Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1922-09-21 · Heft 18-19 (21.9.1922) · page 26

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 18-19 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
– (sequence 26)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3063949-3063967--11868-3079294
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite $6 Die D hrhert Nr. IS/lS I. Brüder sind in erster Reihe die deutschen Juden; unser Lund, unsere Heimat ist das deutsche Vaterlarch, in das wir durch göttliche Fügung seit einem Jahrtausend verpflanzt sind. Jeder Pfennig, den wir in unÄschbarer Zeit für ausländische Zwecke, verwenden, entwichen wir unseren Nächsten, unseren Brüdern. Solange wir ein niedergebeugtes, verarmtes, selbst dringend hilfsbedürftiges Volt bleiben, müssen wir uns gegenseitig im Lande -Helsen, müssen wir die Unterstützung ausländischer notleidender Glaubensbrüder den bester gestellten ausländischen Religionsgenosten überlasten." Der Deutschnationale Handlungsgehilfenverband und die Mische« Arbeitgeber. Die Firma Kaufhaus I. Schocken Söhne in Zwickm Hut den Ausschluß von Mitgliedern des Deutsch nationalen Handlurrgsgehilsenverbandes ans ihrem Betrieb bestimmt. Mit vollem Recht; denn man kann einem chrlichen jüdischen Kaufmann nicht zumuten, mit Leuten zusammen zu arbeiten, Leute zu bezahlen, die einem Verbände angchören, der fortgesetzt die jüdischen Deutschen verleumdet- und lästert. Ueber die Maßnahme der Firma Schocken gerät nun das Organ des Deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes, die „Deutsche Handelswacht", in Zorn, beruft sich auf die deutsche Reichsversastung, die die Vereinitzungsfreiheit gewährleistet, und schreibt: „Wir verlangen, daß die Juden, die in Deutschland Ga st recht genießen, die deutschen Gesetze beobachten. Kein Jude! hat uns vorzufchrei'ben, wie und lvo wir uns organisieren wollen." Die Frechheit dieser Herren übersteigt alle Maße. Auf der einen Seite 'beschimpfen sie die Juden auf das gröbste, irrdem sie sie als Gäste, das -heißt als Bürger minderen Ranges bezeichnen, auf der anderen Seite verlangen sie, daß jüdische Kanfleute junge Männiör amstellen sollen, die sich diese Beschimpfungen zu eigen machen. Etwas mehr. Charakter und anständige Gesinnung, ihr Herren vom Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband! 60. Geburtstag. Samstag, den 26. v. M. feierte der verdienstvolle Präsident des Tempelvereines für den 13. Bezirk, Herr Dr. Hermann Kuner seinen 60. Geburtstag. Aus diesem Anlasie wurde ihm seitens des Vorstandes und der Vereinsmrtglieder ausrichtige Ovationen dargebracht. Der Jubilar wurde als Schlicht zur Thora gerufen. Nach dem Verlesen der Parscha brachte der funktionierende Obevkantor einen von ihm verfaßten Mischöberach ausdrucksvoll zum Vortrage. Hieraus hielt Herr Veveinsrabbiner Dr. Proßnitz eine herzliche Ansprache, wobei,er die unvergänglichen Verdienste des Präsidenten um den Tempelverein, den er im Vereine mit dem Ehrenpräsidenten'Dr. S. Krenberger vor viÄen Jahren gründete, und um die ganze Judenheit in Hietzing sich erworben, schilderte. Dr. Proßnitz gratullerte und dankte im eigenen sowie im Namen aller Anwesenden für diese hervorragenden Leistungen. Vorstandsmitglied Herr Adolf Ritterman brachte im Namen des Vorstandes dem Jubilar die herzlichsten Glückwünsche zum Ausdrucke. Tiefbewegt dankte Präsident Kuner für die Ovationen, schilderte die Schwierigkeiten, die er bei der Gründung des Vereines zu bewältigen hatte und versprach, auch fernerhin für das Aufblühen des Vereines seine Kraft einzusetzen,' hoffend, sein gestecktes Ziel, die Erbauung eines Templs in Hietzing, zu erreichen. Sowohl der Jubilar als auch die Mitglieder, die zur Thora gerufen, sowie viele, die dem Herrn Präsidenten Mischeberach machen ließen, widmeten für den Tempelbau und für -Wohltätigkeitszwecke namhafte Beträge. B. Jüdische Kolonisten. In der diesjährigen 'Generalversammlung der Jewvsh CvloNisMvn Association (Jea) wurde der interessante und erfreuliche Bericht dieser Gesellschaft über ihre erfolgreiche Tätigkeit zur Kenntnis gebracht. Die Ausführungen widerlegen zunächst den von antisemNscher Seite oft gebrauchten Vorwurf, daß die Juden jeder schweren physischen Arbeit ausweichen. Nach der Jea zählte «Mein Argentinien im Jchre 1921 . 