Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 16 (11.8.1922)
- Date
- 1922-08-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Gerte 6 Die Wahrheit Es jene hatten sie nie Verzicht geleistet. Vielmehr wür -die Fürsorge für das Land der Vater eine ernste Angelegenheit jeder Diasporagemeirckie, und aus den Dienst im ueu-zuerrichteUden HeiligAvm bereiteten sich Kohanün gewissenhäst vor. Es hat auch einen ganz realen Sinn, wenn von einem jüngst hier in Wien verstorbenen edlm Kohen gesagt wurde, er wäre würdig gewesen, im Bech hamikdasch den Dienst des Hohenpriesteers zu versehen. . Nienranden Emm man zwngen. sich Kn dem Vloilke zu bekennen, unter dem er geboren wurde. Auls der U-ebersahrt von Südamerika nach London wurde eine junge Dame gefragt: „Sie sind Argentinierin?" „Nein," sagte sie, „Engländerin." „Aber Sie wurden doch in Argentinien geboren?" „Ja." „Dann sind Sie doch Argentinierin?" Worauf die Miß verächtlich erwiderte: „Wenn ich in einem Stall z-ur Welt gekommen wäre, würde ich darum eine Krch sein?" Wir sahen, Nation ist Wille, freie Wahl. In diesem Sinne, aber, vom wisseuschastlichen .Standpunkt ans, nm in diesem hat man das Recht, von einer Mischen Nation zu reden. Dem Begriff einer Mischen Nationalität liegt kein anthropologischer Tatbestand zugrunde. Sie ist, wo sie geltend gemacht wird, 'Me politische Bestrebung, nicht Faktum, sondern PostNlat. Wann dieses Postulat erfüllt sein wird? Vor Mem Jchrzchnt beveW hat I. Kl-ausn er in Mem Vortrage hierauf die allein zutreffende Antwort erteilt.' Die Völker des Altertums, so führte er darin 'ans, sind daran zugrunde gegangen, daß sie keine Nation im eigentlichen Sinne Des Wortes bildeten. Ihre Schwache war eine soziale Spaltung, die einer bevorzugten Oberschicht M Proletariat gegenübersiellte, das national uninteressiert war, und für das Sieg oder Niederlage im Kampf mit Mem »anderen Volk nur ein Beibchalten «der Men Wechsel des Unterdrückers lbedeiutete. In Israel waren es Thora nUd Propheterl, die durch Berkürchnng tder Gleichheit aller vor Gott und ibean 'Staatsgesetz die Massen zur Nation und damit Das gesiamte Volk zu einem homogenen, gegen' den äußeren Feind auf Lüben und Tod unter sich .verbrüderten Verbände machten. Von einer jüdischen NativnaWät wird man darum erst dann von iroeuiem sprechen dürfen, wenn die Massen Palästinas nicht wie jetzt arabisch, sondern jüdisch sein werden. Mit dem Mischen Farmer vom Typus eines Boas ist nichts getan. Der bedeutet für die jüdische Nationalität in Palästina nicht mehr >als in Pollen. Der Landarbeiter vielmehr muß Jude sM, die Bodenprodukte müssen vom Juden erzeugt werden. Solange dieses urwüchsige Judentum fehlt, wird es der Mischen Kultur in Palästina nicht anders als der deutschen in den Nachfolgestaaten, dev schwedischen in Finnland ergehen. Nicht so sehr das „Jiddisch", als wert mehr das Arabische in Palästina ist die Gefahr. Ohne Palästinas Erdgeruch, ohne das Fundament einer lautochthonen Mischen Masie ist die Mische Nationalität nichts als M Luftschloß. Nur durch die Hand, die den- Bodien des BMerlandes bebaut, wird sie verwirklicht. Reger- und Judenstage. Ebensowenig, wie den Juden zur jüdischen Nationalität zwingen, darf man ihm «als solchem idem Anschluß an eine andere, d. h. die Ausnahme in den Staatsverband, verweigern. Geschweige denn, daß man ihm, «ohne das PMzip des modernen Staates zu verletzen, gar iU seinem Geburtslande eines der teuersten Rechte, das Anrecht ans seine Heimat versagen dürste. AM konsequentesten und eines freiien Volkes würdigsten verfährt England, iUdem