Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 16 (11.8.1922)
- Date
- 1922-08-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 14 Die Nr. 16 nösfischcn RoMans: „E r n Rufer rn der Wüste", für den Hm der Gottfried-Keller- Preis und der schweizerische Gchrller-Preis zuerkannt wurde. Referend Geffen aus London, der vepräsentativste Mann der englischen Kantorenschaft, weilte mit Frau und Sohn als Gast der Wiener Kantoren in der Zeit vom 22. bis 28. Juli in Men. Geffen war wahrend des Krieges in der englischen Armee, an der französischen Front, Jcchre hindurch als FÄdkurat im Range eines Hauptmannes tätig und erfreut sich in gang England außerordentlicher Beliebtheit und hohen Ansehens. Dies kann nicht -wundevnehmerr, wenn man bedenkt, daß Geffenneben mustergültiger Amtsführung seine freie Zeit mit bewundernswerter Energie und Tatkraft selbstlos der öffentlichen WvHffahrtstätigkÄt widmet. So war auch die Gründung des jungst gebildeten ukrainischen WelthilfskoNntees, in dem er die Stelle be§ Obmannstellvertreters bekleidet, zum großen Teile seiner Initiative zu danken. Die Wiener Kollegen empfingen ihren illustren Gast Mit der ihm gebührenden Auszeichnung und gaben sich alle Mühe, ihm und seiner Familie den Aufenthalt in Wien so angeirehm als möglich zu gestalten.. Er verläßt unsere Stadt mit den besten Eindrücken und versprach, sich bei seinen Kollegen in England nachdrücklich für die Linderung der großen Not einzusetzen, unter der die Wiener Kantoren gegenwärtig zu leiden haben, deren Schwere aus eigener Anschauung kennen zu lernen, er leider hier reichlich Gelegenheit hatte. Oeffentliche Prüfung der Aguda Waisenkinder, Baden. Die Zöglinge -des Badener Aguda Waisenhauses rekrutieren sich zumeist aus dem Kriegs- und Proigvomgebiete, wodurch sie als Analphabeten in die Anstalt kamen — schon im ersten Jahve machten sie zwei Elementarklassen mit großartigem Erfolg, worüber die Prüfung an der öffentlichen Schule am Freitag, den 30'. Juni beredtes-Zeugnis ablegte. Die Knaben erhielten durchwegs die besten Noten, und konnten die Lehrkräfte der Schule nicht genug ihr Erstaunen zum Ausdruck bringen, Jargonkinder so rasch rwrwärts zu bringen. Im kommenden Jahre werden die Zöglinge Me dritte und vierte Klaffe absolvieren. Die Aguda schgt nicht nur für die jüdisch-geistige Erziehung der Kinder, sondern gibt ihnen auch Gelegenheit zur weltlichen, bürgerlichen Ausbildung. — Es war ein eminent humanitäver und glücklicher Gedanke, für muMMche Waisenkinder dieses Heim im Borjahre zu errichten. An 5V Knaben beherbergt jetzt dieses in -der Gerinerstraße in Boden, zwischen Feldern und Weingärten gelegene geräumige Haus, deffen Besuch unseren Edlen und Großen 6e-jbrtber§ zu empföhlen ist. GvünMche Thorakenntniffe bilden die Basis des Unterrichtes und überzeugte sich erst kürzlich wieder Herr Oberrabbiner Reich bei einer giüiMichen Prüfung von den großen Fortschritten der Knaben, die auch am Schluffe des Schuljahres sehr gute Zeugmffe über den Profan-Unterricht echMen haben. Unter der Leitung des Direktors Fried mann und feines tüchtigen Präfekten wecken die Knaben trefflich erzogen, sehen sehr gut aus und, wenn sie in die Badener Synagoge zum Gottesdienste kommen und ihre wohlklingenden Stimmen beim Gebete ertönen laffen, werden die zahlreichen Kurgäste auch auf sie aufmerksam und haben nur Worte des Lobes für diese wohlerzogenen Waisenkinder. Besonders schön sangen sie am vergangenen Schowuos beim Festgottesdienste und hatte Herr Obevkantor K re u t st e in Schönes mit den Kindern geleistet, die ihm beim Gebete wie gntgefchulte Chorknaben begleiteten. Es soll nun im Rahmen des Unterrichtes /bei fo gutem SchülermaternÄe «der religiöse Gesang unter des Obigen Leitung seine regelmäßige Pflege finden. Me körperliche Pflege ist eine mustevgiltige, Herrnick Frau Direktor Fried mann tun das beste. Für das große geräumige Schullokal wäre noch «ine große Schultafel vonnöten, die Me Gönner wohl bald anschaffen dürften. — Kurz, für jetzt wenigstens, eine solche AnstM auch für zahlende jüdische Kinder aus guten religiösen Familien brauchen wir dringend, möge auch sie bald' geschaffen wecken. M. A. Dr. Moritz Schuepp. Am 26. v. beging der Senior der Wiener Aerzteschaft Dr. Moritz Schnevp sein fünfzigjähriges Doktor« jublläMn. Er Hat am.26. Juli 1872 in Wien promoviert. Dr. Schnepp ist in den weitesten Kreisen durch sein wohltätiges und gemeinnütziges Winken bekannt. Seit vielen Jahnen, gehört er dem Vorstand des Tempelveremes im 9. Bezirk an und hat außerordentlich viel für den Bezirk geleistet. Erst vor drei Jahren ist er von seiner Stelle als Chefarzt