Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 17 (25.8.1922)
- Date
- 1922-08-25
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 11 Seite llj j Hi> Wahrheit unseres Volkes (!) nötigen Bestrebungen, Ueberzeugung von der Wichti'Aeit des Bauernstandes und BereitwMgi feilt zum Verbleib 'bei der Banernarbeit oder zur Rückkehr j zu ihr. Au diesen Bedürgungen wiird unter 'Men Umiständen seftgchalten. Aus Stolz, >bei der heutigen seichten Mädchenwelt um Liede zu betteln, wird dieser Weg der Freite beschritten. Mädchen, die den oben gestellten Bedingungen körperlich entsprechen und bereit sind, binnen Halbjähressrist das Anerbieten zu erwidern, mögen zuerst folgende Bücher 'lesen: Stapel: Volksbürgerliche Erziehung; Banmgarten: JUda; Landmann: Reine Mutterschaist; Ungewitter: Nacktheit und Aufstieg; Fritz Dhor: Der turne Glaube; Fahrnkvog: Das Deutsche Buch. Antworten werden unter der Dectanschrift „Dhors Weghammer" binnen Jahresfrist erwartet und sind zu richten an die Verwaltung der „Deutschen LaNdeszeitnng", Brünn, Rosengasse Nr. 1, Mahren, Tschecho-Slowakei. ^kaltblütig. In Budapest ist ein Prozeß wegen Judenermordung schon keine Sensation mehr. Man verfolgt die schauderhasten Einzelheiten, wie zum 'Beispiel der Weinhändler Landau erst mit Bajonettstichen traktiert und daun gekreuzigt wurde, nicht mehr mit besonderem Jnteresse, höchstens in Kreisen der Hejjasleute mit sadistischem Wohlgefallen, man ist aber dies alles schon gewöhnt, regt sich darüber nicht mehr besonders auf, bekränzt höchstens den Mörder Dobe, wie immer der Prozeß ausgchen mag, und er wird kaum ^ein blutiges Ende hüben,*) mit Blumen. Eine Einzelheit aber erregte berechtigtes Aussehen, brachte sogar den Präsidenten des Gerichtshofes ein wenig aus der von oben diktierten Fassung. Ein Nesse des Ermordeten schilderte den Hergang der furchtbaren Peinigung. - Bei Aufzählung dieser Greueltaten, mit denen wir unsere Leser aus ästhetischem Zartgefühl verschonen wollen, lächelte der Angeklagte. Der Präsident verbat sich ein solches Gehaben, denn es handle sich um eine ernste Sache. Herr Präsident, das ist ein Irrtum! Für dieses Gesindel ist ein Judenmord keine ernste Sache, sondern ein luftiges Gewerbe, von dem sich gut leben läßt. Viel ernster, denn es handelt sich hier um einen schweren Gewissenskonflikt, den die Klauseln der irdischen Gerechtigkeit herausbeschwören, ist folgendes: Der Angeklagte verlangte bei der Einvernahme des Wrud'ers des ermordeten Landau, an den Zettgen einige Worte richten zu dürfen. Da 'begehrte dieser uns: „Niuß ich dem Mörder meines Bruders Rede stehend" Es ist wirklich zu viel verlangt, eurem Menschen nur ins Angesicht ztt blicken, dort dent man weiß, daß er in kaltblütiger Weise den eigenen Bruder ermordete und ebenso kaltblütig sich dahin verteidigt, Landau habe Selbstmord begatt gen. Alle Begleitumstände sprechen gegen eine solche Rechtfertigung, aber schließlich, man weiß es auf Grund der letzten Erfahrungen nicht mehr genau, ob es noch Richter in Ungarn gibt oder Geschworene, die vielleicht auf solchen Schwindel hineinfallen. Dobe aber 'kennt seine Pappenheimer und' deshalb lächelt er kaltblütig. Beileibe kein Galgenhumor! Ludendorff als Mordgeneral. Der Organisator des RathenaN-Mordes, 8tu<1. jur. Günther, früherer Privatse-kretär des Generäls Ludendvrfs, sägte bei seiner Vernehmung aus: „Lnidendvrff hat als H-auptnrsache des Kriegs ito seinem Buch die gcheinte Zentrale des internationülen Judentums bezeichnet und ferner erklärt, daß in Deutschland nur ein Mensch wisse, wer diese Oberleitung der jüdischen Internationale sei, nämlich Rathenau." A u s *) Vor Schluß des Blattes erfahren wir, daß der