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Die Wahrheit · 1922-08-25 · Heft 17 (25.8.1922) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 17 (25.8.1922)
Date
1922-08-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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nur darum, tueil sie zeitgemäß das theologislhe mit idem - naturwissenschaftlichen Mutelchen viertauscht halt, svndiern weil sich hier der Wolf ins Lammfell hüllt, um statt uns auznklagen, uns zu beklagen, daß -wir doch gar nichts fiir unsere Laster können, du sie uns im Blute stecken, mit uns, ob wir wollen oder nicht, geboren und begvaben werden. Das ist ikein SchaNd'fluk, den uns Gerechtigkeit vom Weide reißen, das ist Sein Makel, den DaNfwasser von unserem Leibe zu waschen vermag. Das ist.ein Fatum, beim keiner von uns entrinnen und das nur mit den: letzten! Juden schwinden kann. Das Judentum gegen die Rassentzeorie. Der Kampf gegen diese maskierte Lüge ist nicht nur ein Kanrps, den die Judenh eit für ihre physische, politische und soziale Selbstbehauptung zu führen hat. Das I u d e ntum, als Religion und Knlturfaktor, hat hier zu zeigen, olb es noch leine Aufgabe in der Welt zu erfüllen sich fähig fühlt oder kampfesmüde die Waffen strecken will. Lassen wir uns nicht durch den billigen Spott unserer Feinde über unsere Mission beirren! Der Stach eil, den uns Thora und Propheten, Talmud und MärtyrermUster «gegen Lüge und Menschenhaß ins Blnt gesetzt, diese unsere zweite Natur verbietet uns, vor den Geschichtskonstruktionen der Rassenevsruder und den politischen Machinationen der daraus fußenden nationalistischen. Hetzer dieSegel zu streichen. Krieg dem Rassenkrieg und NationNlitMendüNkell bis zur Vernichtung des Gegners oder bis zur eigenen Erschöpfung! Darf uns eine' Angelegenheit des Fortschrittes der Menschheit, der Rettung der Menschheit und Gerechtigkeit in unserer lächerlich übertriebenen ObjÄtiviM darum kalt lassen, weil wir in ihr zugleich unsere 'eigene Sache führen? War es nicht von fehler unser Schicksal, -im Organismus der Menschheit die Stelle zu bilden, die vdn jeder Erschütterung seiner Gesundheit, von jedem eingedrungenen KvaNkheitsstofs zuerst und «am einpsindlichsten -getroffen wird? Ist es nicht gerade darum unsere Pflicht, nicht, obwohl wir Juden d. h. Partei, sondern weil und so wahr wir Juden sind, «am Heften und mit größter Energie dagegen zu reagieren? Das wertvollste Kulturgut, das die Menschheit nicht ohne Mitwirkung jüdischen Geistes und jüdischen Heldenblutes bisher errungen hat, der moderne Rechtsstaat ist und bleibt das Bollwerk, -aus dem wir nicht weichen dürfen, und sollten wir es mit unseren Leibern decken müssen, wie die Kämpfer von Machaerus und Mafalda den Posten, auf den sie ihre Pflicht gegen «den angestammten Glauben, die heilige Vätererde unld ihre nationale Ehre igestellt hatte. Ergebnis. So sühnt uns die historische Betrachtung zu der Erkenntnis, daß die R a s s e nt h e o r i e ein Kartenhaus ist, wo nicht bestimmt, so doch zum mindesten geeignet, dem Judenhaß als Versteck zu dienen, um von hier «aus Brandpfeile gegen das unbequeme Bollwerk des Rechtsstaates zu schnellen. Der hellhörige P o l i t i k e r wird in der Marktschreierei der Rassesanatiker leicht den Alarmruf zum Sturm «aus die bürgerliche Emanzipation der Juden und hiemit au«s die Hochburg des modernen Rechts- und Staatsgedankens vernehmen. Daß das Rassenvorurteil der noch nicht durchgreifenden gesellschaftlichen Gleichwertung der Juden einen Riegel vorschiM, einer ganzen Gruppe von Menschen einfach nur wegen ihrer Zutzchörigkeit zu dieser Gruppe willkürlich jede sittliche EntwicklungsNiögtichikeit abspricht und ein Kismet der moralischen Minderwertigkeit Mer sie verhängt, das