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Die Wahrheit · 1922-08-11 · Heft 16 (11.8.1922) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 16 (11.8.1922)
Date
1922-08-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Die W Lhrhe.it Nr. 16 / internationaler sogenannter deutscher Volksregierung noch jeden nationalen und völkisch gesinnten Mann, der Bekennermut an den Tag letzt und sich von den Ausnahmsgesetzen nicht terrorisieren läßt . . . Wir stehen kurz vor einer Auseinandersetzung zwischen national mit»- international, vor einem Bürgerkrieg, der jeden, auch den Spießbürger, zwingt, Farbe zu bekennen, und sein bißchen Leben in die Schanze zu schlagen. Du weißt, wohin Du gehörst . . . Hatte Dich jedoch bereit, sei ans alles gefaßt, jedem Mitmenschen gegenüber verschwiegen bis znm Tod." Warum also „unzureichend?" Das Beten mit den Füßen hat einst Heine den Tanz genannt, er verschwieg aber wohlweislich die Gottheit, die mit diesem „Beten" angerufen wird. Wie alles in dieser Welt hat sich auch der Tanz weiterentwickelt, die Zeiten, da der Großvater die Großmutter nahm und mit ihr den „Polstertanz" versuchte, sind vorbei, wir sind bei Foxtrott, Onestep, Shimmy angelangt und diese beherrschen den, Ballsaal. Es hat uns immer gewundert, daß bis heute noch kein Teutschsr aufgestanden ist und erklärt hat, daß diese hauptsächlich von Amerika importierten Tänze Erfindungen eines Saujuden sind. Dem Kyfshäuserverband der „Vereine deutscher Studenten" blieb diese erlösende- Tat vorbch alten. In seiner Zeitschrift, den „Akademischen Blättern", ist ein gewisser Friedrich Neumann wohl so loyal, die modernen Tänze <a!ls „chngesührte Feindbundwave" zu deklarieren, dafür -aber „nicht einmal gute". Daß diese Feindbundware, die Beweglichkeit der Füße verlangt, den Herren, die nur mit den Händen ParMellenpiftolen bedienen -und nach vollbrachter Ruhmestat iin Auto ohne weitere Strapazen enteilen können, nicht Paßt, ist ziemlich verständlich. Dagegen sind die leinzitzen Abnehmer dieser Ware „die jüdisch verseuchte iSchieber- und Lebewel^ jene Wellt, mit der ein Verein deutscher Stüdenten in Leiner Buchung gemeilffame Sache machen darf. Die „modernen Tänze" sind daher unwürdig iund Wwrdrig." Wir können dem V. d. St. mit der anchentischen Information dienen, daß am Sonntag! im Prater beim Swobvda, einem wohl kaum „jüdisch verseuchten", dafür aber auch nicht akademisch verbildeten Lokal, ebenso zahlreich Shimmy, Onestep und Foxtrott getanzt wird, wie bei einer von Juden besuchten Tanzveranstaltung, deren Ertrag womöglich wohltätigen Zwecken znfließt. Heimliche Rüstungen. Dich Wiener Polizeidirekdion läßt durch ihre «amtliche Korrespondenz feststellen, daß der Nationalverband deutscher Offiziere in Wien Idurch einige namhaft gemachte MWMer Waffen samm-le, verberge und die „Wchrhalstmachung" der Gymnasiasten betreibe. Gegen dieses sticmtsgefährliche Treibensoll bereits die StaatsanwMschiasit eingsschritten sein. Der Nationalverband deutscher Offiziere ist ein Klüng>e!l monarchistischer gegenrevoluitionärer Gesellen, die nach Art ihrer Hakenkreuzjbrüder in Deuiffchland einen gewalffamen Umsturz der bestehenden Verhältnisse anstreben und daraus in der Oes-fe-nÄichkeit -kein Hehl Machen, wie aus ihren Parteiovganeu und Reden in VersicmrnÄunigeN genUiglfam herivvrgeht. Es uuiderlietzt kaum einem Zweifel, daß dieser gefährliche Nationalverband (auch FMnEämpfevvereiniguNg) im Smrne und im Austrage ihrer reichsdeutschen Gesinnungsgenossen handÄt. die gleichfalls heimliche Waffenlager haben. Der Unterschied liegt nNr darin, daß die deutsche Regierung diesen Leuten mit aller Strenge und ENtschlossenhÄ an den Kragen