Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 16 (11.8.1922)
- Date
- 1922-08-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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e?m 8 D;e Wahrheit Nr.!b xuk'fen worden ist,-) Laß sie ihr Rüstzeug bei Len Na-bdinen geholt hat, so sand man auch, daß die arische Mystik von der Lehre 'des Bal-ScheM in den Schriften.des Schneor Salman ans Lddi sich nährt.-* **)) Wenn im Midrasch die fceübeu Gefühlstvelten (die höheren Regionen über die Vernunft) „ture nehora" und - „tnre chaschocha" (die erleuchteten und finsteren Berge) genannt werden, so sind fciaimit die illuminierten Stellen auf der Karte des Gefühls Lei Kant vorausgesagt. Ebenso die neuzeitlichen Lehren von der Entwicklung des Bewnßtseins. Fechners Seelenleben der Pflanzen und seine Tagesansicht finden sich bei den Rabbinen und Schneor Salman, dem Begründer der Chabadisten-Schule viel höher und schöner ansgedrückt. * Der „gebildete" Großstadtmensch unserer Zeit lebt vorwiegend ohne Religion und Moralität. Es gibt keine Autorität für ihn, -außer sein eigenes Urteil. Theoretisch ist für ihn die alte, gottgeleitete Weltzusammengebrochen und «er schreitet über ihre Trümmer frei von jeder Sentimentalität. Dennoch ist er nicht glücklich, so aufrecht und gerade er einherzngehen scheint. Atavismen stören seine Ruhe. Der Gefühls-, Stimmungs- und Phantasiemensch regt sich in ihm ununterbrochen mit unbefriedigten Bedürfnissen. Denn der Materialist des Denkens und Tnns schuf in diesem Menschen unserer Zeit eine Leere. Die seelische Kultur dieser „Gebildeten" wurde ansgelöscht — die Herzen stavben. Aus aller Welk. Der Völkerbund hat nach IleberwM'dNng einer Welt von Schwierigbeiten und Hindernissen mdlich das englische Mandat über Palästina genehmigt. Der Völkerbund hat gesprochen, über nach wie vor ist dias entscheidende Wort, die ^bestimmende Tab auch bei anderen' Faktoren. Im Heiligen Lande wird nach den letzten in London eingegangenen Nachrichte-n die Lage mit einem Vnlikan verglichen, dessen Rauchsäulen -einen unmittelbar benvrstchenden Ausbruch anzeigen. Keinerlei Anstrengungen reichen airs, den Ernst der Lage #u mildern. Leider hat in diesen!. Augenblick die Judenhait Palästinas emen schweren Ber-- luft zu verzeichnen: Boris Goldberg ist gestorben, ein bedeutender Kaufmann, der soeben zusammen mit den! Wiener Kreme netzki die BaustsiNfÄbrK Silibat in Jaffa gegründet hat und eine Zementfab-E in Haifa vorbereitete. * In Wien nimmt die antisemitische Hetze überhand; Nillch der Errnordnng RathMjMs steckten sich zahlreiche Beamte Hakeirkreuze an! Ein diesbeizügliches Pressetelegramm der Wiener I. C. B. Expositur an die I. C. B. Zentrale in Landen wurde von der TelegraphendirMidn Wten i n h i b i e r t. Die deswegen bei der Amtsdirekklion gemachten Boxstellungen blieben erfolglos. Ein zweites *) Wir finden die Leibniß'sche Monadenlehre in R. Ehajjrm Vitals „Schaar Hakerduscha-H". Die „angeborenen Ideen" in den „maskalim harischonnn"; die unbewußte Vorstellung in dem Terminus „birah mezajjer Zijjurim", die auch „naher fche'eno posek" — der nimmer ruhende Gedantenstrom — bei den Rabbinen genannt wird. **) Aron