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Die Wahrheit · 1922-10-12 · Heft 20 (12.10.1922) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 20 (12.10.1922)
Date
1922-10-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit Zette 5 töt. mit. Gott vo.i selbst wieder hevgostellt, da fühlrn wir uns zu nuferem Vater im Himmel, von -berat uns keinerlei Scheidewand trennt, gleichsam hingedrängt, da haben wir das Bewußtsein „Bezel Scha'ddai", im Schrche Gottes zu stehen, wie einst unsere Väter, da sie als Wüstenwanderer zum erstenmal sich Hütten errichtet hatten. Wozu sich gut trifft, daß im jüdischen Schrifttum zur Bez-eichttung des Schutzes das Wort „Snkkoh" und nicht „Bajith", Hans, verwendet wird, währendmatt doch annehmen möchte, . daß ein festes Haus Mehr Schutz und Sicherheit gewährt. III. Und was von böm FrMen des Einzelnen, gilt auch von dem Frieden der Völker. Die materialistische Geschichtsauffassung, vot: welcher eingangs die Rede war und die das ganze Fühlen und Denken der Gegenwart beherrscht, will auch das politische und soziale Weltgeschehen unter dem Gesichtspunkte der naturwissenschaftlichen Kausalitätsgesietze betrachtet wissen. Ihr sind nicht nur die sozialen Spannungen und Gärungen innerhalb eines Volkes, sondert: anch die kriegerische:: Verwicklungen der Völker untereinander nichts anderes als Auswirkuttgen des Narturgesetzes vorn Kampf des Starken gegen den Schwachen, das ewig wiederkehrende Wellenspiel vorn Krieg und Frieden. Was das zu bedeuten hat, spürt die jetzige Menschheit am eigenen Leibe, sie ächztnnd stöhnt unter den Segnungen eines Friedens, der Nach chrer geistigen Einstellung nichts anderes ist und auch nichts anderes fein kann als ein Widerspiegel des Krieges. Biele solche Kriege werden noch geführt und viele solche Friedensverträge, wie wir sie schauernd erlebten, werden noch geschlossen werden müssen-, bis es anders geworden ist. Bis die Menschen allesamt zu der Erkenntnis sich durchgernngen haben, daß gleichwie alle anderen Kulturgüter der Völkerfriede dauernd in der menschlich,et: Gesellschaft nur dann sich bewähren kann, wenn er auf Wahrheit beruht. Wenn wie im „Hüttenfrnleden" das „Sich-Eins-Fühlen" mit Gott, das „Einordnen" des Einzelnen in das Ganze zu dessen Trieb- und Grundkraft geworden ist. Außerhalb -der Erkenntnis Gottes und der aus chr ruhenden Sittlichkeit hat Menschen- und Friedensliebe kein Motiv nnd keinen Ankergrund,, da dann nur Selbstsucht und Eitelkeit, Rassenstolz und Nationalitädendünkel das Band zwischen den Menschen und Völkern woben. An demselben Tage, wo diese Erkenntnis die Welt erfüllt, wird nach der lichtvollsten Vision des Propheten, der am ersten Sukkothtage zu uns spricht, das Hüttenfest nicht nur von Israel, sondert: von allen Völkern gefeiert werden, als ein Huldigungs- und Anerkennungsfest der Menschheit für Gott. An jenem Tage werden Gewalt und Bosheit verstummen, Vorurteil und Eigendünkel verschwinden, der Kantpf des Starken zogen den Schwachen aufhören und alle Menschen als Brüder in der großen Weltenhütte sich wieder finden, von deren Giebel das Panier Gottes hernioderweht, auf dem in göttlicher Flammenschrift die Worte zu lesen find: „Und es wird der Ewige König sein über die ganze Erde, an jenem Tage wird der Ewige einzig und sein Name einzig fein." Oberkantor Jakob Bauer. Zu seinem siebzigsten Geburtstage. Von Oberkantor Joses R e nd i, Zagreb (Agram). Zu den Dingen, die siir die