gjcht, während bei uns ein auf der Verfassung beeideter Minister ihnen die Mauer macht. Will man sich hier etwa erst nach ebenso schrecklichen Erfahrungen wie mit den Attentaten auf Erzberger, Rathenau und Scheitdemann zu den Maßregeln gegen die hiesigen Hakenkreuzler entschließen? Das Zentrum voran. Wolfss Wro berichtetam 23. v. M. aus Berlin: Wie die Movgenblätter melden, erläßt der erste Vorsitzende der Zentrumspartei im Namen des Vorstandes einen Ausruf, worin es heißt: Die Vereinfachung und Vereinheitlichung unseres ParteiWefenS ist eine Löbensfrage ifür Deutschland. Wir brauchen eine starke Partei, die die «großen sozialen Aufgaben der Gegenwart meistern und die Trennung nach Klassen überwinden kann, die Stände und Konfessionen zu aufbauender politischer Arbeit zurückführt und treu zur Verfassung sicht. Die hier beschriebene politische Linie hat die Zentrumspartei tatsächlich eingehakten. Sie ist deshalb geeignet, sich zur großen starken Mitte auszuwachtsen und insbesondere auch den Kern der in der letzten Zeit vielbesprochenen Arbeitsgemeinschaft einer verfassungstreuen Mitte abzugeben. Es wird dann weiter angekündigt, daß bei den nächsten Wahlen -eine größere Zahl nichtkatholischer Kandidaten ausgestellt werden soll, ohne Rücksicht darauf, ob diese die entsprechende Anzahl von Wählern ihres Bekenntnisses hinter sich haben. Me politische Schwenkung des Zentrums ist von einer nicht zu verkennenden Tragweite. Diese Partei war in Preußen-Deutschland seit jeher die einflußreichste, mit deir sogar der mächtige Kanzler Bismarck paktieren und ihr Zugeständnisse machen mußte. Nach dem Ableben ihres damaligen Führers, des staatsklugen Windthorst, verlor sie allerdings an Einfluß, auf den Gang der Politik aber griff sie gleichwohl manchmal ein. Das Zentrum verkörperte einen starren Konservjativismus in ähnlicher Weise wie Altklerikale GrDßöstervöichs und war so wenig wie diese antisemitisch gerichtet. -Die wirklichen Zentrummänner halten -auch jetzt noch an der ehemaligen Tradition fest und es kann deshalb überraschen, daß sie bei der Wiederanifbauarbeit die Mitwirkung nichtkatholischer Kandidaten -anstreben. Aus diesem Bekenntnis ersieht man, daß Christentum und Hakenkreuzlerei verschiedene, ja sogar «unvereinbarliche Begriffe sind. Die Zentrumsentschließung fiel bald nach dem Abrücken der Deutschen Volkspartei von dem Mordprvgvamm der Deutschnationalen, die rätselhafter Weise in bürgerlichen Kreisen Bekenner «und Anhänger hat, sowie dies vorwiegend im Zentrum der Fall ist, unbeschadet der Tatsache, daß die sogenannte Junkerpartei ihr ein starke Kontingent stellt. Wie hoch aber steht beispielsweise ein Heydebrand als Mensch und Politiker -über einen Ludendorff. Geht nun das Zentrum in der Not des Augenblickes voran unb leisten chm die anderen besonnenen Zemente Gefolgschaft, dann darf man wieder an die Zukunft des Deutschen Reiches glauben. Rathenaus Judentum. Die „Deutsche Jsr. Zeitung" (Regensburg) schrieb, da Nathenau sowohl bei den Orthodoxen wie bei den Jüdischnationalen nicht für voll genommen wurde: „Er glaubte an Gott und -verurteilte! die Taufe von Juden -um äußerer Vorteile willen als Charakterlosigkeit aufs Schärfste. Vondieser Gesinnung hat er auch in der Oeffentlichk-eit,' besonders in seinen schriftstellerischen Publikationen nie ein Hehl gemacht. Im Jahre 1911 schrieb «er: „Von den Juden -erhoffe ich, >daß sie, auch während der Dauer ihres Minderrechts unablässig an ihrer Selbsterziehung arbeiten, in allen guten Tugenden mit ihren christlichen Landsleuten wetteifern und in verdoppeWerÄelbe>' ihrem Lande dienen. Ihres «tzuten, wohlsr-

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