der Wiener BeziNkskrankenkaffe, in der er sich gleichfalls hervorgetan hat, zurückgetreten. Schon als Mediziner hat er sich bei der Choleraepidemie den Jahre 1871 bis 1/872 mutvoll und energisch um die Bekämpfung der Epidemie große, allseits anerkannte. Verdienste errungen. Vielfach wirkt Dr. Schnepp. dessen ärztliche Kunst ihm viele Verehrer schaffte, noch in humanitäron Vereinen. # An der fünfklassigen Bereins-Bolksschule mit Oeffentl. (Talmud- Thora), Wien, 2. Bezirk, Malzgaffe 16, die auch durch Mädchenklaffen erweitert wird, ist infolge Ernennung eines Lehrers zum städtischen Oberlehrer eine Lehrerstelle frei geworben. Bezüge wie an den städtischen Schulen. Erforderlich die österreichische Staatsbürgerschaft, die entsprechende Vorbildung, womöglich Kenntnisse im Hebräischen, streng religiöser Lebenswandel. Gesuche mit Zeugnisabschriften bis 15. August an den Vorstand. Eingesendet. Boi der in der Kultusgemeinde Ob er Hollabrunn durchgeführtsn Neuwahl .wurden nachstehend« Herren in den Vorstand, bzw. Kultusausschuß -gewählt: Michael Berger) Oberhollabrunn, zum Präses, Ignaz Kn r z, Retz, zum Präsesstellvertreter, Albert Deixnev, Oberhollabrunn, zum' Kassier, Wilhelm Hauser, Oberhollabrunn, zum Vorstandbeirat, Adolf Rauzenhofer, Oberhollabrunn, zum Tempelverwalter, Heinrich Kohn,- Oberhollabrunn, zum-Ausschußmitglied, Josef Soffer, Oberholla» bruarn, zum Ausschußmitglied', Rudolf Meyer, Schöngrwben, zum Ausschußmitglied, Benjamin Lustig, Oberhollabrunn, zum Ausschußmitglied. 60. Geburtstag. Am 27. September b. I. vollendet der pensiomerte Koanmunalobevlehrer Herr Jolsef Faltischek, ein Kind des Boskowitzer Ghetto (Mähren), sein 60. Lebensjahr. Für Ke Meyer israelitische Kultusgemeinde wirkt er noch immer' als Religionslebrvr. Die beiden Brüder Faltrfchek. sowohl unser Jubilar, als auch deffen älterer Bruder Isidor, der als Bümerschuldirektor gleichfalls pensioniert ist, sind als Pädagogen und Kindevfveunde hinlänglich bekannt. Es soll bei dieser Gelegenheit erinnert werden, daß schon, im alten österreichischen Kurienparlament gelegentlich einer Schuldebatte diese beiden Bildner der Jugend in lobender und anerkennender Weise genannt worden sind. Unser Jubilar, der in seinem Berufe förmlich aufgeht, ist auch der gute Geist des Hauses vieler reicher -und vornehmer jüdischer Familien, deren Kindern er die Elemente der jüdischen Religion in die Seele senkte. Seit einer Reihe von Jahren betätigt er sich auch intensiv ans humanitärem^ Gebiete und widmet feine besondere Sorgfalt dem BvigitterDuer Verein „Die Brüder", dessen Obsorge den Schulkindern besitzloser Eltern ohne Unterschied der Konfession gilt. Sein bescheidenes, ruhiges Wesen, immer nur das Edle und Gute erstrebend und föckernd. hat ihm zahlreiche Freunde und Verehrer geschaffen. Wenn wir uns heute der Schar der Gratulanten freudig anschließend, so geschieht dies, -um einen verdienstvollen Mann, der jugendifrisch und lebensfroh daherschreitet, zu ehren. ' N. CH. Requiem. Mittwoch, den 5. v. wurde im Neudegqertempel eine Trauerwndacht für den im vorigen Monate verstorbenen Vorstelier, Herrn Simon W a ch t l, Chef der bekannten Firma Bernhack Wacht!/ 7. Bezirk, Kirchberggaffe, abgehalten, zu der sich außer Kn Vorständen, zahlreiche GemeindeimitgKeder, die Vertreter der Bethaus'oereine und die Fmnilienangehörigen eingefunden haben. Die Kullusgemeinde war durch Herrn Vorsteher Dr. Jakob Deutsch, den Schwager des Verstorbenen, vertreten. Herr Ober-' kantor Landau rezitierte mit Chorbegleitung in gewohnter künstlerischer Weise den 49. Psalm, wie auch' das El Mole rächämim. Herr Rabbiner Dr. Bauer fand tiefempfundene Worte -dankbarer Pietät für das hingebungsvolle Wirken des Verblichenen'und. entwarf in seiner Gedenkredeein treffendes Bild des selbstlosen, fleißigen Mannes, dem ein schönes, idyllisches Familienleben beschicken war, und der sich -besonders durch sein gütiges, bescheidenes Wesen -die Sympathien -der weitesten Kreise erworben hat. Möge das Andenken dieses frühzeitig verewigten Frommen ein gesegnetes bleiben! .; Spende. Herr Alexander S. Bester hat zu Händen des Herrn Dempelinspektors Max Schwager zur Verteilung, an verschämte Arme nach seinem Ermessen eine Spende von K 50.000.— erlegt. Der Betrag wurde bestimmungsgemäß verwendet. Neujahrsgratulationen der „Wahrheit". Mri Rücksicht darauf, daß im vorigen Jahre infolge verspäteten Einlangens viele Aufträge, die auch heuer dankend entgegengenommen werden, keinen Raum mehr finden konnten, erlauben wir uns die höfliche Bitte, die geschätzten Aufträge schon jetzt zu erteilen. 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