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Die Wahrheit · 1922-08-11 · Heft 16 (11.8.1922) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 16 (11.8.1922)
Date
1922-08-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Vermischtes Polen und Litauen. Aus Au laß des Uelberganges Wilnas an Polen bringt der Wairschanm „Jnd" einen Artikel, der zur Cha-rakterisierung der polnischen und l-itainischen Juden viel beiitm-gen kann. Dort heißt unter anderen: „Der weiche, sentnnentale polnische Jude mit seiner inneren Glut und der harte, unerbittlich scharf denkende litauische Jude mit feiner kalten Beweglichkeit werden durch ihre Bereinigung zu gleichen Teilen profitieren. Der polnische Jude pflegte sich in der Regel nicht schr zu be- ' eilen, ist über, wenn er endlich eine Sache in die Hand ge- . nommen hat, mit Herz und Seele dabei, der Litauer dagegen denkt nicht lange nach, ersetzt inneres Feuer mit sachlicher UÜberlegung und halt zäh -an der Sache fest, die er einmal begonnen hat. Am meisten bekundet sich die Wesensverschiedenheit in der Art des Lernens. Der Litauer weiß zwar viel, aber er will alles wissen. Das babylonische Talmud ist ihm zu wenig, -er muß die gesamte talmudische .Literatur beherrschen. Der polnische Gelehrte dagegen geht 'mehr in die Tiefe und mit jedem Worte, über das er nicht hinwegkommt, eröffnet sich ihm eine neue Welt von Gedanken und Ideen. Was für ein Prachtlernen müßte aber bei einer Kombination der polnischen und litauischen -Methode heranskommen! Und nun auf die Politik übertragen. Eine Idee, in Krakau, Lublin oder Warschau entstanden, bleibt lange Idee, ein Ideal zu erstreben, ohne - gleich die Hände in Bewegung zu setzen. Kaum aber hat der Wind ein Atom der Idee nach dem Njemennfer verweht und siehe, sie hat Anhänger und „Männer der Tat" gefunden, die sich, ihrer bemächtigen, und bereits sind Organisationen gegründet und' Aktionen eingeleitet zu ihrer raschen Verwirklichung. Welch glanzende Aussichten eröffnet aber eine glückliche Vermählung zwischen dein polnischen Uebürlegen und dem litauischen Zugreifen!" Antisemitismus und Bitterwasser. Das Fachblatt „Magyar Orvos" (Ung. Arzt) bringt folgendes ergötzliches Histörchen: Der NMoNalverein der ungarischen Aevzte auch eines der modernen Produkte des „christlichen Kurses" — hat mit der Untepfchrift >des Sekretärs Ddktor Josef Szi-nnyei vor einigen Tagen an die Administration der christlichen Dagesblätter ein Rundschreiben gerichtet, in dem es nnter anderem wörtlich heißt: „Die Mitglieder nuferes Vereines haben in einer der jüngsten Nummern -Ihres allgemein iheliebten Blattes mit Betroffenheit die Annonce eiiwr Bitterwasserfibma igelefen, in der mit Berufung. aNf die im Buidalpöster israelitischen Spital gerNachten Erfahrungen auf die schonungsvolle innd sichere Wirkung des gena>nntsn Bitterwassers verwiesen wird. Es ist wirklich abstoßend, wenn ein als christlich 'anerkanntes und sich als solches bezeichnendes Blatt heute zur Zeit der Geltendmachung der christlichen Ideale uNd Prinzipien es für statthaft oder notwendig findet, sich behufs Propagierungeines 'anerkannten hervvivvNgenden Medikaments gevade auf die jüdische Wissenschaft und Autorität zu berufen. . . . Solche Erscheinungen sind nicht geeignet, die Beliebtheit Ihres geschätzten Wattes in der christlichen Gesellschaft 'ausrechtzNörhallten older gar zu steigern', weshalb wir uns erlauben, Ihnen unsere Meinung zur Beachtung zu empfehlen, daß wir die Umgehung solcher Inserate für richtiger und für die Zukunft des Blattes günstiger erachten würden." Zur Entstehung der jüdischen Familiennamen in Galizien. Ein beschämendes Streiflicht wirft der Wiener Professor Georg Müller auf die Knltnvverhältnisse Galiziens in der Sonntagsbeilage des „Bund". — Die oft auffallend grotesken Namen jüdisch-galiztscher Fa-mtkien, die nicht selten für den Träger ein empfindliches Hemmnis bedeuten, sind der Gegenstand der interessanten Ausführungen. Dnß bis in die Negiernngszeit der Kaiserin Mari« Theresia hinein die Inden keine Familiennamen besagen, dürfte allgemein bekannt sein. Als sich dann aber beim allgemeinen Kulturfortschritt die Unhaltbarkeit dieser Zustande erwies. begann der Staat, den Juden, die sich unter sich nur nach ihrem Vater