Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 16 (11.8.1922)
- Date
- 1922-08-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Die Wahrheit Seite 7 Kr. 16 Gegen die Sklavenplantagen hat seinerzeit der besonnene K. E. V o n Buer M berufener Fachmann die denkwürdigen Worte niederges-chvieben: „Sind -bei Aufstellung >der Ansicht, das Menschengeschlecht bestehe aus mehreren Arten, «die positiven Kemltniste, die wir von 'den Arten und Rassen der Tiere, namentlich der Säugetiere -und insbesondere der Haustiere, besitzen, gewivrdigt worden und abgewogen, oder hat das Gefühl, daß der Netzer, besonders der geknechtete, von dem Europäer, beim Homo tavetLouir Voirv Äs LsS^MDsnits, vsvschilÄien ist und ihm häßlich erscheint, oder viielleicht gar die Sehnsucht, ihn außer aller Ansprüche und Rechte des Europäers sich, zu denken, zu dieser Ansicht geleitet? Ernste und kenntnisreiche Männer haben sich oft gegen sie mit allen zoologischen Gründen -ausgesprochen, sie wird dennnoch nicht so bald sich ganz vertieren, weil zoologische Gründe nicht aus <alle Personen wirten, die in solchen Sachen eine Meinung haben zu können meinen." Leider hat die Follgetzeit diese Voraussicht besMitzt. Nur hat der Wunsch, der Vater des Gedankens, von den Negern, als hier dem Haß wn& der Habgier das Feld -abgegraben war, kn der Judenhetze sich einen neuen Nährboden gewählt. (Fortsetzung folgt.) Von der chassidischen Erkenntnis. Von Wolf Rappalport. :. ' . R. Chajjim Vital anno 1600: < „Wvwahr hinter diesem getMbten Licht (vr cha-schuch) der Well der Kliphot ist ein weit helleres Tageslicht, nur -daß es die Welt der Schalen verhüllt." . > (Schaar Hake'du-scha T. III.) Ixi' ' " " ' ii. , . . , Gustav Theodor Fechner anno 1879: „In der Tat ist -mein Glaube daß so! iijsicher als auf die Nacht der Tag, auf ' ' bis Nachtmrsicht die Tagesanficht folgen " ' , wird." Der Praktische oder praktisch gebildete Großstadtmensch, obwohl er immer noch glaubt, Ideale und Ueberzeugth eiten zu besitzen, geht unablässig in die Irre, taumelt uNd wankt. Er hat die Leitung des theoretischen Menschen verloren, Und aus dieser Not unserer Zeit, aus dem Markt- und Maschiuenlärm unseres Lübens ruft die Stimme, die allzulange schwieg. Eide -Stimme, die da, ruft nach einen! Heimfrnden in die Gebundenheit, Nach einer Erlösung. Hoch über dem Ehaos unserer Zeit ist dieses Ziül. Mit einer Inbrunst, die uns -lange, lange fernge- . blieben, -suchen diese praktisch gebildeten Menschen das höhere Erlebnis. Und sie suchen es und suchen, und glauben es bald du, bald dort zu finden, aber dieses Suchen ensprrcht ganz der Art und düm Wesen diüser „Gebildeten", der Blick aus das Aeußore hastend, unfähig in die Tiefe zu -gehen; und so vermeinten sie -auf einmail bei Rabindranat Tagore das Gesuchte zu lfinden uM sie entdeckten in Hm den -Urquell aller Weisheit und Wahrheit. Mit 'allen äußerem -Prunk und Ehren, die dem westlichen Kulturträger zur Verfügung steht, wird er umgeben. Er wird von >Stadt zu StiM in Luxuszügen geDhrt, um Rüben vor den „Gebildeten", den ErkenntUissuchenden zu Hallen. Und so kam er von London nach Berlin, von du nach Wien und von Wien nach Prag, wo Hm ein Luftschiff zur Verfügung 'gestellt wurde, um damit Nach Paris zu segeln. Aber dieser Rabindranat bringt nichts -anderes «ls die Asußerungen der Upanischadön oder