Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1922-09-21 · Heft 18-19 (21.9.1922) · page 22

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 18-19 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
– (sequence 22)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/3062972-3063949-3063967--11864-3079290
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

mmmm rM- Seite 22 Die W ahrh eik Nr. 18/19 ruÄMrende Wirk«lg allmählich jeder sinzÄne Volksg'e- - noste am eitgcncit Seite empfindet, in einem „Pax judaion" überschiiebenen Artikel als das ausschließliche Werk von Juden h,instellt, rvenn der Mgeordu-ete Henning in svnrenr Aufsatz über den Rapallo-Vertrag ausfüvt, daß der deutsche Jude (Rachenan) mit dem russischen Inden das deutsche Volk verschachert habe, und Sühne daftir verlangt, dann braucht sich niemand zu wundern, wenn die Gegner mindestens mit einem Schein der Berechtigung den Zusammenhang mit beit begangenen Frevüktaten behaupten." Antisemitische Zweigniedelassung. Eine Anzahl monarchistisch russischer Studenten, denen der heimatliche Boden in der Sowjetrepublik zu heiß geworden, l/aben sich in Berlin niedergelassen. . Ihre erste Tat war die Gründung eines Vereines Zur Entwicklung der, gesunden Prinzipien der christlichen Moral, wvdnrch die jungen Hrren offenbar sich bei den h!akenkre-nzlerischen Kollegen einen Stein ins Brett legen und der Gä-stsreulldschast würdig zeigen wollten. Der Vorsitzende des russischen Antisemitenbundes rechtfertigt feine Gründung damit, daß die jüdische Moral das vollkommene Geigenteil der chri-st-- liehen Moral sei! Das hat wohl seine RichtigkeÄ, aber in anderem Sinne als der Pogromjüngling denkt. Religiöser Terrorismus. Warhäft empörende Meldungen kommen aus Sowjet,rußlaud über die Vergewaltigung der Gewissensfreieit durch die Vo!lkskommissäre. Man muß ihnen zubMgen, daß sie mit einer gewissen Parteilosigkeit vvrgchew, wo es sich um den Zugriff an Kirchengütern und T-empelschätzen handelt. Aber während an die Staatsreli-givn -wegen der ungeheuren Menge-ihrer Bekenner doch nicht die Axt gelegt werden -kann, -tobt sich die Wut der Reformer hemmungslos an der hilflosen Minderheit der Juden aus, die sich in solchem Belange unglücklicher als zur zarffchen PogrorNzeit Dhllen. Damals ging es den Juden Hauptsächlich an Geld und Gut. Jetzt aber auch an ihren Glauben, wie unter Hadrian und Torquamada. Nicht genug daran, daß die Chedarim geschlossen und die füldischen Kinder in die Einheitsschule gepreßt werden, jüdische Arbeiter müssen an Sabbaten und hohen Feiertagen -in den Fabriken arbeiten und werden am Jom Kippur zu Deimonftratronen auf die Straße -getrieben. N-eneftens wird sogar die Beschneidnng unter Strafe gestellt, um das Judentum gänzlich auszurotten. Wer kann, entrinnt diesen bolschewistischen Religionsverso,lgnngen. Die weitaus überragende Mehrheit duldet, leidet und ruft nach Hilfe, dln flammenden Protesten gegen solche Greuel fehlt es wahrlich nicht, namentlich in Polen, Litauen und andere, denen solche in den großen Städten des Westens folgen sollen. Protestieren ist ein sehr gebräuchliches und dadurch leider verbrauchtes MiOvl, von dem wenig zu erwarten ist. Sowjetrußland ist -an der Handhabe des Minoritätenschutzes nicht zu packen und ein anderes Recht als jenes der -Gewalt verwirft der Bolschewismus. Heute lautet das alte Sprichwort: Der Himmel -ist hoch und der Sowjet weit. Phantasterei. Ern kanadischer Offizier betreibt den literarischen Sport, den Ursprung der angelsächsischen Raste aus der jüdischen beweisen zu lvollen, wobei ihm manches ungewollt Komische unterläuft. Der gelehrte Forscher, der vermutlich mit dem Degen besser als mit der Frder Bescheid weiß, möchte das Wort „Saxon" aus — Jsalson herleiten, sowie Briitiain aus dem hebräischen „Brith". Dieser