Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 18-19 (21.9.1922)
- Date
- 1922-09-21
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seite 29 Nr. 18/19 solch svejMgen Anlässen, dem Bärmiizwanten bä*e Eltern,' die ihn in frühester Jugend verlassen, als leuchtendes Vorbild für den künftigen Lebenslauf hinzustellen. Dafür könne er mit sroudiger Genugtuung ihn ermahnen, stets in den Wegen seines überaus hochgeschätzten Bruders N-. K u s F n i e r zu. wandeln, der an ihm iin wahrsten Sinnedes Wortes Vaterstelle vertrete. Die kantorale Funktion versah hei beWen Feiern Oberkantior GMkkchmann. — Samstag, den 16. Seht eucher, feierte der' Student Kurt M i n k -u s, Sohn des Ehepaares EmaNuel und Cilly M i n k u s, im «großen LeopvWstädter Deuche! sein Ba-omijzwahfest. Nach Verlesung der Haftorah hielt der amtierende Rabbiner ei>ne wahrhaft herAerhebelche Rehe, in welcher er dem Barmißwahnten naheileigte, feines Gelübdes stets eingtzdenk An fein und namentlich Sinne seiner, hochverdienten Eltern fen Judentum alle Zeit treu zu bleiben. Wr.-Neustadt. Samstag, den. 9. d. M. fand eine glänzende Bar« mchvah-Feier im Haufe des Herrn Karl Gruber statt. Es kamen von der Ferne Gäste, darunter Herr Moses Ri e g ler, Bankdirektor im Bnrgenland, um der Feierlichkeit beiwohnen zu können. Zinn erstenmal wurde vom Barmizwanten nach althergebrachter Sitte die Paraschah im Seser selbst vorgetragen. Nachmittag fand im Hause eine .große Mahlzeit statt, bei der der Jüngling eine wohldurchdachte Rede hielt; kein Auge blie btrocken. als das Kind das Versprechen abgab, in den Wegen der Thora wandeln zn »vollen. Hernach hielt Herr Oberkantor Moses Vogel einen trefflichen Gesangsvortrag. Znm Schlüsse sprach Herr Rabbinatsassessor David Fried mann im Namen des hiesigen Rabbrnates die Hoffnung aus, daß wir einen Kämpfer für das Judentum in dem Jüngling " finden werden. Das Neschomolicht. Unter Bezugnahme auf Ihre Notiz über das S.a n i e r.it ng skomitee (für Spital, Vevsovgungsunld Silechenhaus, Daulbstummeu- und- Blinben-mstitut) schlage Äh vor, iGMaiblösuvgeu für das Sevlenli-cht .'dem genannten Komitee (1, Beiz., SeÄenstchtenigaße Nr. 2) für seine verdienstlichen Werke zu überweisen. R. Talmud-Thora-Volksschule mit Oeffentüchkeitsrecht, 2. Bezirk, Malzgaffe 16. Mit Beginn des Schuljahres 1922/23 wird diese Anstalt durch Eröffnung der 1. und 2. Volksschulklasse für Mädchen und der.1. Klasse, eventuell auch der 2. -und 3. Klasse der Bürgerschule für Knaben erweitert. Schulgeld für jedes Kind monatlich 19.000 Kronen, Bürgerschüler zahlen monatlich 15.000 Kronen. Eltern, die sich ihrer Verantwortlichkeit bewußt sind, werden. ihr Kind nur der jüdischen Schule anvertrauen. Hier wird dasselbe nicht nur fürs praktische Leben vorbereitet, sondern auch mit den jüdischen Idealen, die seinem Leben erst den wahren Inhalt geben, ausgerüstet. Wer fein Kind wahrhaft liebt und zum glücklichen Leben führen will, wird den Weg zur jüdischen Schule finden. Maskir zam Sch'mini Azeres. Der TM des Publikums,!der Nur zu Maskirin 'den Tempel kommt, wird gebeten, hiefür den in den HanMsyNagoiAn eingerichteten Frühgottesdtenst An benutzen, da im, Hauptgottesdienst durch diese Tempelbesucher mit ihrem nnzeitgemäßen Herein und Hinauslaulsen eine unerträgliche Störung -des Gottesdienstes verursacht witd. Einige Gemeindomitglieder. Die Wlchrheit. Organ für öffentliche Interessen. (Redaktion und Verwaltung: Prag-Kgl. Weinberge, Zizkova ulice 12.) — Das soeben erschieneneSeptemberheft enthält eine Fülle interessanten Materials. Der Eatzbischos von Prag Dr. K o r d a c bch!andM in einem philosophisch - hochgehaltenen 'Artikel die fMiche Weltordnung und die materielle Wohlfahrt der BöVer. Der berühmte Professor Dr. Ruszt-em Vambery versucht