AuMtze, die diesen Inhalten nachjgebildet sind. Er hat also diese indischen Texte nach dem Geschmacke des westeuropäischen LitevaturpublKums seuilletonistisch bearbeitet. Himmelhoch über den Upanischaden und den Beddas steht die Lehre des Bal-Schem, steht der Neochassidismus, der durch seine sittliche Höhe die indische Lehre, die neben philosophischen Spekulationen und' religiöser Mystik eine starke Mischung von MyHalogie enthalt, überragt. Wer wer kannte sie, diese chassidischen Meister, diese echten Zaddikim, die oft -mens-cheniverlassen in großer Not lebten, wer kannte sie, diese Märtyrer, die oft in zerfallenem Gemäuer häuften und -in voller Anspruchslosigkeit sich dem beschaulichen Leben hrn'gegeden haben. Die westeuropäische Publizistik sorgte nicht für Hre Reklame und Popularisierung. Nur hin und wieder hat sich ein Geistesfünke, der dort herausgesprüht, irgendwo ins WvNM verirrt und ein Feuer in manch fernstehender Seele entfacht. * » * Die materialistische Weltanschauung (und zumeist die der westlichen Kathederwissenschaft) behauptet, es gäbe nur eine Art der Erkenntnis — die Erkenntnis durch di-? Vernunft, und sie meinen damit die Sinne. Die chassidischen Meister aber sagen -euch, Erkenntnisse, die die Erfahrung großer Herren sind, können nie durch eine noch so scharf oder logisch freisinnige Erkenntnis erschöpft werden; und so ist diese Erkenntnis eine Erkenntnis durch das Gefühl. Alle chassidischen Meister stimmen darin überein, daß die Worte der Sprache ganz unmöglich -den Strom des inneren Lichtes, der -ihre Seele erfüllt, erfassen Wunen. Durch höhere Versittlichung, durch Sichentzichen der Außenwelt gelangt der chajssidische Meister zur Stufe der Hasageth, wobei er den Strom des Lebens, den er in sich fühlt, gleichsam Ln ungetrübter Reinheit zu vernchinen vermag. Diesen inneren Löbensstrvm, der nur ein Teil jenes -allumfassenden Lebens ist, der die ganze Schöpfung durchflutet. Als 1883 auf dem Berliner Gelehvteukongreß Du Boys Reymond die Bilanz der wissenschaftlichen Ergebnisse den Ariern vorletzte, und gleichsam die Grenzen der Erkenntnis absteckte, glaubte man bei einem Kulminationspunkte der menschlichen Forschung zu stehen und die Philosophie des Unbewußten «galt -für einen Augenblick für überwunden. Nachdem aber von -anderer Seite dieser Jgnorabimus-Kongreß als eine Bekenntnis der Ohnmacht des menschlichen Geistes bezeichnet wurde, lebte das menschliche Suchen nach den Regionen jenseits des sinnlichen Bewußtseins wieder aus. Der Westen wähnt sich in neuerer Zeit -auf einmal vor einem Tor zu stehen, hinter dem er eine große Erkenntnis ahnt. Neben der Kathederphilofophie des Unbewußten entstanden Disziplinen wie die Theosophie, Spiritismus und allerhand okkulte Wissenschaft bis auf die jüngste Lehre der Anthroposophie, die uns anch mit der Entwicklungsmöglilchkeit des Bewußtseins vertraut macher will, Disziplinen, der von der zünftigen Wissenschatf verworfen worden sind. Wer sie alle pochen vergebens an -das Tor. Alle zeugen sie von der Unfähigkeit des arischen Mystizismus, der mit den aus dem Chassidismus und Rabbinismus gepumpten Ideen nichts anzUsangen weiß. Man «steht diesen Ideen aus den -ersten Blick ihren fremdartigen Ursprung an. Sie fühlen sich nicht heimisch im Gehirn des arischen Denkers. So wie bef der KathederphÄofophi-e vielfach nachge-