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Die Wahrheit · 1922-08-11 · Heft 16 (11.8.1922) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 16 (11.8.1922)
Date
1922-08-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Leite 9 'Jh: 16 D i e Wahrheit Wahrheiten vom Tage Der^übermichelte „Michel". Ein Sprichwort meint: „Wann front sich der Höckerige? — Wenn er einen noch Höckerigen sicht." Aus diesem Grunde hat auch der biedere Hakenkreuz-Michel Ursache, sich zu freuen. In seiner Ausgabe vom 30. Heuert (Juli) konnte er nämlich melden, daß in Amerika eine Wochenschrift „The gentile Tribüne“ erscheint, die nach den vom „Michel" gebotenen Kostproben noch alberner und unwahrer als dieser ist. Der Leser verliert nichts daran, wenn wir ihm die transozeanischen Stilblüten der' dortigen „Michel"-Variation vorenthalten. Dagegen soll nicht verschwiegen werden«, daß unser lieber bodeirstmtdiger Judenfresser den Titel.des wahlverwandten Blattes.^begentile Tribüne“ mit „Sprachrohr der Heiden" übersetzt, wofür dem freien Philologen ein Ehrendoktorat einer patentariischen Hochschule gebührt. Bei diesem Anlässe werden die freundlichen Leser auch darüber belehrt, daß die gläubigen Hebräer Nichtjuden als Heiden oder Götzenanbeter bezeichnten, was der hakenkreuzglänbige Schoiftleiler wahrscheinlich in Rohlings „Talnrudjude" gefunden hat. „Michel" - regt sich im übertragenen Wirkungskreise auch darüber' auf, daß nach «einer Verordnung des deutschen Postministers Juden, die' streng -ihren Sabbat feiern, Briefe erst am folgenden Tage zugeftellt werden. Schließlich wird der Wünsch der „Thegentile Tribüne“ verdolmetscht, daß sich alle Christen im Schulchäin ArUch und jüdischen Geheömbncherü unterrichten lassen mögen, „um den verrrrchten Haß gegen-alles Menschliche zn verstchen". „Michel" bemerkt, für diesen Unterricht schon «lange eingetreten zn sein. Wir stimmen dem Ehren-Michel in diesem Punkte bei, unter zwei' Voraussetzungen, nämlich, daß er und seinesgleichen die Geisteskapazität a-nfbringen, die ein solcher Unterricht fordert, und daß die Lehrer nicht von der Art der Täuflinge Brimanus und Meyer seien, die Ehren-Rohling und Pfarrer Deckert mit ihren Lügen und Fälschungen t üchtig rein - fallen ließen. Schließlich noch zwei Kleinigkeiten: In seiner Sprechstelle fordert „Michel" die Leser in der Tschecho- Slowakei auf, sofort die ausständigen Bezugsgebnhren zu überweisen, damit er beim Sinken der tschechischen Valuta keinen Kursvebluft erleide. Aber „Michel", das stinkt ja nach jüdischem Valutenspekulantentnm. Bescheidentlich soll von uns im Zusammenhänge mit dem „Michel" zuletzt die Rede sein. Er nimmt daran Anstoß, daß wir die Untersuchung des Geisteszustandes Henry Ford enrpfohlen haben. Auch über die von einem reichsdeutschen Blatte übernommene Anregung des Bäderstreiks regt sich der Wackere aus, und doch haben selbst gute Christen die bayerischen Kurorte boykotiert.' Judenausweisungen in Jugoslawien. Auch dieses Land hat sich zn solch heroischer Tat ansgeschwungen, und zwar soll sofort die Entfernung aller Juden erfolgen, die nicht die Staatszugehörigkeit besitzen, ungeachtet der Dauer ihres Aufenthaltes im Lande. Besonders die letztere Bestimmung muß Unwillen erregen, denn es ist ein starkes Stück, jemanden des Landes zu verweisen, der schon lange in diesem sitzt und dadurch mit dem Boden verwachsen ist. Ebensolches Erstaunen muß aber auch die Verfügung der jugoslawischen- Regierung erwecken, wenn man hört, daß diese wohl den Soldaten der früheren Wrangelarmee Asylrecht «gewährt, dagegen ein solches den aus der Ukraine geflüchteten Juden