Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 16 (11.8.1922)
- Date
- 1922-08-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 16 Die Wahrheit Seite 11 lvorbenen Rechtes mögen sie gedenken, nicht in Groll, aber in Zuversicht. Gott wird's richten!" In einer Polemik „Staat und Judentum" schrieb er im Jcchve 1912 über das Thema „Judientum": „Jeder Staatsbürger weiß, daß mit der Zugchörigjksit zum Judentums nur bürgerliche Nachteile, mit Uebertritt zum Christentume erhebliche Vorteile verknüpft sind . . . Daß der generationsweise wiederkehrenden täglich erneuten Versuchung, die dieser eigenartige Ausfluß unserer Staatsweisheit herbeigeftihrt, ein relativ kleiner Prozentsatz der deutschen Juden erliegt, -ist offenbar, meines Erachtens, die stärkste QnaliWt des Nwdetvnm Judentums... Diesem Verzicht liegt die Ueberzeugung zugrunde, daß ein ideeller Schritt seine Reinheit verlieren muß, wenn er zu materiellen Vorteilen führt; eine Erwägung, die nicht ganz zu der Vorstellung paßt, die Man gemeinhin von der kühlen Berechnung des jüdischen Geistes sich bildet." In seiner „Streitschrift.vom Glauben" schrieb Rathenau: „Auch meine Neschamah (Seele) ist auf dem Berg Sinai gewesen." Möge nunmehr seÄler Neschamah der ewige Friede zuteil werden." Aus der Canisiusgafse. Der „Abend" hat sich in seiner Ausgabe vom 31. v. M. zur Verteidigung einxs „Judenknechten" herbeigelassen. Wohl war der Fall) den er zur Sprache brachte, so kraß, daß seine Wiedergabe zur Beleuchtung der im Deutschen Reich herrschenden Zustände trefflich dienen kann. Es handelt sich um einen Beamien beim Amtsgericht in Breslau, der eine Eingabe einer (natürlich) bayrischen Firma, gerichtet cm das „Kgl." Amtsgericht, mit dem Bemerken retourniertoe, daß es ein „Kgl." Amtsgericht feit dem 9. November 1918 nicht mehr gebe. Dieses Ereignis wurde in der bayrischen Rechtspresse ' besprochen und der wackere Beamte, der nur nach seinem "Amtseid' handelte, erhielt unter anderen Schmähbriefen folgendes liebenswürdige Schreiben eines Herrn Georg Nehrkorn in Berlin,, der — welch' merkwürdiges Spiel des Zufalls — ausgerechnet in der Jagowstraße wohnt: „An den dreckigen In den kn echt, Genosse usw., Inden-Amtsgericht Breslau. Mit kaltem Lächeln habe ich das Schreiben von Ihnen, mein Judenknecht, gelesen. Das ist ein falscher Irrtum von Ihnen,*) es gibt Gott sei Dank noch immer ein Königliches Amtsgericht. Waren Sie dabei, als Kaiser Wilhelm der Zweite nach Holland ging? Sie alter Saubulle, -verschrobene Schiiebudenfigur. Lassen Sie sich man die Knochen nummerieren, Sie alter Sack. Wenn ich nach Breslau komme, trete ich Ihnen ein Hakenkreuz in den Arsch. Und dann werden Sie geschlissen nach Regeln der Kunst. Sie oller dreckiger Republikaner mit Ihrem mißrigen Lappen schwarz-rot-messing. Den I u d en knechten idvehen wir alle das Genick .ab. Gott erhalte Sie. Wagen Sie es noch einmal, den Kaiser zu beleidigen, dann hauen wir Sie, daß Sie in keinen Sarg mehr passen, Sie. altes Jude risch wein." In der Angelegeneit selbst ist noch zu bemerken, daß, statt einer Ehrenbeleidigungsdes Beamten, ein echt deutscher Staatsanwalt gegen diesen eine Anklage erhob; unter welchem Vorwände, ist uns unbekannt. So weit, so schön, das heißt nicht ' schön, aber derartiges ist man ja von unseren deutschen . Brüdern nachgerade schon gewohnt. Was aber 'bewog den . „Abend", diesen Fall zu registrieren? Wohl hauptsächlich der Umstand, daß es sich um die Beleidigung der Republik handeltet Trotzdem muß es uns Wunder nehmen, daß dieses Blatt für. einen Juden Partei ergreift, während es Ich -habe «och nie einen