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Die Wahrheit · 1922-08-25 · Heft 17 (25.8.1922) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 17 (25.8.1922)
Date
1922-08-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 17 Seite 13 Die Wahrheit HM. Danach wurde Goethes Tod in einer gallischen Stadt von 'der ganzen jüdischen Gemeinde betrauert. Die Sache trug sich folgendermaßen zu: Es war an einem Sabbatmorgen im Jahre 1832, als der Oberrabbiner von Zolkiew, Hirsch Chajjoth, eine talmndische Autorität, dabei ein kenntnisreicher Mann und Goethe-Verehrer, durch die .Zeitung von Goethes Tod erfuhr. Diese Nachricht erschütterte ihn dermaßen, daß beim Morgengottesdienst in der Synagoge, den Gemeindemitgliedern die gedrückte Stimmung ihres geistlichen Oberhauptes au.ffiel. Sie fragten ihn nach der Ursache seines Kummers, worauf er seufzend antwortete, Goethe sei gestorben. Die Gemeinde wußte von Goethe nichts, vermutete jedoch, daß es sich wahrscheinlich um-einen bedeutenden Rabbi handle. Rasch verbreitete sich die Kunde in der Synagoge: „Rabbi Goethe ist gestorben". Jeder sprach mit Andacht die bei Vernehmen einer Trauernachricht vorgeschriebene Benediktion, und die ganze Gemeinde betrauerte den Heimgang des „Rabbi" Goethe. Der Wiederaufbau des großen Leopoldstädter Tempels. Die Arbeiten au dem großen Leopoldsiädter Tempel sind wieder um ein beträchtliches Stück vorgeriickt. Das „Aktionskomitee für den W i e d e r a u f b a u des Leopold st ädt er Gemeindetempels" hat die Neueinrichtung des vor fünf JahreU durch Brand zerstörten Bethanses soweit gefördert, daß bis zu den hohen Feiertagen die noch fehlenden Bänke und znm größten Teil die Beleuchtungskörper hergestellt sein dürsten. Die hiefür erforderlichen vielen Millionen wurden zum Teil durch Anleihen und d'ädUrch 'aufgebracht, daß Freunde des.Tempels je eine Tempelbank widmeten, an dev in angemessener Form der Name des Spenders sichtbar gemacht wird. Das Komitee nimmt zur Deckung der Kosten auch weiterhin Bankwidmungen dieser Art in: Betrage von je 300.000 Kronen entgegen. Gbenso wird zur Beftveit'ung der Beleuchtungskörper um Beiträge gebeten. Daseln mit den Namen der Spender werden, auch au diesen Gegenständen angebracht. Jede Gabe verliert durch Verzögerimg ein Vielfaches an Wert. Die Arbeiten halben sich seit einem Monat um das Fünf- bis Sechsfache verteuert! Anstatt, daß, wie im Vorjahre in einzelnen Fällen ein einträgliches Weitervermieten stattfindet, -sollten alle, die in der Lage sind, und das ist nahezu die Gesamtheit der Plätzeinhaber, da doch kein anständiger Mensch an dem armen Tempel wird verdienen wollen, wenigstens die Differenz zu feinen Gunsten dem Aktionskomitee für den Wiederanfban (II., Ferdinandstraße 23) zuwenden. Rathenau ist nicht zulässig! Zu dieser Notiz irr der letzten Nummer dieses Blattes könnte man ergänzend hinzufügen, daß vielleicht auch Otto N e u r a t h, der in einem Saale der Wiener Universität den Nachruf halten sollte, dem Senate als nicht zulässig erschienen war. Die Tranerseier hat aber trotzdem im Arbeiterheim des 8. Bezirkes stattgsfunden. Die Gedenkrede Neuraths, welche wörtlich in der „Arbeiter-Ztg." abgedruckt war, kann wohl als die beste Würdigung der. Persönlichkeit Rathenaus bezeichnet werden. Haben sich doch hier zwei verwandte Seelen quasi geistig umarmt. Stellt sich ja der Sohn weil. Dr. Wilhelm Neuraths, gew. o. ö. Professor der Hochschule für Bodenkultur, dieses vornehm feinsinnigen Philosophen, nicht anders zu den beiden Schwesterreligionen: Judentum und Christentum, wie Rathenau selbst. — Wir wissen, daß Otto Neurath auch Sozialisiernngsminister während der bayerischen Räteherrschaft unter