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Die Wahrheit · 1922-10-27 · Heft 21 (27.10.1922) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 21 (27.10.1922)
Date
1922-10-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 21 D i e W^ahrheit »erte 13 öden Gehirn Rosenbergs und seiner Nachbeter herumspukt. Wenn nun der „Michel" meint, „seitdem ist ein halbes Jahr vergangen und die Zissern sind, niedrig gegriffen, noch um 50 Prozent gestiegen, denn die blutfaufende Bestie noch um 50 Prozent gestiegen, denn die blutfaufende Bestie, und was underes ist der Hebräer nicht, wird immer wilder", so könnte er damit einen Heiterkeitserfolg auslösen, wenn der Gegenstand nicht zu tragisch wäre — auch der Umstand, daß es immer noch Individuen in Gottes Tiergarten gibt, die mit solcher Gewissen- und Gedankenlosigkeit Daten verbreiten, die den Stempel der Unwahrheit offensichtlich an sich tragen. Und eine Gedankenlosigkeit ist es, solche Mörderarbeit der paar Juden in der Sowjetregierung zuzumuten, auch wenn der Schergen noch so viele sind! — Aber wer gebietet denn den Schergen, die ja ebensolche waschechten Arier wie die „Michel"-Leute sind, ihre schmachvollen Dienste den Juden zu weihen? Hat der „Michel" noch niemals aus seinen Scheuklappen heraus erkannt, wie sehr er die eigene Raffe damit herunterfetzt? Angenommen, aber nicht zugegeben, daß die Henkers- und sonstige Mördertätigkeit wirklich furchtbare Dimensionen angenommen habe, wer ist Schuld an dieser Bestialität? Wieder nur die arische sogenannte Intelligenz,, die in Rußland mehr als irgendwo, das einzige Ziel verfolgte, den Bauer und „kleinen Mann" möglichst im Tiefstand zu belassen. Der bestrafte Schimpfbold. NationalidÄutsche Taktik lehnt sich mit Vorliebe an den lateinischen Spruch: „Verleumde nur kühn, es bleibt immer etwas hängen!" Manchmalkommt es aber anders. Dann bleibt zu seinem Leidwesen der Verleumder selbst vor den Schranken, des Gerichtes hängen. Der „Verantwortliche" der „Deutschen Zeitung", Otto v. Schilling, hat dies erfahren, als er in diesem Blatte den Vizekanzler Bauer und die Reichstagsabgeovdneten Wistel und Hoch der Mithilfe an Schiebungen der Deutschen Werke zugunsten der foziaDemokratischen ParteKasse beschuldigte. Die Strafkammer des Landesgerichtes I Berlin verurteilte den v. Schilling, da er natürlich den Beweis der Wahrheit nicht erbringen konnte, zu 20.000 Mark Geldstrafe. Der Verurteilte nahm dafür in einem giftgeschwollenen Aussatz der „D. Z." Rache, dessen Schmähungen dem Anwalt der Kläger Dr. Juliusberger .galten. Das Gericht sprach gegen v. Schilling aus diesem Anlaste eine neuerliche Geldstrafe von 500 Mark -Ms und verwarf dessen Berufung -gegen das erstergangene Urteil. Information auf dem Friedhof. Im Friedhofamt wird den Parteien oft bedeutet: „Den Rabbiner können Sie aus dem Friedhof informieren". So kommt es, daß infolge unzureichender Information, unmittelbar vor der Beerdigung dieser Tage ein Rabbiner in einer Leichenrede als letzte Freude des Verswrbenen angab, was gerade seinen Tod beschleunigt hatte. Einer der Hinterbliebenen maß die Schuld dem Amte zu, das ihn nicht zum Besuche des Rabbiners aufgefordert habe. Derselbe Rabbiner fuhr Tags darauf gemäß amtlicher Verständigung auf den Friedhof, wo die Partei erklärte, gar nicht eienn Rabbiner gewünscht zu haben. Unzählige Male haben die Rabbiner beim Friedhofamte aus Abstellung dieses Uebelstandes gedrungen. Die Amtsleitung hat auch, vom besten Willen geleitet, die Angestellten mündlich instruiert, die Partei zur Fühlungnahme