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Die Wahrheit · 1922-08-25 · Heft 17 (25.8.1922) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 17 (25.8.1922)
Date
1922-08-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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MaWnMeZeWrffl für gtvntnf 4Ä-S16 Kölsche Merelsen- REDAKTION u-ADMlNlSTRATlON Wir« 8.,^Aeinrstraßr 13 Wie«, 25. A«g«st 1922 XXXVIII. Jahrgang Nummer 17 Grabschriften und jüdische Familiengeschichtsfvrschung. Von Heinrich F i g d o r. Wenn jemand Interesse hat, seine Ahnen zu erforschen, so wird er selbst bei genauer Kenntnis der zu unternehmenden Schritte zu Hindernissen und Grenzen kommen, die unüberbrückbar zu sein scheinen. Bei, genauer Umfrage wird es vielleicht gelingen, die zwei Großelternpaare und die vier Urgroßelternpaare zu erforschen; darüber hinaus müssen wir das befragen, was die Vergangenheit uns aufbewahrt hat. Man war wohl bis vor kurzer Zeit der Meinung, daß nichts vorhanden sei oder daß das Vorhandene in einem derartigen Zustande wäre, welcher jeden Einblick illusorisch macht. Ludwig August Frankl zeigte uns durch seine Veröffentlichung der Grabinschriften irr der Seegasse, ->aß Grabsteine nicht erst zugrunde gehen müssen, bevor sie entziffert werden. Gerson Wolf machte uns auf die öffentlichen Archive aufmerksam und David Kaufmann fand, daß in den jüdischen Gemeindendoch nicht alles dem Brande zum Opfer gefallen ist, der einmal in jeder Gemeinde wütete. Auf Grund dieser Anregung schritt man zur Konservierung und Nutzbarmachen jüdischer Altertümer. Die historische Kommission der hiesigen Knltusgemeinde dürste diesbezüglich den Rekorderreicht haben, denn nirgends sonst find so mannigfache Forschungen veröffentlicht worden. Bahnbrechend aber sind die Wachst ei n'schen Arbeiten Wer Friedhofsforschungen und die Bearbeitung von Grabschristen, zwei stattliche Bände über den alten Friedhof in der Seegasse, welche bereits vor Jahren erschienen sind und genügend bekannt sein dürften. Neu erschienen fittb seine „Eisenstädter Grabschriften".*) Er beweist uns mit diesem Werke, daß auch Provinzfriedhöfe bearbeitet werden können und daß es auch dort an Vergleichsmaterial nicht mangelt, welches zwar schwierig zu behandeln ist, aber dennoch bemustert werden kann. Eine gleiche Bearbeitung könnten sämtliche jüdischen Friedhöfe des Burgenlandes erfahren, denn die Voraussetzung und die ganzen Geschichtsun!d FamilienmatSriiallien sind ähnlich. Wir haben es überall mit Friedhöfen von zirka 1000 Grabsteinen zu tun, die bis um das Jahr 1670 zurückdatieren. Gemeinde^ und Vereeinsprotokolle sind überall vorhanden und auch die Matrik setzt zur gleicher Zeit ein wie iü Eisenstadt. Ebenso sind Konskriptionslisten vom Jahre 1680 bis 1848 fast jährlich angefertigt worden, die im fürstlichen Archiv zu Forchtenau aufbewahrt sind. *) EisenstWrter Forschungen, herwusgegeben von Sandor Wolf, Band 1. „Die Grabschriften des alten Judenfriedhofes in Eisenstadt", bearbeitet von Dr. Bernhard Wach st ein mit einer -Studie v6A.Sandor Wolf. Konskriptionslisten vom Jahre 1735, 1756, 1771, 1796 sind im ungarischen Landesarchiv in Budapest, vom Jahre 1817 und 1848 im Soproner Komitatsarchive vorhanden, die über die verschiedensten Personen und Vermögensverhältnisse Auskunft geben. Nur wenn alle Friedhöfe bearbeitet werden, können wir von einer Familiengeschichtsforschung auf breiter Grundlage sprechen. Es müßte dies notwendig allgemein anerkannt werden und mit vereinten Kräften und kleinen materiellen Opfern könnten wir, was Jahrhunderte versäumt hüben, teilweise gut machen. Den Eisenstädtern ist bereits heute Gelegenheit gegeben, ihre Familien jahrhundertelang zurück zu erforschen. Die Eisenstädter Gemeinde stand familiengeschichtlich lange Zeit im engen Zusammenhang mit Wien, und noch heute hat der Zuzug nach Wien nicht aufgehört. Eisenftädtier haben auf verschiedenen Gebieten gewirkt und sind oft zu großer Bedeutung gekommm. Es ist mir daher kaum möglich, einige zu nennen, um den andern, die auch so bedeutlend waren, gleichzeitig nicht unrecht zu tun. Ans rabbinischenr Gebiete wäre zu erwähnen: Der 1744 in Eisenstadt verstorbene Majaram Asch. Der 1829 in Posen verstorbene Akiba Eger. Der 1890 in Berlin verstorbene Dr. Israel Hildesheimer. Auf mediz. wissenschaftlichem Gebiete wäre Prof. Dr. Moritz Benedikt zu erwähnen, der im Vorjahre in Wien verstorben ist. Freiherr Ferdinand v. Rosenzweig, 1891 in Wien verstorben, hat es vom einfachen Judenjnngen bis zum Feldzeugmeister gebracht und hat fast in sämtlichen Kriegen sich trotz höchster Kommando stellen durch persönliche Tapferkeit ausgezeichnet. Dr. Elemdr Hantos, heute zirka 40jähriger Advokat, Bankdirektor, Direktor der Postsparkasse und Staatssekretär in Budapest. Ich glaube meine Zeilen nicht würdiger zu schließen, als daß ich noch den be!amxtieu Kunstmäzen Herrn Sandor Wolf erwähne, der es ermöglichte, daß die Eisenstädter Forschungen veröffentlicht werden. Möge er viele Nachahmer finden. * * * Wir wollen es nicht unterlassen, unsere Löser auf das höchst sehenswerte Museum aufmerksam zu machen, das Herr Wolf in Evsenstadt aus jahrelangen Sammlungen zufammengestellt hat. Der liebenswürdige und jederzeit gastfreie Besitzer läßt es sich meist nicht nehmen, selbst den Führer -durch diese Schätze abzugeben, aus denen ebenso gründliche Sachkenntnis und feines Verständnis wie die Liebe Mir Sache spricht. Die Red.

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