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Die Wahrheit · 1922-09-21 · Heft 18-19 (21.9.1922) · page 30

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 18-19 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
– (sequence 30)
Language
German
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Seite 30 Die Wahrheit Ar. 18/ iS frohen Bericht über die Religivusphilosophie der Gegenwart. Dem weiteren Erscheinen des Philosophie-Büchleins darf mit verdientem Interesse entgegen gesehen werden. Jakob Botzhart: „Ein Rufer in der Wüste". Roman. Grechtein & Co., Leipzig-Zürich. Ein ge-waltitzes Gußwerk nendeutsch-schwerzeriseher, in vieler Beziehung -an Gottfried Keller erinnernder Rvmankmrst. Wie der „Grüne Heinrich" ringt sich ein Mensch duxch schvöre Wirren des Lebens hindurch. Ms Schwärmer, Phantast, RoMMtiAr säugt er seinen eigenen Gang an: alle -Master spülen an ihn heran; Schmutz unld Reinheit, Härten n-nd Süßigkeiten, Hoffnungen und Enttäuschungen «muß er fühlen, schmecken u«d schauen. Wirr und wild schütdült ihn sein suchender Wille umher; Heiße Lohe sprüht Me Schlacken von seineni Wesen ab und entwickelt in ihm den Edelkern: die Ber« jünduiig eines Lebens der MienschliMeit. Der Schlag eines Böselwichts wirft ihn plötzlich ins Grab: ein Raketenstern, der an der harten -kalten MM er der Nächst zerschellt. Alle Probleme der Gegenwart schießen aus und kommen zur Reise und Lösung. Groß, großartig ist die Fülle der Bilder, nichts schießt nach Effekt; alles quillt durchblutet aus Tiefe, Echtheit und Uckbersluß. Leibhaft, ja plastisch kreuzen die unterschiMichsten MeNschen die Bahn des Suchers und Rasers, fast keiner will ihn hören. Wie -kaum ein anderes erhM, erleuchtet, zwingt, bereit — und erschüttert diches Buch. Es unifaßt und gibt e,ine Welt; Boßhart steht mit Hm soiviohll als Dichter wie als Mensch auf einer gewaltigen wahrhaft .chrfurchtgsbietenden Höhe. o. h. Fr. W. Förster: Mein Kampf gegen bas militaristische Deutschland. StnUgarit, -Verlag „Fviebe durch Recht", 1920. — An dieser Stelle können wir natürlich nicht in den Kamps um Förster eiNtreten, der mutig und allen Anfeindungen pn Trotz in einer Zeih wo es sonst niemand gewagt hatte, für die Sache des Friedens eingetreten ist. Einmal wird der -Gedanke sich ldnrchfetztzen, den der unvergeßliche Jean Jaiu-res ausgesprochen hat: „Es gilbt gar nichts Höheres «als die Gedanken des Friedens und der Gerech^^eit. Geidanke und Handlung muß wieder eins weriden. Der Wille -muß in uns -Mendig weiden, -den Frieden und die ZibMsationzu reihen." Wir erwähnen die vvÄiiügende Schrift Försters aus dichem Grunde, weil er in ihr Mch zur I u d e n s r a g e Stellung nimmt, und wenn wir uns auch nicht mck Mem, was er -sagt, einverstanden erklären iköUnen, so ist doch sein. Mutiges Eintreten für diie Sache des Rechts auch hier sestzust-ellM. Seine hauptsächlichsten Thesen sollen hier -gestellt werden: .,Mit dein schlechten und! en-tartetjen Judentum 'lveüden wirnur dann fertig weÄdien, wenn wir uns mit dom edlen und innerlich befreiten Judentum verbinden. Damit die edleren Juden -über gegen die Erbschaften des Ghettos wirklich mobil gemacht werden, müssen wir alles -tnn, diese edlen EleNreute nicht durch verallgenieinerten AntisemitiSums in Kamemdie mit den schlechten Elementen hiüeinzutveiben. Das Germanerckumj hat in den kehlen Jahrzehnten durch solchen verallgemeinernden AntisemitisuAs schwere Schuld «ms sich geladen und die LbsuNg des Problems außerordentlicherschwert." Es -sind das Worte, wie man sie in der gegenwärtigen Zeit nur selten hören gewohnt ist. Er sucht die Schuld in der Art, wie die christliche Kultur bisher die Juden behandelt halt ai# er 'fürchtet Continentale Bank L, Marc Aurelitraße 5—7 VollelngexahlUui Aktienkapital K 100.000.000.