vorenthält. Jugoslawien ist erst ein junger Staat,' das aber läßt sich ruhig sagen: Mit solchen Maßregeln wird es sich nie mub nimmer den Ehrentitel eines Knlturstaates erwerben. Ja, die Nähe Ungarns, des Landes des uumerus clausus, wirkt erziehlich! Oft- und Westeuropa. Angesichts der Schreckensn-achrichten, die aus Polen, dem Lande der chronischen Pogrome, kommen, von denen einige in unserer neneit Rubrik „Aus aller Welt" wiedergegeben sind, erlaubt sich die Berliner „Jüdische Rundschau" eineu vermeintlich guten. Spaß. Sie sagt nämlich in einer Kritik aller antisemitischen Ereignisse der letzten Wochen: „Selbst Polen, das Land, das Jahre hindurch keinen Tag ohne Pogrom gesehen hat, ist heute, mit Ungarn verglichen, beinahe judensreundlich zu nennen." Das ist wohl übertrieben, denn wenn man schon so weit geht, diese beiden Länder osteuropäischer Kultur miteinander zu vergleichen, so fällt einem wirklich die Wahl schwer, welchem Lande der Vorzug in punkto 'Antisemitismus zu geben ist. Und „beinahe" wagen wir es, Ungarn eine größere Judensrenndschaft als Polen zuzumessen. Denn dieses Land sieht jetzt wieder keinen Tag ohne Pogram, erst vor kurzem hat etil solcher in Wilna siattgesunden. In Ungarn droht wohl Herr Hejjas, dem am I d. M. ein Vertreter des National-. veobandes d e u t s ch e r Offiziere und Soldaten. eine Medaille am schwarz-weiß-roten Band mit den Schwertern überbrachte — zn dieser Auszeichnung si-nes Ungarn durch Deutsche unser herzlichstes Masel tos —, daß der Besetz! zum Jndemnord von Jszak «nicht sein letzter gewesen sei. Wir find aber trotzdem solche Optimisten zu glauben, daß angesichts der immerhin wahrznnvhmenden Erstarkung des Liberalismus es bei der Drohung -des Herrn Oberleutnants «bleiben wird. In Polen -aber fließt ununterbrochen Judenblut, das von WA«na schreit um Rache zum Himmel. Hier ans Erden fand sich eine Untersuchungskommission zusammen, .die den Wilnaer Oberrabbmer Rubi u st e i n einvernahm. Dieser «forderte zur Ber-. Hütung weiterer Pogrome eine Auslösung aller antisemitischen Organisationen, vor allem der „Rozwoj", dieser Bande von Mördern und Dieben. Bet Wiedergabe dieser berechtigten Forderung gibt die „Jüdische. Rundschau" der tüchtigen deutschen Regierung einen Seitcnhieb, da man dieses Postulat in Deutschland in absolut unzureichendem Umsange dn-rchzusühren scheint. Warum „unzureichend"? Wir wären froh, ginge man in Pvlen und Ungarn so energisch vor. Irr Ungarn ist es 200 Jugendlichen aus Kecskemet gestattet, irr den Kuppelsaal des Parlaments einzudringen und jüdische Journalisten zu mißhandeln. Irr Deutschland räumt mau mit solchen Lausbuben auf, wt-e es -dieser Tage dem Thüringer Jungdeutschen Orden" erging. Bei einem Mit-gliede dieser Bereinigung — war es schon 14 Jahre alt? — wurde folgender Brief gesunden: „Rathenau hat seinen wohlverdienten Lohn erhalten. Hoffentlich folgen ihm. noch mehrere von «dieser Sorte „deutscher Bolkssührer" ur die ewige Seligkeit. Einmal muß es -doch mit dieser Schweinebande ein Ende nehmen, einmal muß ans doch eirr Mann erstehen, der diese jüdische Sippschaft zum Teufel jagt nrrd der mit einem eisernen Bosen im Lande unserer Väter anfräumt. Wir müssen im Alarmzustand, Gewehr bei Fuß, stehen, und stets bereit sein zum Losschlagen gegen diese Schmachregierung von I u d a s g n a d e u und zur Brechung des Flickwerkes von Weimar. Ein weiteres Hinausschjieben ist meiner Beurteilung nach in Anbetracht der vielerr Verhaftungen der Mitglieder der Organisation C. nicht angebracht. Denn wenn es so weiter geht, verhaftet diese Saubande von

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