Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 18-19 (21.9.1922)
- Date
- 1922-09-21
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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Seite 24 Nr. 18/19 Die Wahrheit Deutsche Rechtspflege. In der „Boss. Ztg." wendet j sich Rechtsanwalt Dr. Eyk gegen die iu letzterer Zeit allzu-! vielen, das einfachste Rechtsg-eftchl verletzende Urteilsyvüche nrancher deutscher Richter. Wie eine Verhöhnung dieses Apella ernp findet man das Verdikt der Leipziger 'Schöffen in der StralfvechanLlnng gegen Walter Kramer, der bereits wegen Verbreitung antisemitischer Hetzblätter mchöfach vorbestraft erscheint. Kramer erging sich in seiner jüngsten Schmähschrift in leidenschaftlichen Aufreiz-ungen gegen das Judentum. Der Gerichtshof fällt das Urteil Freigesp rochen mit der Begründung, die Inden, feien in Deutschland^ keine besondere Klasse, sondern den übrigen Deutschen gleichen- \ achten. Wie es mit dieser Gleichstellung in der Praxis ans- \ sieht, erfahren wir täglich. l Amerikanische Hilfe für das ungarische Judentum.: Wie das bekannte jüdische Organ „Egyenlöseg" vor \ kurzem 'berichtete, weilten dieser Tage im Aufträge des j amerikanischen JewP) RelWs Comittes Mr. Dr. Leo \ Frankel und Mr. David BrMn in Budapest, mn die durch; den Krieg und seine Folgeerscheinungen so schwer heim-! gesuchten hUimaniitären Institutionen der Pester Israelij tischen ReligionsWinein,de und Chevrah Kadifchcch zu inj spizieren. Sie besichtigten Nahezu sämtliche WohHahrts-! instttutivnen nach konnten aus ^eigener persönlicher Anj schM-ung ersehen, daß hier nbemll rasche Hilfe rwttue wenn nicht die einst so weltberühmten Wo-ltätigkeitsstätten l der größten und opferwilligsten Gemeinde Ungarns dem j Niederbvuche entgegengehen sollen. Die beiden Gäste ver-! sprachen auch in -ihrer Heimat alles aNsbiet-su zu wollen,! um die bewährten Institutionen jüdischer -Wohltätigkeit j und Nächstenhilse «vor dem drohenden Untergänge zu de- \ wahren. Den nicht minder hart ringenden d,entschöfter- \ reichischen, bezi'chUirgswöise Wiener JrDentum käme eine gleich großzügige jüdisch-amerÄanische Hilfsaktion ■; dringendst zustatten. Wer ist schuld, daß Wien zurücksteht? - Wahrscheinlichkeitsrechnungen. Davis Töietsch rechnet, j daß jeder der vier MMidnen Juden Amerikas drei Dollar s pro Jahr für den Ausbau Evez Jisrvels opfern wird! Das r sind zwölf Millionen Dollar pro Jahr oder zirka zwei; Millionen Pfund. Das zionistische Budget und die Kosten - der Scmunlnrrg vonzwölf Millionen Dollar werden nach z der bisherigen Praxis 50 Prozent v e r s ch i n g e n. l Bleibt für den Aufbau eine Million Pfunds pro anno. Diese Summe genügt, Nur 800 Familien an-! zu sied ein oder 4000 Seelen p>vo Jahr. Das wird in! hundert Jahren 400.000 Seelen ergaben. — Das sind j durchwegs Wahrscheinlichkeitsrechnungen, die nach Hypor thesen ansschen. Ees ist durchaus nicht verbürgt, daß die! vier Millionen amerikanischer Juden auch für die Zukunft , gewillt sein tverden, dem Palastinasonds je drei Dollar zu - steuern. Sie haben sich auf diesen Betrag in keiner Weile jemandem gegenüber festg,elegt. Auch ist es ser ungewiß, ob bei der zunehmenden Menge der admimstvatiben Neunter, Kräfte und Hilfskräfte für diese bloß mit der Hälfte der Sammelgelder das Auslangen gefunden werden dürfte. Die holländische Opposition hat es sehr bezweifelt und ' gelegentlich des letzten zionistischen Parteitages in Karlsbad wurde r'iber den Bielverbrauch der Exekution sehr geklagt. Schließlich entbehrt es der mathematischen Gewißheit, ob die Jmigratidn jährlich 4000 jüdische Seelen, beziehungsweise in hurrdert Jahren 400.000 Einwanderer auftoeisen wird. Aber dies 'angenommen, wird die Vopulationszunahme der Araber, die schon jetzt die unbedingte