Empfindungen der Jugend einen gewaltigen Zauber haben und denen Erinnerungsbilder, die nie aus dem Bewußtsein treten, ihre Entstehung verdanken, gehört für viele unter uns die anmutende Kontur der altehrwürdigen Lampet), welche ihre sieben Arme, die mit je einer der von dem Propheten^) *) Aus „Schiwiffi"-Tafeln in Synagogen zu sehen. -) Jesaias iid, 6. in uns stiegen die! urialWiligen Worte aus: „Am Neujahrstage, da wird es beschlossen nnd am Versöhnungstage, da wird es besiegelt, wer leben und sterben soll", und wir alle beteten, in das Buch des Lebens eingezeichnet zu würden. Wohl jedem von uns stiegen die Tränen ins Auge, wenn er an sein Heim idachte, wo die Lieben hunderte von Kilometer entfernt, das Fest feiern: mochten. Die christlichen Kameraden hatten durch ein kleines Spiel sich die Zeit vertrieben, wir sagten ihnen, daß wir heute nicht mitmachen wollten. SW hingen wir unseren Gedanken nach. Was wird das neue Jahr uns und unserem Vaterlande bringen? Bald aber trieb der Schlaf alle Gedanken fort und am nächsten Morgen giugs wieder aufs Pferd, weiter hinein in das herbsMche Frankreich." Wenn ich heute diese damals geschriebenen Zeilen überlese, wie ist doch alles so anders gekommen, wie man sich damals gedacht hat. Wie schnell sind die konfessionellen Unterschiede wieder aufgelebt, und ärger als je hat kleinlicher Antisemitismus unsere Seelen verbittert. Eins möchte ich diesem Aamials Geschriebenen noch hinzufügen, auf daß Nicht einer Anstoß nimmt: Der jüdische Büroschreiber ist nicht Büroschreiber geblieben, und ist später skiinen schweren Verletzungen erlegen; denn es gibt ja Leute, die, wenn sie von einem jüdischen Biiroschreiber lesen, sofort sagen: „Natürlich die Juden!" Etchle September 1914 kam es ja dann zum Stellungskrieg, und mit ihm lebte all das Kleinliche des Gartttsvn-. und .Gamaschendienstes wieder aus, das man längst tot glaubte. Und vor mallem der Judenhaß. Es liegt mir jedes Selbstlob fern, aber ich kann wohl sagen, baß. ich auf dem Vormarsch in vollem Umfang tnüine Pflicht erfüllt und meinen Zug mindestens ebenso gut wie alle anderen Unteroffiziere geführt habe, auch darüber hinaus meiner Formation «durch meine Kenntnisse der französischen Sprache manche Dienste habe leisten können. Ruhten sich die anldern im Biwak aus, so mußte ich aus Befehl des Oberleutnant requirieren gehen, meist drehte es sich natürlich um friie Bedürfnisse der „Herren Offiziere". Es würde zu weit gehen, wollte ich davon im Einzelnen erzählen; es waren keine angenehmen und in den belgischen Franktireurnestevn oft auch gefahrvolle Aufgaben, aber dafür war ja Krieg und Befehl ist Befehl, wenn man schließlich sich auch sagte, es sei Vielleicht nicht nötig, daß man sich totschießen lasse, damit die Herren Zigarren zum Rauchen hätten. Doch genug davon. Jedenfalls ging ich mit dem Bewußtsein in den Stellungskrieg, daß, wenn es mm: zu Beförderungen käme, ich bald mit dabei sein würde, zu mindesten mit demselben Recht tvie die andern. Außerdem hatte ich noch im Paß von meiner Uebung her stchen, daß ich zum Vizewachtmeister geeignet sei-. Wer es kam alles anders. Kaum begann der Stellungskrieg, so wurde ich für die Herren Luft, die mich vorher ausnehmend nM ^behandelt hatten, wett sie mich brauchten und zum Wegeerkunden in Frankreich ufw. nötig hatten, und dann Bann Mm schließlich auch einmal zu einen: Juden nett sein. (Fortsetzung folgt.)

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