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Die Wahrheit · 1922-09-21 · Heft 18-19 (21.9.1922) · page 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 18-19 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
– (sequence 28)
Language
German
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Seite 28 D i e Wahrheit Nr. 18/19 Schulen und die Amtssprache der Bchördien in einem für die Deutschen ungünstigen Sinne zu «beeinflußen. Aus der Sdatistlk ist nun zu ersehen, daß von dM 29.000 Mischen Einwohnern Prags rund 6000 sich als N«atilo'n>ailjnden bekennen 7OOO sich zu den Deutschen und 16.O0O zu den Tschechien zählen. Die Mehrzahl der Jude:: Pmigs lehnt daher die Zugehörigkeit zu dem nationalen JNdentum ab und schließt sich, vor: «sprachlichen und kuMsrellen Gissichtspunkten ausgehend, einem der beidien großen' Bvliksstämme, 'die die Tschecho-^Slowakei bewohnen, au. GaNz «nterkwürdig, fast erheiternd, ist der letzte Satz obiger 'amtlicher Peröfsentlichnng. Dairach gilbt es auch 'kachollHche und 'konfessionslose Natioualsuden. Es siuld «dies Juden, die mit der wichtigsten Gemeinschaft des Judentums, der religiösen, nichts gemein halben wollen. Ist dies 'nicht die stärkste Form des vor: den Natiduätsu'den sd heftig bekdämpften AssilrUilantentums im eigenen Lager? Dr. E. W. Michel entwendet. In einem Ragout Ms anderen: Schmaus, das er unter dem Titel , Geistige Hiebe" darbiebet, zitiert „Michel" «Ms denn Buche „Vier Jahrtausende jüdischen Palästinas" von Prof. Dr. Samuel Kraus dessen angeblichen Ausspruch: „Die Juden assimilierten sich stets dem kullbu,Höheren Volke, sowohl den von ihnen 'besiegten Kanaanitern als den SieigervöMern der Aegypter, Griechen, Assyrer und Römer." Mit Verlaub! Werter Michel, das ist kein Wort von Kraus, sondern der „Wahrheit" anläßlich der bereits am 7. IM bei uns erschienenen Besprechung seines Werkes. Wenn mau schon aus einem Blatt eMv endet, mutz es mit der «unter Zeitungs'leuten gebotenen Rücksicht «aesschchen. 0. Der Judenspiegel. Bonisazinsdruckerei, Paderborn. „Spiealein, Spieglein an der Wand, wer ist der Schlechteste im ganzen Land?" Diesen Vers, frei nach der Frage der Königin in dem schönen Volksmärchen, könnte dem 1892 in 5. Auslage erschienenen Machwerk von Dr. Justus (alias Ahron Briwann) als Motto vvrgesetzt werden. Unsere Leser kennen aus der Besprechung von Dr. I. S. B l o ch s Memoiren den Verfasser, der seinen ehemaligen Glaubensgenossen mit diesem, auf Mißdeutung, Verdrehung, Entstellmtg und Unterschiebung aufgebauten Buch das Vorwürfe gegen die Moral der jüdischen Religion in reichlicher Fülle enthält, in den Rücken siel, kennen auch die Verdienste, die sich Bloch mit der Abfertigung Rohlings, der sich in seiden: Gutachten auf Brimanus stützte, somit auch um die Erledigung des „Judenspiegels" erwarb. Man könnte nun meinen, daß dieser damit tatsächlich erledigt wäre. Es fand sich aber, mtb dies muß bei der Gelegenheit der übrigen Verlagserscheimmgen schon wunder nehmen, die kathplische Bonifazi.usdrnckerei« in Paderborn, die nach einer im Jahre 1919 erfolgten sechsten Auflage des Buches im Vorjahre eine sisbente folgen ließ. Wozu, weshalb? Soll noch mchr der konfessionelle Hader zwischen Katholizismus und jüdischer Religion ausgestachelt werden, der schon eingedämmt zu sein schien, nachdem der Antisemitismus jetzt nur „von völkischen Belangen" getrieben wird. Das Vorgehen der Bonisaziusdruckerei« fand auch, .und dies ist, wenn die kraftvolle Widerlegung Dr: Blochs überhaupt noch übertrosien werden kann, noch mchr wert als diese, in christlichen Kreisen, schärfste Mißbilligung. So hatte der als genauer Talmudkenner rühmlichst bekannte Dr. H. L. Strack im Abschnitt 3 seiner Schrift „Jüdische Gcheiimgesetze" sich mit Justus anseiniandergesetzt und ihm eine schneidige Abfuhr erteilt. Bei Besprechung dieser „Gcheiimgesetze" hatten die Kollegen des Professor Ecker, der seinerzeit ein günstiges Urteil über den „Judenspiegel" abgab, in-Nr. 7 der Trierer theologischen Zeitung „Pastor bons" mitgebeÄt, daß Ecker in späteren Jahren anders über d«as Buch dachte, nur — bedauerlicherweise — dieser Meinungsänderung nie öffentlichen Ausdruck verlieh. Und schließlich hat auch der Bischof von Paderborn ans Grund' eines Gutachtens eines Sachverständigen dem Verleger den Vertrieb des „Judenspiegels" verboten. Damit ist er, hoffentlich endgiltig, stus der Weilt geschafft. O. 8. Die jüdischen Soldaten der Wilnaer Garnison am Tischa-b'ab. Das I. C. B. «weiß «ne schöne und rührende Geschichte vo«m Kommandanten «der Wilnaer Garnison zu erzählen. Nach der I. C. B. haben -nämlich die jüdischen Soldaten der Winaer Garnison aus Aulaß des Tischa-b'ab einen 24stündlgen Urlaub eützalten. Diejenigen, die sasteteu, erhielten als Kostenersah Mk. 500. In wohltuendem Gegensatz zu -manch jüdisch-«natwnalen Kreisen respektiert der Wilnaer Garnisouskoimmandant die religiösen Gefühle unid nationalen Bräuche der Juden. And wie es scheint, wurde dieser Tischa-b'ab-Urlaub nicht zu Unterhaltungen uüd freudigen Kundgebungen anläßlich der Mandatsbestätigung mißbraucht, wie dies unsere Jung-Zionisten taten. Denn die Wilnaer jüdischen Soldaten scheinen an diesem nationalen Trauertage nach religiöser Vorschrift die Menage verschmäht zu Habens Die Wahrheit läßt sich eben mit Schlagworten nicht totmachen. Die „konfessionellen" Juden bewahren treu die unverfälschten jüdischen nationalen Merkmale, die „nationalen" zertrümmern selbst die nationalen Denkmäler, falls sie mit der jüdischen Religion verknüpft sind. Die letztere Reflexion leistet sich zu «dieser ALeldung die „Jüdische Presse". Der Präses der orthodoxen Landeskanzlei der Tschecho-Slowalei im Aguda-Waisenhaus, Baden. Montag, den 20. August besuchte Dr. Ehrw. Herr Oberrabdiner Kalman Weber, n. g.. Präses der orthodoxen Landeskanzlei in der Tschecho-Slowäkei, in Begleitung des Oberrabbiners U n g e r, TyrNau und «des Generalsekretärs der Agndas Jisroel, Wien, Herr Jorel I. Braun, 'das Badener WaissnHwus. Nach Besichtigung aller Räume des Hauses und Einsichtnahme in der Führung und Gebarung der Anstalt unterhielten sich beide Herren Oberrabbmer mit den Zöglingen der Anstalt, machten Stichproben sowohl im vovgenoimmenen.Pensum des Talmud, «wie auch in Chnmisch und Raschi und «waren führ angenehm «überrascht, über die treffenden Anworten, welche die Jungen sofort gäben. Die Obervabbiner sprachen «ihre größte Zufriedenheit über die musterhafte Einrichtung und Ordnung im Haüse aus, wie auch über den jüdischen Geist, die gute Erziehung, «Re den Knaben beigebracht wird. Herr Oberrabbiner Weber erlegte für die orthodoxe L'cmdeskanzlei eine Spende von 500.000 K, außerdem spendeten die ehrwürdigen Herren jeder eine bedeutende Summe aus eigenem, und versprachen das Interesse des Aguda- WaiseNhaNses Mch Möglichkeit zu fördern und in allen Kreisen Propaganda zu machen. Barmizwahfeiern. Samstag, den 9. .September, fand im PazmanitentSinpsl die BairmiZwahsetdrdies Studenten .Hans Ln «kn cs, Sohn dies Herrn Wichülm L u k a c s unid seiner Gattch Sophie ge'b. . Freundlich, _ «sta«tt. Nach altjüdiischer Sitte und der TpaWion der FamiM gemäß, trug der Knabe die Paraschah wie den PrvphÄenabschMt in der weiihevollen Mellopiie vor, die, von frischen Kinderlippen gesprochen', einen Kefen Oirdb«r<ucf auf «btie andächtigen Zuhörer machte. Rabblner Dr. S. Funk mahnte in einer eindrucksvollen Ansprache den Bairmiiizwauten, die guten Lehren. un!b Men Neigungen, die er von seiinen hochgeachteter:. Eltern empsinig, «ins Leben nm>tzunchmen. — Samstag, den 16. d. M., .Md gleWalls im Pazmia«mtentempel die Barm^wahfelier des Studenten Otto K u s z n i e r, Sohn dies verstorbenen OberPostosfißMls Maser K u s z n i e r und seiner ebenfalls vdrewigdon Gattin Ernestine, statt. Zn «dieser schönen Fsixr fanden sich! Melle Freunde und Verehrer der allgemein geischätzten Familiie em, die den «kleinen Otto wie dessen Brüder herzlich b«eig«Nckw«ün>schten. «Seme Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. S. Funk «hieilt eiine zu aller Heirzen gehende Ansprache an den Bavm!:zw!anten, «in der er hervorhob, daß er leider nicht im «der Lage «s«eii, wie sonst bei

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