in einer objektiven und ruhig abwägenden Art die pazifistischen Bestrebungen vom Stiandpunkt eines Kriminologen zu lösen. Besonders ansschenerregend wiM das Interview Maxiin Gorkis über das Judentum, welches er einem Mitarbeiter des Blattes gewährte. Professor Dr. Josef Thvmayer schildert seine hochinteressanten Erinnerungen einer orientalischen Reise. PrWat Dr. Gie> ßwe i n schreibt über den Londoner Wektsrieden-KoNgreß. Theater/. Kunst und Literatur \ Judenproblem von Isaak Breuer, Frankfurt, Kausfmann-Berlag 1922. Der Verfasser will sich nicht unterfangen das uralte schwierige Judenproblem im Rahmen der vorliegenden Abhandlung zu lösen. Wer brächte dies überhaupt zu Wege. Breuer beleuchtet es nur von mancher, bisher nicht beobachteten Seite in jener ihn» eigenen tiefgehenden Weise, wobei er für die kühnsten Gedanken die glänzendsten Ausdrncksformen findet. Das Kapitel Theodor Herz! ist nur Prosagedicht, von einer Kraft und Farbenpracht, die an die größten Muster der Prophentenschulen erinnert. Bei aller Liebe und Begeisterung für den Wegbereiter des Zionismus, setzt er sich mit diesem selbst heftig auseinander. Es ist die schärfste Absage und Verurteilung, die je gegen den Zionismus veröffentlicht wurde. — Mau lese aus Seite 138 und 139: Der Z i o n i s m u s i st d e r furchtbarste Feind, d e r j e d e r j üd i s che n Nation erwachsen ist. Die antinationaliftische Form führt mit ihr einen offenen Kampf, aber der Zionismus tötet die Nation und erhebt die Leiche ans den Thron. Der nationale Wille des Judentums, der seit dem Sinaitage nicht auisgehört hat, das Gottesgesetz als nationales Gesetz zu wollen, >der Zionismus erkennt ihn nicht an und fühlt sich durch ihn nicht ge, bunden. Die nationale Geschichte des Judentums, der das ruhmsüchtige und klassenegoistische Treiben der gottentfremdeten Staaten als TurmbaMvahnstnn erscheint, bem sie den auf Recht und Liebe gegründeten nationalen Gottesftaat der Zukunft mit der ganzen Kraft ihrer Seele entgegenhalt: der Zionismus weiß nichts von ihr, verfälscht ihre Ideale und mißbraucht den teuren Namen Zion, indem er ihn ans die Fahne seiner von der Geschichte nicht unterstützten politischen Aspirationen setzt, die nur ein dem westeuropäischen Empfinden völlig assimiliertes, aber niemals ein nationaljüdisches Herz höher schlagen lassen können. Die nationale Kultur des Judentums, die an der Hand des alles Menschliche umfassende Nationalgesetzes die Einzelnen zum Gotte Israels hinsührt und zu Persönlichkeiten erzieht, wie sie in solcher Eigenart auf dem Boden keiner anderen nationalen Kultur entstehen, der Zionismus kennt sie nicht, ruft seine Talente aus, eine funkelnagelneue Kultur allererst zu erzeugen, und steht im Begrfff, ein Destillat als Kultursurrogat zn empfehlen. In Zions Namen, im Namen der Nation führt der Zionismus in Wahrheit iihm selber nicht -bewußt, einen Kamps gegen die Kation. Siegt der Zionismus aus -er gänzen Linie und gelangt er zur Verwirklichung seiner p o l i t s ch e n A s p i r a t i oneit, so hat die Welt eine neue Nation, einen neuen N a t i o n a l ft a a t. Aber die j ü d i s ch e N a t i o n d e r Geschichte i st tot. Philosophie-Büchlein. Herausgegeben von Dr. August Honesfer. Fränkische Verlagsbuchhandlung, Stuttgart 1922. An einer leichtfaßlichen systematischen Unterweisung über die Bedeutung imd das Wesen der Philosophie hat es dem großen Laienpublikum bisher gefehlt. Das genannte Werk, von dem das erste Heft vorliegt, darf sonach freundlich begrüßt werden. Vom Weisesten der Wersen Sokrates ausgehend, Laotse -berührend, macht uns das Büchlein mit Fichte, Pascal, Nietzsche, Bergson, Goethe und deren philosophischen Ideen durch gelungene Wiedergabe aus ihren Werken bekannt und schließt mit einem hoffnungs-