mit dem Rabbiner aufzufordern. Warum' aber werden nicht durch eine weithin sichtbare Kundmachung in den Amtsräumen die Partei en darauf hingewiesen? Die Redaktion. Vermischtes Verein der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels. Das Simchas-Dhorafeft, der richtige Freudentag des Judentums, bot den geeigneten Anlaß zu einer erhebenden Feier, in desten Mittelpunkt Herr Direktor Alfred Land es der g er stand. Desten -außerordentliche Verdienste -an dem Wiederaufbau des vor Jahren -durch Feuer zerstörten Tempels hatten in dögenanntem Verein den Gedanken angeregt, Herrn Direktor Landesberger durch Ueberreichung des Ehrenmidglietddiploms die verdiente Würdigung angedeihen zu lasten. Die Veveinsangehörigen und deren Frauen hatten sich in A. Barsch a k s Restaurant Sonntag, den 15. d. M., zu einem Festmahl versammelt. Nach beendeter Tafel überreichte der Obmann des Vereines Herr Dr. E. T h a l e r das Diplom und betonte in einer geistreichen Ansprache die außerordentlichen Verdienste >des Herrn Direktor Alfred Lande s b e r g e r, der nicht nur selbst reichliche Spenden für den Wiederaufbau bot, sondern auch andere zu gleicher Opferfreudigkeit zu entflammen wußte. Mit gleich tief empfundenen Worten pries svd-ann Herr Rabbiner Doktor Max G r u n w <t l b die hohen Verdienste des edlen Spenders und Sammlers, sowie des Kultusvorftchers I. Schwarz und der Herren Knltnsvorsteher I. Berger, Leopold B e r g e r, Siegmund Ernst, Bernhard Engel und Carl Schnitzer. Nach eurer gemütlichen Antwortrede des Herrn Kultusvorstehers I. Schwarz, die mit großem Beifall ausgenommen wurde, dankte Herr Direktor Land esb erg er ergriffen für die ihm zuteil -gewordene Ehrung und verwies darauf, daß er bloß feine Pflicht als Jude erfüllt habe. Dr. E. T h a l e r hielt auch einen gelungenen Toast auf den anwesenden Herrn Gemeinderat Dr. R. Schwarz-Hiller. Bei dem durch Herrn Kultusvorsteher D. D o h a n zur Meistbietiing gelangten „Benschen" wurde dem Tempelfoiids Milliionen- 1penden zugesiihrt. Besonders verdient machten sich bei dieser Gelegenheit die Herren Michael S t e i s s e r urrd Jacques Adler. Hierauf wurden vom Herrn Oberkantor I. Morgenstern unter Assistenz eines gewählten Chors der Gerne indetempeln liturgische Gesäuge vorgetragen, die frenetischen Beifall aus lösten. Um das Arrangement der erhebenden Feier haben sich Herr Inspektor Max Schwager, sowie Herr A p t e anerkennenswert verdient gemacht. Festgottesdienst. Im Nachtrag zu der gleichnamigen Notiz in der vorigen Nummer unseres Blattes haben wir noch zu berichten, daß vom „Prater Beth ausverein Tefilath ,J-eschurun" Sonntag, den 15. d. M. (Simchas Thauroh) im Tempel diches Vereines aus Anlaß der nunmehr beinahe vollkommenen Genesung des allverehrten Obmannes Herrn Direktor Bernhard- Mayer im Betsein dieses -bekannten Wohltäters ebenfalls ein feierlicher Dankgottesdienst stattfand. Die Feier, die Herr Rabbiner Dr. S. Funk mit einer Festrede einleitete, nahm einen ebensolch würdigen Verlauf, wie die in der letzten Nummer geschilderte, und seien hier nur die Leistungen des Oberkantors Frankl, der die kantorale Funktion mit dem Gesamtchor des Tempels in der Leopoldsgastie versah, hervorgehoben. Es wurde auch eine „Bernhard Mayer-Stiftung" ins Leben gerufen, an der sich der Bereinsvorftand mit iy2 Millionen beteiligte. Resolutionen zur neuesten Assaire in der Kultusgemeinde. Der Rabbinerverband in Wien hat an die jüdischen Zeitungen Wiens die folgende Erklärung gesandt: In

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