— für diese Kultus, wenn dies nicht -anders wird. Wir haben wenig HosfnNng, daß Förster mit seinen Worten durchdringen wird. Die Psychose, an Idier das deutsche BoÄ in bezug -auf die Juldensrage -krankt., ist -eine so — fast möchte man sagen — hoiffnunigslosö, daß die Hoffnung -aüs HMnug äußerst gering -erscheint. Willy Cohn. Breslau. Walter Bloem: Brüderlichkeit, Roman- Leipzig- Zürich, Grethlein n. Co. Bon der Stadt ans, in der dieser Roman spielt, von Heidelberg aus, will ich ihn besprechen! Vielleicht Hilst dies, ihm gerecht zu werden. Denn das Problem, das der Verfasser in ihm behandelt, ist die Frage, wie sich das Studentenleben, insbesondere das der Verbindungsstudenten in die geänderten Zeitverhältnisse einzufügen habe. Daß Bloem in diesen Kreisen tief wurzelt, ist offenbar, daß er an ihren Traditionen hängt, verständlich, aber er bemüht sich hier zu zeigen, daß das Alte nicht weil es alt ist, bis in alle Ewigkeiten konserviert werden kann, daß, will es nicht völlig veralten, es neu« Formen, neues Leben annehmen muß! — Er zeigt wie in diesem Korps Franconia die jungen sozial Gerichteten ihre Ansichten durchzusetzen versuchen, wie sie nur schwer vorwärts kommen. — In diesem Roman rollt er auch die Juidenfrage aus, er zeigt wie in diesem Kreise ein Jude vergeblich heimisch zu werden versucht, wie schließlich sein Leben an Vorurteilen und Beleidigungen zerbricht, er fällt im Duell, und wie sein Vater, selbst Korpsstudent aus früheren Tagen, einsehen muß, daß er ihn auf die falsche Bahn gewiesen Hat. Klingt auch der Schluß vevsöhnlich aus, der Riß, der durch unsere akademische Jugend geht, wird nicht überbrückt, vergiftet von der Rassenfrage toben die Kämpfe. Der Wert des Blo-em'schen Buches, das fließend und spannend geschrieben ist wie alles von ihm, liegt aber vor allem in den Problemen, die er ausgezeigt hat. Walter Bloem glaubt die Frage des gegenwärtigen Studententums in optimistischem Sinne lösen zu können, aber wir -möchten an-nehmen, daß es solche Korpsstudenten, wie er sie schildert, leider kaum gibt und daß die meisten an einer Welt hängen, die nun einmal zu Grunde gegangen ist. Nathan ben Nathan, Die Erbpacht, Welt-Verlag, Berlin, 1921. Diiie Erbpacht, -biöel untetr andetrem für die jüdische BiesWliuug PaWstinas in Betracht kommt und in dieser BezMhiumig von Levoutiin (iim „Forum") und anderen Beteiligten abgelehnt, wird, befürwortet der Verfasser mit grünMcher BeweisfühpiMg. Ohne biblische Daten, wie die Joifessgjeschichte und die 'Agrargesetzgebung der Thora, oder diie AktuaWät für Erez Israel zu streffen, ganz objektiv uNd allgeinein laßt er -diiese Form ibleto Kolonisation -als die annehmbarste erscheinen. Daß sie für Palästina unerläßlich -ist, ergibt sich schon, - ohne daß der Verfasser darauf besonders hinweifft, daraus, daß dort zwei Nativnen um den Besitz des Bodens ringen und nur so der jüdische Bestand gesichert werden kann. Aehnliche Rücksichten walteten ja auch im Ghetto, z. B. in Rom, beim Häuserverkaus vor. Eine iveite Verbreitung, -besonders in den Kreisen jüdischer PÄläsWNcchrivundle, ist Äer vorliegenden Arbeit schon därum zu wünschen, weil das Tempo d'er jüdischen Kolonisierung Palästinas zu beschleunigen und alle Vorfragen zu erledigen es hoch an der Zeit ist, wenn nicht die Rivalität der Araber irreparabel zu ungunsten der Juden ausschlagen soll. Telephon 20.486, 20.591, 20.646, 22.516 Qiro Konto: öst.-ung. Bank österreichisches Postsparkassen-Konto 189.-527 Telegi;.-Adresse: Confinenlalbank WECHSELSTUBE '!!■ Bez.v Taborstr.46a Teiephpp 49428

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