nannten (zum Beispiel Daniel, Sohn von Moses), zwangsweise Namen bei-zulegen. Es war nun leicht möglich, bei der -großen Bestechlichkeit der Beamten, sich einen selbstgewählten Namen zu verschaffen, das heißt, wmtn man das nötige Geld hatte. Die reicheren Familien zogen zunächst die Zoologie, die Botanik und die Mineralogie zu Rate. Ebenso gingen die eigens mit der Namensgebung beauftragten Beamten vor — solange ihr Wipeit nicht erschöpft war. Namen wie „Mäusele", „Eidarel", ja sogar „Mondkalb" werden von Müller angeführt. Botanische Namen wie „Fingerhut", „Rosenstengel", „Teitelbaum" uud mineralogische wie „Bleiglnnz", „Goldstein". „Silberstein" sind ia ntief) bei uns geläufig. Als aber dann die Erfindungsgabe der Beainten am Erlöschen war, wurden neue Wissensgebiete als Quelle für die Namengebung herangezogen: Geographie, Physik, Meteorologie, Astronomie wurden zu Rate gezogen. „Mexikaner", „Wasserdainpf", „Windhos", „Nordlicht" wandeln in Galizien umher, „Retort", „Bohrloch", „Komet", dann wieder feudaler österreichischer Urndel, „Windisch-Graetz", „Liechtenstein". Den armen Juden, die keine Bestechungsgelder ausbringen konntet:, wtlvden zuletzt ganz widersinnige Namen beigelegt. Greulich mißhandelt wurde die deutsche Svrachlehre. „Buchstabierer", „Lustwandel", „Untergehe'r", alle möglichen und unmöglichen Zusammenstellungen von Zeitwörtern schmückten die Firmenschilder der jüdischen Kräuter. Eigetffchaftswörter, wie „Schriftlich", „Wörtlich", „Teilhaftig", Zahlwörter und nicht zuletzt Bindewörter, zum Beispiel: „Und". „Oder", „Aufdaß" wurden zu Namen.für den Menschen. — Originell wirkt die Eitelkeit reicher galizischer Juden, wenn man ihre Geschlechtsnamen den Bornamen vovanstellt. Da gibt es einen „Ritter Chaim", einen „Baron Essig", „Graf Schafe", „Fürst Leib", sogar einen „Pabst Selig" (!) Auch ein Herr „Klingelbeutel" ttttd ein Herr „Tabernackel" läuft öffentlich herum. Jüdische Aerzte benennen sich nach ihren Spezialitäten. Dr. Ohrenstein, Dr. Nabelbritch, Juristen nach der ihrigen, Dr. Barograph, Polizei kam missär Dr. Hinterlistig. Zuletzt mögen noch einige humorinspiriert-e Namengebungen aus der — nebenbei gesagt amtlich bestätigten — Sammlung Professor Müllers folgen. Da gibt es einen Herrn .Honigsüß, Affenschwanz, einen Herrn Mandelfveund, Gurkenscheib. Kokosnuß, Kulmbächer und sogar eitle Frau Familienfcaß. — Uns mögen diese Zustande sonderbar, beinahe unglaublich Vorkommen. Wer aber je in Galizien war, konnte sich selbst überzeugen von der?(rt und den Folgen dieser oft unwürdigen Beam-tenwilkkür, .die ganze Geschlechter dem Spott und Hohn der Zeitgenossen aussetzte. Im Kriege las man's anders. Als im Herbst 1914 die österreichischmugarischen u-Nd deutschen Armeen in Pslen einbrachen, erließ Ws deutsche Oberkommarrdo folgenden Aufruf in jüdischer Sprache: „. . . Wi Freitod ktnnmen mir zu eich, -die -bavbarifche fremde Regierung is Es! Die gleiche Recht vor Jiden soll 'weren gebaut am,f feste Fmidamenten. Loßt eich nilscht, wie a stach mol sriler, vbncvrren durch chcvnufydige Berfprechunlgen. . . . Eier heiliger Chauw ist ajetzt, zusammen zu nehmen alle K r e f t e n, m i tzu a rd e i t e n d e i d i eB es re i >uu g. Alle Vvlkskresten: eier simger Daur, eiere Kehillakus, eiere. Chewvcmts musten sich schtellen wie ein Mann, mitzrcheilfett zu die heilige Sach. Mir erwarten, as ihr weit beweisen dittrch Fakten eier Berscht and mx eier Uebergeibettheit." Die polnischen Jniden gingen in die Laude. Wie sollten sie auch nicht, angesichts der Millionen Bajonette. Sie glaubten dem Wort der hochkommaNdidreNden „Fremde", sie glaubten 'an „die gleiche Recht vor Jiden", 'sie glaubten an den „heiligen Ghattw". lind wie wurde ihr Glaube nach dem Kriege 'gelohnt. Der Jttd hat leine Schuldigkeit getan der Jnd kann gehm. Wemi es nur das gewesen wäre. Man weiß ja, wie es den polnischen Inden, von denen viele zwangsweise als Kriegsarbeiter nach Deutschland gepreßt wurden, in diesem FrouNdesliaNde erging und noch ergeht. 60. Geburtstag. Atu 7. August vollettdete der bekannte Schweizer Dichter Jakob B o ß h a r t sein 6V. Lebensjahr. Er ist der Verfasser verschiedentlicher Novellen , und des großen zeitge- --------- mm

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