was den Zionismus anlangt, ohne allerdings meinen religiösen Standpunkt anfgegeben zu haben. Doch das führe ich nur an, um zu sagen, wie man sich verstehen lernte und wie man oft bedauerte, daß der Kampf, den die einzelnen Richtungen in ihren Blättern ausfochten, oft scharfe Fornren annahm, die geeignet waren, die große Gemeinschaft, zu der wir gehören, zu schädigen. Es bildete sich in uns immer mehr der Gedanke heraus, daß wir doch lieber alle wie ein Turm zusammenstehen sollten, anstatt uns gegenseitig bekämpfen, und ich hoffe, daß die jüdischen Kriegsteilnehmer biefeu Gedanken alle mit in ihre Heimat genommen haben, und daß ihr Einfluß in den jüdischn Vereinen lebendig bleiben wird. Ich glaube, daß, wenn man sich die Mühe nimmt, die Gedanken des anderen nachzudenken, daß dann die Gegen-- sätze gar nicht so unüberbrückbar sind und daß die gemeinschaftliche Liebe zum Judentum sie alle auswiegr. Wenn man zu Beginn des Krieges glaubte, daß . gerade die religiöse Seite unseres jüdischen Lebens sich besonders entwickeln würde und teilweise sich auch wirklich entwickelt hat, so trat dann auch immer mehr die nationaljüdische Seite hervor; es würde zu weit , sichren, im einzelnen hier auseinauderzusetzen, wie die Dinge gekommen sind, aber ich glaubte beobachten zu können, daß der Gedanke der jüdischen Volksgemeinschaft neben der der Glaubensgemeinschaft immer mehr an Boden gewann und bet vielen auch zu eine Vertiefung des jüdischen Empfindens führte. Vielleicht war das der im Unterbewnßtsein wurzelnde Gedanke, daß der Mnneinsame Glauben nicht das einzige Band ist, das uns bindtzt und daß das Raffenmäßige, das 'Völkische in unseren Adern noch eine ebenso große Gewalt hat. Wieviel ließe sich darüber sagen! Aberdas gehört nicht mehr hierher, und doch durfte ich es uicht ganz übergehen, weil diese nicht vereinzelt gebliebene. Beobachtung in den jüdischen Kriegserinnerungen auch ihren Platz haben muß. (Fortsetzung folgt.)