Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1922-08-25 · Heft 17 (25.8.1922) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 17 (25.8.1922)
Date
1922-08-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3063949-3063966--11835-3079260
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

weiß nichts olbet WM — wahrscheinlich aiuf höheren Auftrag — nichts davon wissen. Ja er weiß nicht einmal, daß eine solche Judenmasiaker nicht d a s, sondern der Pogrom. genannt wird; wie kann, er dann überhaupt darüber schreiben? Oder spricht man in der freien Schweiz ein anderes Deutsch als hierzulande. Nein, der Herr scheint nicht deutsch zu verstehen., dafür um so besser polnisch, er hat sich wunderbar in die Landessitten verliest und über sie geschrieben! Die „Wiener Stimmen" als Reinmachefrau. Die Abendgabe der „Reichspost" berichtet von der Existenz eines Geheimbundes, der sich aus Deutschnationalen, Sozialdemokraten und Ch ristlichsvziialen rekrutiert, und von seinen Mitgliedern unter anderem verlangt: „In deinen Adern darf kein Tropfen jüdisches Blut sein, du darfst keine jüdische oder mit Judentum infiszierte Lebensgefährtin haben und keinen mit Judentum behafteten Freund, denn all das könnte deine Handlungen, vielleicht ohne daß du es weißt, beeinflussen." Das Ziel dieses Geheimbmrdes ist die Reinigung des deutschen Volkes vom jüdischen Materialismus. Bisher hat man aber noch in keiner der drei angeblich an der Sache beteiligten Parteien einen ernsten Schritt zu der angestrebten Entjudung, wahrgenommen. Wenn das etwas zu bedeuten hat, dann kann das -nur eine Fronde der arischen Parteimitglieder gegen die dominierende Stellung des Dr. Kienböck sein, der als Sohn einer jüdischen Vkutter im Sinne des Waidhofener Gesetzes ehrlos ist. Auch soll es wohl in Hinkunst christlichsozialen Ministern unmöglich gemacht werden, sich von „mit Judentum behafteten Freunden" beeinflußen zu lassen. Es scheint sich also um eine Verschwörung heimlicher Anwärter aus diverse Ministerportefeuilles und die PrasideniteNiftelljen des Nationalrates wie der Republik zu handeln. Die Herren haben auch bereits einen Ersatz für die Hausjuden der Partei gefunden. In etmem Gedicht, das Donnerstag in der „Reichspost" erschien, wurden Tschingiskan und Tamerlan als die geeignetsten Exekntoren des christlichsozialen Parteiwillens gefeiert. An die ernste purisikatorische Absicht der „Reichspost" darf billig gezweifelt werden. Wer sich der seinerzeitigen Enthüllung erinnert, daß in den Wern der Kinder des deutschnationalen Großmeisters Georg Ritter v. Schönerer das Blut derer von Schmnl Leib Kohn floß und daß auch der vielgeschmähte Olmützer ErDischof Kohn nicht von Hermann dem. Cherusker stammte, wird cm zweifellose christlift-arische Blutprobe der führenden Völkischen zweifeln müssen. Hat doch, wie man weiß, Rabbi Dr. S. Bloch aus der Klosterneuburger Chronik nachgewiesen, daß selbst der antisemitische Heros Dr. Karl Lueger ein Judenstämmling war. Ausgerechnet der arme Dr. Kienböck soll den Zorn der Konkurrenz herausgefordert haben? Nicht doch, es ist hier, wie in so vielen, nichts als völkische Schwindelei und Spiegelfechterei. Eine bescheidene Feier. Ans Veranlasiung der deutschen Gesandtschaft in Wien fanden am 11. August in der Stephanskirche, der protestantischen Dorotheenkirche und dem Seitenstättentempel feierliche Gottesdienste zu Ehren des deutschen Nationalfeiertages statt. Wir haben keine Kenntnis davon, wie sich diese Feier in den beiden Kirchen gestaltete, müssen aber bemerken, daß sich die Teilnahme der jüdischen Bevölkerungskreise keineswegs imposant gestaltete. Wenn nicht die in besondere Staatskleidung gesteckten