ist eine Ungerechtigkeit, gegen die der E th ik e r Stellung nehmen muß. Was kann unmoralischer sein, als einen Unmoralischen nur auf ein ä^WWWWI^IWUMMWMDMWDWiMMMW vages, gehässiges Vorurteil hin unbedingt über einen moralisch Höchftqualisizilerten zu stellen, wie man einen Dobermann anders als einen Wolfshund rubriziert. Nation, ist ein politischer Begriff, der Gegenstand eines Willensaktes, durch den ein Volk sich um ein'e 'Staatsidee wie Eilsenspäne um einen Magneten -zusammmschließt. Nur mit Idem Unterschied, daß dieser Zusammenschluß sich nicht unter Zwang vollzieht. Wie -überhaupt, um dieses nochmals zu beitonen, wäder natürliche noch Wahlver- ' wandtschast, sondern ausschließlich freie Entscheidung die Nationalität bestimmt. Ein Ch amisso, der Franzose mit seinem Bouoourt im Herzen, wird deutscher Dichter uNd preußischer Leutnant, während Friedrich «der Große, der Sieger von Roßbach, 'französischer Literait und Bewmcherer des gallischen Esprit bis an sein Lebensende bleilbt. Der Bretone spricht von den Galliern äls von „les lauitres Gapies“. Die Schwarzenbergs und so viele andere Wahltschechen deutschen Namens unddeutscher Herkurift waren Stützen und Führer der deutschfeindlichen Propaganda in Böhmen. Jesaja (19, 25) sicht eine Zeit kommen, in der Aegypten ,chas Volk Gottes sein" und hinter Hm erst an dritter Melle Israel stehen wird. Unter V o lk verstchen wir mithin die lockere Masse, die «sich in der Nation organisiert und als solche ilm Staat in die Erscheinung tritt. An sich, ohne die Tendenz zur Nation, ist das Volk eine durch gewisse engere oder weitere, -äußere oder innere Beziehungen unter sich verbundene Menschenmenge. Von einem „jüdischen Wollt" — nicht einem „Bolksgespenst", um mit Heine zu reden — kann jedenfalls mit mchr Recht gesprochen werden, als etwa von einem „katholischen Volk", oder auch von einem „jüdischen Stamm". Wir sind, wie die -erwähnte Stelle im Jesaja weiter besagt, ,)das Erbe Gottes", d. h. mchr, als eine imtr religiöse Gemeinschaft. Wir sind selbst dort, wo unser Zusammenhang unter uns ebenso wie mit den Traditionen unserer -nationalen Vergangenheit ganz locker ist, wo sich nicht ethnographisch von einem .„Volke" reden 'läßt, wie z. B. bei den Ostjuden oderden Seifaradim, als echte oder „adoptierte" («vgl. Psalm 2, 7) „Kinder Abrahams" und seine Bundeserben ^duvch «die, vielleicht Nur iNr UnterbewNßtfein wirksame GemeiNsaiNkeit der „anevzogenen Rasse" miteinander verbunden, mag auch die «gemeinsame Abstammung noch so 'fraglich erscheiuM. - Wir siüh l en uns als Gemeinschaft und empfinden gewisse sittliche Defekte, wie Harthejrzigjkeit, Trunksucht (Daalnit 26 a) und andere instinktiv als Zeichen nicht jüdischer Herkunft. Wie «auch immer aus dieser Lösung sich «Kristalle bilden, gleichviel, welcher Nation sich der Jüde anschließt, feine anerzogene Rasse, sein jüdisches Volkstnm sollte Hn davor büwchrM, was überpatriotische Jichlen Englands im Weltkriege getan haben, gegen irgendein Volk, vor allem das eigene jüdische, jede Regung der Menschlichkeit zu verleugnen. In seinen „Reden an die deutsche Nation" sicht F i ch t e den modernen Rechtsstaat für Deutschland voraus, „für Freiheit, gegrüNd'et «auf Gleichheit alles dessen, was Menschengesicht trägt". Daß er selbst die Inden davon ausnimmt, soll hier seiner Ideologie keinen Abbruch tun. Den Deutschen allein traut er den rechten Patriotismus zu. „Jeder andern Nation Patriotismus mich selbstisch, engherzig und feindselig gegen das Mrige Menschengeschlecht ausfallen." Der jüdische Patriotismus muß nach unsever Vergangenheit diesem Ideal entsprechen. Menschlich auch im Nationalen, Patriot ohne Chauvinismus! (Fortsetzung folgt.)

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