Mehrheit in Evez Jisroel haben, die vorerwähnte Ziffer übersteigen. Die Hoffnung eines „palästinensischen Gleichgewichtes" oder gar jüdischer Suprenratie bleibt vorläufig ein schöner Traum. Chriftlichfoziale nn Deutschen Reich. Ja, so etwas gibt es bei unseren deutschen Brüdern auch, sie unterscheiden sich aber wohltuend von den gleichnamigen Genoffen in unserem lieben Oesterreich, die durch Kunschak, Jevzabek und Konsorten repräsentiert werden. Diese Herren könnten sich wahrlich ein Muster nehmen an der ehelich sozialen Gesinnung ihrer Namensvettern in Deutlschland. Deren An- und Absichten werden in einem Ausruf manifest gemacht, den Pastor Jäger (Bethel) in dem christlichsozialen Organ „Auswärts" veröffentlicht. Darin wird eine weitere Parteibildung rnit den „nnchrtstlichen uNd unsozialen" Deutschvölkischen, mit denen die 'deutschen Christlichsozialen bisher kvMtioNisrt waren, a-bgelehnt und eine rein chrMichsozi'ale Partei -gefordert, ffir deren Stellung zur Judensrage sicher die von uns bereits veröffentlichten Richtlinien des Zentrums gelten würden. Diese Art Stellungnahme heißen -wir wirklich „sozial", nicht die der Wiener Chr-istlichsozialen, für die, um im Bilde z>n bleiben, nicht „auswärts", sondern nach allen bisherigen Erfahrungen noch weiter „abwärts" in den geistigen und wirtschaftlichen Morast maßgebend ist. Denn dorthin kommen wir allmählich dank der RegietungsSunst unserer Christlichsozialen. Verurteilte Rabbiner. Der Frankfurter „Israelit" bringt in seiner Ausgabe vom 24. v. M. eine Sensation,, die nicht verfehlen dürfte, in der gesamten jüdischen Welt peinliches Aufsehen zu erregen. Nach den Mitteilungen -des genannten Blattes wurden über Klage des Jerusalemer Obervabbinats die „Jeschiwaleute" (an anderer Stelle werden sie als Rabbiner bezeichnet) Hosfmann und Samnitzer wegen in einer Streitschrift^ begangenen Ehrenbeleidigung durch das staatliche Gericht zur Höchststrafe von 50 Tagen Gefängnis und 20 Pfund Sterling verurteilt. Der „Israelit" fragt ebenso entsetzt als entrüstet: „Soll das die erste Errungenschaft des zionistischen Nationalheims sein, daß die uichtiüdische Macht zum Schutze der gefährdeten rabbinischen Autorität ausgerusen wird? Fürwahr, eine Dagikomödie der Autonomie." Mir W'iffen nicht, ob die Geschichte der weltlich verurteilten Rabbiner die erste Errungenschaft der zionistischen Heimstätte ist. Aber keineswegs wird sie Ne letzte sein. Der mehr als zweitauseudjähvige Erbstx-eit zwischen Pharisäern un>d Sad-neaern hat nur im Namen, aber nicht in den Begriffen eine Aeuderung erfahren. Zwischen Gefetzetzstreuen und Michtgesetzestreuen — modern gesagt, zwischen Orthodoxen uud Zionisten — wird es nie an Konfliktstoff mangeln. Allerdings sind auch wir der Meinung, daß die Austragung von dem weltlichen Gericht nicht -zum .Kidusch Haschem" beiträgt. Trauung. Am 27. AugUst fand im rnovievten großen LsopoWstätter Tempel die Vermählung des Ghesrckiäkteurs Herrn Hermann Samek mit Fräulein- KovnÄ Weisz statt. Dem Bräutigam, einem Brüder des Herrn Antiquitätenhändlers Michael Samek wurde von- Herrn Rabbiner Dr. G r n n w u l d in einer eindrucksvollen Ansprache insbesondere das Vorbild seines 'Großvaters, des bekannten Tyruaner Rabbiners, vor Augen g-ehalten, von dessen Söhnen zwei gleichfalls als Rabbiner wirken und zu dessen Schülern der Dresdner Rabbiner Pros. Doktor Mi u t er zählt. Würidig eines sdlchen Kreises, iin dem altehvwürdige Uebevlieseruugon treu gepflegt werden, hat sich die Braut erwiesen, die, >sam!t den Ihren vdn der FlüchtliNgskataftvophe schwer betroffen, ihrer Familie zur heldenmütigen Retteriu gewdvden ist. Die -Gesänge Wurden von Herm Oberkantor Mv rgenster n und' -dem Chor unter Leitung 'des Herrn Dirigenten H e i m a n n 'meisterhaft dorgetvagen. K.