Tompeldiener durch ihre frisch gebügelten Zylinderhüte und Bratenröcke vor dem HaupteiNgang des Tempelgebäudes die in der nah« Judengasse streifenden Frequentanten neugiierig gemacht und zum Eintritt verlockt hätten, wäre die beschämende Leere des Jnnenraumes noch trostloser gewesen. Und dabei gehört der Bethlausfaal des „alten" Tempels nicht zu den größten Wiens. Von „offiziellen" Teilnehmer bemerkten wir dien Vertreter der deutschen Gesandtschaft Dr. Alber t, zwst Knltusvorsteher, ebensoviele Beth ausvorsteher, Obervabbiner Dr. C h a j e s,. mehrere Angehörige der Knltusbeamtens'chaift nn!d Rabbiner Dr. Tag licht, der. den Festgottesdienst mit einr gedaNkeNtiefen Rede über die Vergangenheit und Zukunft Deutschlands einleitete, wobei er besonders der Inden erwähnte, die ihre Treue fürs Vaterland im Kriege und nach diesem mit der Hingabe ihres Lebens bezeugten. Oberkantor M a t y a s, assistiert vom verstärkten Chor, brachte die. Trauergesänge und einige Psalmen zu ergreifender Wirkung. Die gesamte Feier war ebenso erhebend wie imposant und hätte einen dementsprechenden Besuch der Wiener Judenschaft verdient. Wodurch dieser so sehr zu wünschen übrig ließ,, soll hier nicht untersucht, sondern nur mit Bedauern festgestellt werden. Goethe, der schäbige Jude. So was konnte dem großen Helden nur in Wien passieren, wo ihm zum Glück schon vor Jahren ein prächtiges Monument errichtet wurde. Heute unter dem Kurs Seipel—Waber hätte die „Wiener Jll. Zeitung" diche Schmach Wiens verhindert, denn ihr danken wir die Entdeckung, oder vielleicht nur WeiterverbreitnNg der Wahrheit vom schäbigen Judentum Goelch.es. Wie uns nämlich ein Leser schreibt, fand er im Wartezimmer seines Zahnarztes ein cültabgögrifsenes Exemplar der „Wiener Jll. Zeitung". An arideren Orten, mit Ausnahme jener, die Man aus Anstandsrücksichten nicht nennt, wird Man dieser PresfMüte nicht begegnen. Ihre Ausführungen kanten nach unserem Gewährsmann: „Sieht man Goeche an, diese vorquellenden dunkelbraunen Arrgen, diese an der Spitze gekrümmte Nase, 'diesen langen Oberleib mit dien lknrzen Beinen, dann haben wir .ganz das Urbild eines Nachkommens Abrahams vor uns... Seine glühende Sinnlichkeit und ewige Verliebtheit, seine unsitÄiche Lebensweise und"'fragwürdige Ehe, seine Feigheit den kriegerisch« Ereignissen seiner Zeit gegenüber und noch manche andere Züge reden eine zu deutliche Sprache, als daß ein Mensch von unbefangenem Urteil sich der UsberzMMNg vier schließen könnte, daß Goethe weit mehr ein Semit als Deutscher war." Hätte der Wiener illustrierte Antisemit davon Kenntnis gehabt, daß Goethe ein Meister im Frankfurter Jüdeln war und schon als Knabe die Jofefslelgende schrieb, so würde mit all diesem. der schäbige Jude Goethe noch viel glaubwürdiger erschienen sein. Hoffentlich fühlt sich der große Olympier darob nicht in feister Rrche beeinträchtigt, so wie unser Gwährsmann Nach dieser Wiener Kultur- und Literatnrprobe nur an jener Stimmung gewann-, die ein Besuch beim Zahnarzt heischt. Völkische Brautsuche. Das folgende niedliche Inserat aus einer Zeitung der jetzigen Tsch-echo-Slvwäköi verdient es nicht, inl Anzeigenteil eines Brunner Blattes sang- und klanglos zu verschwinden. Es kautet also: Suche Lebensgefährtin! Bauernsohn, deutschgläubig, 27 Jahre alt, vollkommen gesund,'182 Zentimeter groß, schlank, brünett, Rausch-, Rauch- und Judengegner, derzeit in der völkischen Bewegung tätig, sucht Lebensgefährtin. Bedingungen: Große, germanische Gestalt, blondhaarig, Mauäugige Schönheit, mit Wille zur Selbstzucht und Verständnis für die Rassensrage und alle neuzeitlichen, pm Wiederaufbau

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.