sonderbare Schwärmer meint dann noch: „In den Händen der Kinder Israels liegt die Sicherheit der Welt, die Heiräussührung jenes Weltfriedens, der nach der biblischen Prophezeiung der Welt zuteil werden solle, tausend Jahre lang nach jener großen Schlacht, die i-m. bringen Lande, zwischen den Kräften der Anarchie und der organisierten Regierung während der Jahre 1928 bis 1930 stattfinden wird". Die biblische Prophezeiung habe sich in vielen Fällen während des großen Krieges als währ erwiesen, wunderbarerweise auch in der Einnahme von Jerusalem durch General Allenby. Der Offizier behauptet weiter, daß die herrschende Rasse im Japan, die Samurai, ebenfalls „Kinder- Israels" sind, indem sie von demjenigen Stamme h-errühren, der ostwärts nach dem Stillen Ozean w an deute, während Ephraim und Menasfe nach Westen an den Atlantischen Ozean gerieten. Aus dieser gemeinsamen Abstammung erkläre sich die Uebereinstimmung zwischen beit politischen und moralischen Ideen Japans, Englands lind Amerikas." Ernstgenomm dürften die obigen Ausführungen wohl nur von dem famosen Henry Ford werden, der den kanadischen Offizier äls Zeugen dafür ansühren könnte, daß und wieso England,Amerika und — Japan verjudet sind. Bei Japan-j-ewish spricht schon die Etymologie beweiskräftig. Der verkleinerte Gerhart Hauptmann. Bücher haben bekanntlich ihre Säucks-ale. Sollten es da nicht auch chre Versager haben? Der Dichter der- „Weber", der „Versunkenen Glocke", des „Florian Geyer" und anderes im tiefsten Deutschtum wurzelnden dramatischen Dichtungen, der -am 13. November seinen 60. Geburtstag beging, kann leider voroem kl'tiscben Richter stich l der „Wahrheit" nicht bestehen. Sie muß Um tief unter Otto Ernst, den Schriftsteller für Haus-, Famckien- und Leihbibliothekgebrauch, stellen und begründet, dies überzeugend: „Am 7. Oktober b. I. feiert ein. anderer deutscher Dichter, Otto Ernst, in Hamburg lernt 60. Geburtstag. Die Theaterstücke dieses Dichters sind über alle Bühnen gegangen, und seilte erzählenden Werke' haben Senne in die deutschen Herzen gebracht und eine VnoreUuNä gefunden, an die die Werke Hauptmanns auch n-ictt cr tsor-nt heranreichen. Für diesen echten Dlchter wwd nnn 1 mte Festspielwoche und viele Festschriften veranstalten." Um etwaigen heftigen Angriffen zrr begegnen und im vorhinein die Spitze abzubrechen, sei erklärt, daß die obzitivrten Worte jener „Wahrheit" eNtnonrmen sind, die sich Nicht, wie wir, idie Bekämpslliltg, sondern Vertretung des Antisemitismus als Ziel gestellt und bei dieser Aufgabe eüftt hohes Maß Borniertheit und GeschlnacklosigkeÄ erreicht, wie eine zweite Stichprobe in vorliegender Nummer zeigt. Das nachlandauische Ungarn. Die magyarische Regierung hät die Verurteilung der Bestien Sipos und Geltossen wegen ihrer scheußlichen -Grausamkeiten zujm Anlaß genommen, sich vvr der Osffentlichkeit als gerechtigkeits- und kliltursremMich anfzüspielen. Die -Kenner der Wirtschaft -im Hun-nenlande waren sich darüber Aar, -daß hier wieder geflnnikert werde. In der Tat sind bald nach dem' LaNdcm-Prvzeß mene „Attrocities liongroises", durch die „Erwachenden" verübt, gemelidÄ worden. In der 'folgenden Samstagnachtwürden Budapester Lokale -überfallen und jüdische Gäste lebensgesärlich verprügelt, -ein Schutzmann, der einschreiten wollte, Niedergeschossen. Aehnlich wüteten im Bezirke Leopoldftadt christliche Studenten. In Miskolcz bemächtigten sich Hakellkreuzlerbanlditen einer ganzen jüdischen- Familie, die zu Markt -fuhr, verschleppten sie nach d-enr nächsten Wald, plünderten'sie aus und ließen sie spurlos verschwinden. An nufere geehrte« Leser! Die heute erscheinende Nummer ist 32 Seiten stark. Die nächste Nummer erscheint wegen der hohen Feiertage Donnerstag, den 12. Oktober. OB

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.