Markus findet Hartmanns Philosophie im Chassibismus. (Vgl. „Hartmanns induktive Philosophie und der Chassidismus", von demselben.) Telegramm, indem der Londoner I. C. B. Zöntvaile won der Inhibierung des Pressetdletzratn-kns Kenntnis gegeben - -ivurde, ist gleichfalls inhibie-rt lvordeu. Inzwischen benmhte sich der amerikanische Jude M o r a e nth an äls Vertrauensmann der ainwviikaNffchen Banken für das. unter- , gehende Oesterreich Geild ,z/n beschaffen. - , - .. Wie' weit es gar in Deutschlaud gekoncknen ist, kanir. lll-audaraus ersahen, baß der dritte Mittäter an dem Mord -an Rathenan, Techorv, 'nnmtetlbar nach-der'Tat sich äußerte: „Es blieb uns nichts -anderes tibrig, als. Rachenau Mnzubrinigen. Wir hatten alle Wn -Geld mehr. Wir müssen! einen großen Komm-nnistmanfftand ln-' szenievsn, damit wir nachher wieder in anständige (?)' Stellungen -kommen." In den Hauptstraßen Münchens fanden anti- ' semirische Demonstrationen und Belästigungen statt. * - In der Tischecho -Slowakei hat in P -o l n a>. wo einst' die Affaire des üMgeblichen RNwalmövders. HiWne-r spÄlte, ein-e neue RAnalmoüdhetze -ft-aUgefuntden, die zeitweise' bedrohlich erschien. Did gerichtliche Obduktion hat natürlich diese böswilligen Ausstreunngen sofort entkräftet, außerdem wurde ein Fleischieirgchrlfe verhaftet, der des Mordes. verdächtig erscheint. Seit den! Fall Hilsner scheint, die Welt nicht weiter gekommen zu sein. ' ' » In Ungarn haben W/Familien der von Hejas ermordeten und beraubten jüdischen FamiWniväter gegen ihn zivile EntschädiignNgsklägen eingereicht. Wie die jüdische Wochenschrift „E g y e n l ö s 6 g" mikbeilt, befinden sich, zurzeit 21-5 Inden in JntevnierteniageM, wo sie grausame Leiden zu echMden haben.- In diesen Lmgtt'N werden auch zehn jüdische SoGaten gefangen gehallten, die ,aius a ch tjähriger russischer 'Mldgsgefaingenschdft -erst fetztheimgekchrt sind und deshalb interniert wurden, weil sie des Kommunismus devdächtitzt werden. *, In Pol en Haben sich >bei Wilna, tim Stäidtchjen Radnm, neinerlichj Exzesse nreignet, an denen M'ilitär tbotLklijgt war. Nach Dantziger Berichten -haben am 16. Juli iij Minsk AnsschreiNntgen! gegen die Juden sstatttzPunhen. Der ZnsamM-enstoß laus dem Markte soll sehr blutig verlaufen sein. Mer Todesopfer sind zu beklagen. — Die Warschauer Sitaatsanwaltschjaft hat gegen 'das Warschauer. Wochenorgan des antisemitischen RozLvoj-Bundes „Ryzwoj" wegen der soniderbaren Beleuchtung der Wilnaer Geschehnisse (über diese berichten wir in der Notiz „Öst- und Westeuropa") vor Gericht die Anklage erhoben. Nach der Darstellung des „Rozwoj" hatten die Mlnaer Juden einer! Pogro-in gegen Me Christen vorbereitet! » Das Altgckboit der mexikanischen Regiern-ng, ein großes Gebiet ihres Landes der Mischen Kolonisation zur Verfügung zu stellen, hat unter den in Rumänien sich anfhaltenden jüdischen Flüchtlingen großes Interesse hervorgernfen. Die Versassnngskommission des. litMischen Schm beschloß, in chrer letzten Sitzung, die Manische. Sprache" als die einzige offizielle Sprache des, Landes anz-uerkenNen- Damit sind die Mischen -Bchtrebmtgen für Gleichbeirschtignng des Hebräischen gescheitert. iä.