254 jüdische KolonistenfaMilien mit 18.723 Seelen und 8849 Nichtokoniisten, die ails Landarbeiter und Haudwierker I tätig sind. Die Ansiedler finden durchwegs gutes Auskommen. Sie haben 165.000 Hektar Land bestellt und der Gesellschaft bedeutende MctzchkuiNgjen geleistet. Brasilien weift zwei jüdische Kolonien auf, die WäMr urbar gemacht, Straßen und Wege 'angelegt halben und' sich -mit Ackerbau und Viehzucht beifasten. " In den Vereinigten Staaten von Nordamerika ist die Zähl Mischer Bauern sogar wert größer -als in Argentinien. Auch Mexiko und Kanada hiat dank der Unterstützung durch die Joa fortschveitene Zunahme jüdischer Kolonisten, während Palästinas Kolonien gegenwärtig rund 11.00 Einwanderer aufweisen. Goldene Hochzeitsseier. Am Samstag, den 9. September, fand rm Betsaale der israelitischen Versorgungsanstalt in der Seegasse ebne schöne und seltene Feier statt. Das seit dem Jahre 1917 in der genannten Anstalt befindliche Ehepaar Josef und Anna Weiß beging das Fest der goldenen Hochzeit. In vollster Rüstigkeit stand das Jubelpaar nun zum drtttemnal unter dem Traualtar, beglückwünscht von allen Mitbewohnern der Anstalt. Im dichtgedrängten Betsaale erschienen viele Freunde und Gönner der Anstalt. Als Festgäste waren gekommen die Herren: Kultusvorsteher Julius Berger, David Do hau, Ignaz Glück, Isidor Schwarz, vom Sanievungskonritee die Herren Den es und Weiner, von dev Chewra- Kadrscha Herr Direktor Türkei. Sekretär Fnchsgelb, Amtsleiter Kraus und viele andere. Kantor L. Funke zelebrierte den feierlichen Gottesdienst, Herr Rabbiner Dr. Schwarz hielt an -das Jubelpaar eine zu Herzen gehende Ansprache. Nach einer gefühlvollen Rede überreichte hierauf der Obmann des Versogungshaus- Komttees, Herr Kultusvorsteher Dohan, dem Brautpaare namens des Vorstandes der israelitischen Kultusgemeinde eine schriftliche Gratulation nebst einem Ehrengeschenke. Nach Beendigung des feierlichen Gottesdienstes wurden dem Ehepaare durch Herrn Vorsteher Julius Berger mit einigen Gratulationsworten die vom Sanierungskomitee ausgebrachten wertvollen Geschenke überreicht. Gerührt dankte das Jubelpaar für soviel Liebe und Güte. Nachmittags üöerbrachte Herr Stadttat Speiser im Aufträge des Bürgermeisters dem Jubelpaare die Glückwünsche und das Ehrengeschenk'der Stadt Wien. Wer hat Recht? In Kattowitz gab es dieser Tage schwere Ausschreitungen, die in der dort wie überall herrschenden Teuerung ihre Ursache hatten und sich hauptsächlich gegen die Juden richteten. Nun ist die Art der Berichterstattung über diese Ereignisse von Seite der verschiedenen Wiener und auch Berliner Zeitungen interessant. Während in Wien -das „Tagblatt" und andere gleichgerichtete Blätter, respektive in Berlin das„Berliner Tageblatt" und Zeitungen ähnlicher Schattierung über Teuerungskrawalle in Kattowitz und nebenbei von Mißhandlungen der dortigen Inden meldeten, wissen jdie „Wiener Morgen-Zeitung" und die Berliner „Jüdische Rundschau", gestützt auf das I. C. B., von regelrechten PogronMr in dem -erst jüngst von den Polen okkupierten Kattowitz zu berichten. Wer hat nun Rocht und was geschah wirklich indieser Stadt? Wir glauben,, daß diesmal wohl die zionistischen Blätter richtig, wenn auch, wie man es ja bei I. C. B. gewohnt ist, etwas kraß informiert worden sind, während die liberalen Blätter, da es sich um Verfolgungen von Juden handelte, nach bewährtem Muster sich nicht zu erkennen gaben. Die letzteren fanden es auch nicht der Mühe wert, -einen SpeziaMrichterstatter nach Kattowitz zu entsenden, während, wenn es sich irgendwo um einen blutigen Raubmord Handelt, sofort ein diensteifriger Reporter cm Tatort erscheint und seinem Blatte höchstschauerliche Einzelheiten vermeldet. Dafür wurde von der „Wiener Morgen- Zeitung" ein Spezialb^richterstather nach dem Pogrvm» ort geschickt und sie berichtet in ihrer Ausgabe vom 30. v. M. das, was man bei Schilderungen von Pogromen durch wahrhafte polnische oder ungarische — gleiche Brüder, gleiche Kappen — Strolche seit jeher zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.