es jedem, der auf englischem Boden das Licht der Wült er¬ Nr. 16 blickt, ohne weiteres das englische StaatsbürgMÄht zuspricht. Dies ist ein Punikt, lauf den wir Juden unsere ganze Aufmerksamkeit konzentrieren sollten. Es hcvlcheck sich hier um eine Lebensfrage für die Judenheit. Die Riassentheorie — darüber darf nicht die geringste Unklaivhüit herrschen — ist einzig und allein gegen die Juden gedichtet. Ihr Motiv ist der Judenhaß. Genau so, wie Bierbrauer und Dabaikhändler „Gelehrte" finden, die die Üngefährlichkeit oder gar Nützlichkeit des Alkohols und des Nikotürs zu beweisen für Geld und gute Worte sich h«rbeMassen, genau so fand der Rassenstotz im a-lten Griechenland seinen Aristoteles, der die Bestimmung des einen, zu herrschen, des anderen, zu fronden, als „naturgemäß" erwies. Ebenso argumentierte man mit pseudowissenschalMichen Spiegelfechtereien in Amerika vor 60 Jahren gegen die Neger. . . Es dar>f darauf verwiesen wenden, daß im Kriege gegen die SüAstaaten sich sogar Me Mische Stimme fand, die der damals von den Baumwollmagnaten beliebten Berufung auf d!ie biblische Herabsetzung Chams öfs-eutlich zustimmte, eine Entgleisung, die Philippfohu in seiner „Allg.LeituUg d. Judentums" gebührend gurückwies. Wäre jenem unglückseligen jüdischen Gegner der Negerbestedung nicht der traurige Mut gesunken, wenn man ihm prophezeit hätte, daß der Spieß gegen Cham sich auch einmal gegen Sein kehren wrde? Daß der Teufel sich auch ans die Bibel beruft, wenn er für die Minderwertig^ 'der „jüdischen Rasse" einen Kronzeugen braucht? Daß fo, wie selbst in der freien Union der Nigger in der Triam ' von den Weißen geschieden wird, man den Juden als Paria von. jeder Berührung mit der „Edelrasie" werde ausfchlietzen wollen? Müßte nicht die Erinnerung en den gelben Fleck, den seine Ahnen getragen, den Juden davor warnen, die Barbarei des schwarzen Flecks zu unterstützen? Welche 'bittere Wahrheit predigt H. H. Ewer s, wenn er 'von jenem Neger erzielt, der träumt, ein Jade zu, sein, und 'beim Erwachen sich* glücklich 'fühlt, daß dies nur ein böser Alb war! Diese Kurzsichtigkeck des Juden, der mit Steinen warst ohne zu bedenken, daß er selbst im Glashause saß, konnte nicht greller illustriert werden, als durch den Ausschluß der „Juden- und Farbigen- Stäinnilinge" ans den ÄeutschNatioUalen Sltndeütenverbindungen, und der am schlagendsten korrigiert -Wurde durch die Aufschrift, die düs Mische Spital in Philadelphia trägt. Sie 'lautet: „Gewidmet den Kranken und Verwundeten, ohne Unterschieb des Glaubens, der Farbe und der Nationalität." Auch daran sei erinnert, daß der Jude Cr6m'ieux als Münster mit eiNenr FÄerstrich die farbigen Einwohner der französischen Kolonien» zu Staatsbürgern erhobsn hat. Und wenn man im Weltkriege, wie schon früher 1870/71, die vemchleten Schw-artzen als Kanoneufüttev gebraucht hat, erinnert das nicht zu deutlich an die Regierungen, die — nicht nur der Zarismus — Von den „lieben Juden" das Blutopfer fürs Vaterland forderten, um dann „nach Tische anders zu lesen" und HNen den beliebten' Fußtritt zu versetzen? Muß man diüm Juden erst eine BrMe aussetzen, muß man Hm erst M Hörrohr -ans Ohr halten, um ihm zum Bewußtsein zu bringen, daß das, was irgendwo und irgendwann zur Entrechtung .irgendeiner -Mestfchengruppe ins Treffen geführt wird, nur ein BorspW pm Angriff aus ihn allein bäieutet, dem man unbesehen und um jeden Preis alles, was schlecht und böse in der Welt ist,,aufs Kerbholz schreibt, und dem man, wie S«t ettenh e i m einmal sagt, selbst die römische Nase krmmn nimmt? ' , . . .. '; . ..