anderen als einen falschen Irrtum gesehen. Bemerkung unseres grundgescheiten arischen Setzerlehrlings. sonst auf die Juden, speziell aus die Ostjuden, nicht gut zu sprechen ist. (Wir erinnern nur -an die WohnuNgsfric^e, in der der „Abend" den gegen die Uvberschwemnrung Wiens durch die Oestler DMonistvierenden in versteckter Form Hilfe zugesagt hat). Nun, es soll uns riecht sein, wenn in der Canisiusgafse sich ein Stimmungsumschwung vollzogen hat. Doch halt, es hat sich keiner vollzogen, wir frohlockten zn früh. In derselben Nummer, in der der obige Fall erwähnt wird, findet sich gleich ans der ersten Seite ein liebliches Bildchen, das unter -einer drohenden Faust und einem Kurszettel einen aus einem vollen Geldsack sitzenden Mann zeigt. Dieser besitzt nun so prononziert jüdische Züge, daß man dem Zeichner dieses SchmähbildeS nur gratulieren kann. Er hat vollauf das Recht, mit Schönpflug von den „Wiener Stimmen" um die Palme in der Fabrizierung von antisemitischen Zeichnungen zu wetteifern. „Wo es Stärkere g-ibt, immer auf Seite der Schwächeren", lautet die Parole dieses von Juden redigierten Blattes. Der Jnd ist der Stärkere, daher drohen wir ihm in frohem Bund mit den Antisemiten mit der zum Schlage erhobenen Faust. Rathenau ist nicht zulässig. Die soziia'Lüamvkratischen Studenten der Wiener Universität beabsichtigten, im -Festsaal derselben eine Trauerseier aus Anlaß der Ermordung Walter Raidhenaus abzuhalten. Das Rektorat verweigerte indes die Genehmigung unter dem Vorwände, es Wune leicht p Unruhen durch die deutschnatio-nale Studentenschast 'kommen. Diese Besorgnis an sich ist nicht unbegründet, denn -auf dem heißen Böden der Wiener Universität k-am es wirklich -schon wickerholt zu -UeberMeu. der völkischen Burschenschaftler auf 'anders gesinnte Kommilitionen. Einmail, nahmen die germanischen Heldönsöhne sogar die jüdische Mensa mit stürmender Hand und der fuj-üf teutonicus -richtete eine furchtbare Verheerung au Tellern und Gläsern -an. Die natikmäle OffrzierAoereiniguug avbei-tet eben nicht ohne Erfolg 'an der „WehrhastMachung" der akademischen Jugend. Einigkeit. Anläßlich der Ratifizierung des Mandats schreibt das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz": „Der angenommene Ma-ndatstext entspricht nicht den Träumen jener Schwärmer, welche auch heute noch einen „Judenftaat" wollen; aber es kann sich auf ihm eine jüdische Heimstätte aufbaueu, die ein kulturelles Zentrum für die Gesamtj-udenheit bedeutet und eine Siedlungsstätte für wachsende Massen unserer jüdischen Brüder, welche leibliche Not oder^ seelisches Verlangen dort hin treibt. Nun wird auch die Zeit kommen, wo alle Kreise der Judenheit zum Aufbau Palästinas herangezogen werden müssen. Die Zionistische Organisation -muß diesen Ruf nun erklingen lassen!" Jüdische Landarbeiter in Nordamerika. Die Gesellschaft zur Förderung von Landwirschaft und Industrie unter den Juden in Amerika veröffentlicht ihren Jahresbericht, aus welchem die nachstehenden interessanten Daten wiedergegeben werden: Bor 22 Jahren, als die Gesellschaft ihre Tätigkeit begann, wären in den Vereinigten Staaten 210 jüdische Familien in der Landwirtschaft tätig. Jetzt beträgt die Zahl der jüdischen Farmer in den Vereinigten Staaten Wer 60.000. Im Jahre 1900 betrug der Lairdbesitz der jüdischen Farmer 12.029 Acre. Jetzt sind mehr als 1 Million Acre, die auf einen Wert von ungefähr 100 Millionen Dollar geschätzt werden, iw den Händen jüdischer Farmer in den Vereinigten Staaten. Es ist dadurch nachgewiefen, daß die Union Mischen Ko. lonisten weit größere Möglichkeit bietet als Palästina.