Staatsanwalt kelne Anklage wegen Mordes, sondern bloß wegen Erpressung gestellt hat. Grund dieser Be anptung Lndendors ss habe er, Günther, die Beseit igun g R atHenaus betrieben. Ludeudorsf sprach im Vorjahr im Stadion; die Folge war Blutvergießen int Zoologischen Garten! Lndendo rff verleumdete Deutschland in der lliorthelifs-Presse für englisches Gold! Ludendorff verlängerte das Elend des Krieges und machte dann mittels der Dolchstoßlegende die deutschen Juden dafür haftbar, denen er überdies igegen besseres Wissen Feigheit vorwars! Lndondorff war der geistige Urheber des Kapp- Putsches! Un!d Ludendorffsche Worte gaben nun den Anstoß zu Rächenaus Hinmetzelnng. Der Ehrenmarm, der genug strategisches Wissen hat, um schon nach dem ersten Treffen mit dem Feinde an der Marne erkannt zu hüben, daß der Krieg 'bereits zunt Unheil entschieden, hat das grausame Spiel gleichwohl noch lange getrieben, nngezühlte Tausende der eigenen Armee enem Phantom der militärischen Ehre hingeschlachtet, um schließlich den Juden die Schuld um verlorenen Krieg auszubürden. Was lag dem Henker der deutschen Jagend daran, einen Rathenan a;it! den Revolver zu liefernd Ja, dieser Lndendorff ist der Tell des schwarz-weiß-roten Deutschland und rühmt sich, wenn artch aus änderen Motiven: Ein j e d e r g e h t a tt sein Geschäft und meines i ft d e r M o r d. Mittelalter — Neuzeit. Bor nicht allzu langer Zeit lasen wir einen Roman eines ungarischen Schriftstellers (Ludwig Biro: „Die Juden von Bazin"), der uns ins graue Mittelälter fahrt und vom Flammentod der jüdischen Einwohner der ungarischen Stadt Bazin handelt. Furchtbar und 'aufregend find in diesem Meisterwerke ungarischer Erzählungskunft die Schilderungen der grauenhaften Folterungen, denen die Inden so bange ausgesetzt waren, bis sie schließlich halb ohnmächtig gestanden, den ihnen zur Last gelegten Ritujalmord begangen zu haben. An all dies 'wurden wir dieser Tage 'erinnert, 'als wir im sozialdemokratischen Oedeübnvger Organ „Nepfzava" folgendes lasen: „Julius G r ü n b a u m. Kaufmann ttt Deutsch-Kreuz, ist der Einkäufer der Budapefter protokollierten Firma Scheid, und hat als solcher den Einkauff von BruchgoAd iin Transdanubien zu besorgen. Er wohat seit 35 Jahren in Deutsch-Kreuz, welches mit dem Burgeülamd an Oesterreich gelangt ist. Gvünbaum setzte seine Beschäftigung auch nach der neuen GreuzbestimMnng fort und bereiste mit einem ordnungsmäßig ansgeftellten GrenzüberschreituNgsschein die Gegend, in welcher ihn süft jedes Kind genau kennt. Am 30. Juli abends 'kam er, wie!so oft, nach OodeNburg und trug in seiner Aktentasche das Geld seiner Firm'a mit sich. Bei der Revision der Legitimationen hieß ihn einer der Grenzsoldaten namens Radics, der übrigens den Grünbaum schon von früher her kannte, sich uns die Seite zu stellen. Bei seiner Leibesvisitation fand man außer dem Geld seiner Firma nichts Verdächtiges, vergebens wies er die Vollmacht seiner Firma vor, er wurde in die Wachstube gebracht, wo dann die Prozedur damit begann, daß Radics dem s e ch z igj äh r ig en Mann mit voller Wucht zwei Ohrfeigen versetzte. Der älte Mann taumelte und siel zu Boden. Radics schlug weiter auf ihn los und brüllte: „Du hast wohl geschmuggelt, altes Schwein! Geftche, daß du nach Wien den Kommunisten Geld geliesert Haft!" Grünbünm beschwor, daß das alles Lüge sei, Radics hieb weiter auf ihn ein. „Alter, st i n k e n d e r I u d e, gestehe!" schrie Radics und spie ihn >an, wobei er ihm die A r m e, n a ch rückwärts drehte. „Der Jude will nicht gestehen, ich werde chm zeigen, er wird gestehen!" schrie dann Radics wutentbrannt, während er ihm dieArme mit einem dünnen Bindfaden zusammenband