Kurt Eisner war. Und noch etwas, es soll da direkt herausgesagt werden; er ist der Sohn eines jüdischen Vaters, der als 13jähriger Knabe ans einem slowakischen Dorfe in die weite Welt hinansging, mit nichts anderem ausgestattet, als der Bildung zweier Volksschulklassen, um unter unsäglichen Mühseligkeiten, Not und Entbehrungen von der Wiener Alma mater das Doktorat für Philosophie und an der Universität zu Tübingen den Doktorgrad für Staatswissenschaften zu erlangen. Jahre hindurch war er als Dozent an der Technik der geistige Führer und Bildner der Wiener Kaufmannschaft, um später als Professor an die Hochschule für Bodenkultur, für die Fächer der Nationalökonomie und Agrarftatiftik berufen zu werden. — Und des weiteren: Er ist der Sohn einer hochherzigen christlichen Mutter, einer Schwester der Hofrätin Mygerka. Diese Jdealgestalt, wie wir solche nur zu träumen vermögen, in Wirklichkeit über nur äußerst selten solchen begegnen, sagte einmal zu mir: „Wenn ich znm Fenster meiner Wohnung hinausblicke (9. Bez., Müllnergasse) und dieses menschenfreundliche Werk, das Altersversorgungshaus der Kultusgemeinde gewahre, so frohlockt meine Seöle." — Auf dem gemeinsamen Grabstein dieser Eltern am Döblinger Friedhof, prangen in Goldlettern die Worte des Confuzius: „Nichts dauert ewig, als die Liebe". Diese hohe Liebe galt aber nicht nur gegenseitig, sondern der ganzen Menschheit. — Gründe genug für den Senat der Wiener Universität, die Tore vor Dr. Otto Neurath zu sperren, wo es gilt, ein Denkerleiben, wie das Walther Rathenaus, zu zeichnen. N. Cb. Dr. Weizmann — ein Verschwender. Diesen Vorwurf erhebt die Zeitschrift „Daily Expreß" in Anbetracht der Verschwendungssucht des Dr. Weizmann uns Kosten der Allgemeinheit. '.,Dr. Weizmann — schreibt das Blatt —- ist der größte Geldverschwender aller Bewohner der britischen Jmperie. Er kostet den englischen Steuerzahlern jährlich 2 bis 3 Millionen Pfund Sterling (!?). Auch die russischen Generale Wrangel und' Kornilaw haben sehr viel gekostet, doch mit ihnen hat man bereits abgerechnet, Dr. Weizmann aber ist eine ständige Last." Komitee zur Sanierung notleidender israelitischer Wohlfahrtsanstalten Wiens. Das seit drei Jahren mit erfreulichem Erfolge tätige Komitee hat auch in dem abgelanfenen Halbjahre trotz der ständig steigenden Schwierigkeiten beachtenswerte Leistungen anfzuwersen. Wie es sogleich nach seinen: Jnslebentreten mit dazu beigetragen hat, die von ihn:, hauptsächlich durch Beistellung von Lebensmitteln, Heizmaterial, Bekleidung -und medizinischen Apparaten, unterstützten Anstalten im Betriebe zu erhalten und znm Teile, besonders augenscheinlich i'm Versovgungshaus, den Gesundheitszustand der -Insassen zu heben, hat das Komitee im vergangenen Halbjahr, um nur dieses Datum hervorzugreifen, für Belieferung mit Fleisch allein 10 Millionen anfgewandt. Die gegenwärtigen und unmittelbar bevorstehenden dringendsten Erfordern,isse beziffern sich auf über das Zwölffache idiles-es Betrages. Ist es miit Aufbietung aller Kräfte bisher auch gelungen, den Bedarf aus den durch Sammlungen im In- und Ausland gesammelten Spenden zu decken; fo droht doch schon in nächster Zeit ein solches Emporschnellen der Anforderungen, daß das Komitee sich auf diesem Wege an seine Freunde und Förderer um tatkräftige Mitarbeit wenden muß. Dem ursprünglichen Programm getreu, wenden vor allem mit Gaben bedacht das Gemeindespiital, dias Versorgungs- und Siechenhaus, das Taubstummen- und' das Blindeninstitut, unter die nach einem bestimmten Schlüssel die Vorräte aufgetMt werden. Der mit dem Komitee in engster Verbindung stehende Verein „W o h l-

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