Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 15 (20.7.1922)
- Date
- 1922-07-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 Die Wahrheit Nr. 1ö Von Rah und Fern MI Götzendäurmerung. In Ungarn scheint sich langsam, aber sicher, ein Umschwung vorzubereiten. Dieser Tage ging der Prozeß gegen die Mörder von Orgovany zu Ende. Sie wurden zu mehrjährigen Kerkerstrafen verurteilt, diejenigen aber, die sie zu diesem Judenmord gedungen.und sie dazu angestiftet haben, Hejjas und HorHy, laufen frei herum. Der erster,e ist durch den Amnestieerlaß des Herrn- Reichsverwesers, der letztere durch diese seine Stellung geschützt. Als das Publikum itm Gevichtssaajl «erfuhr, daß Hejjas durch den Amnestieerlaß, «auf den er übrigens mit erhabener Miene verzichtet, nicht der irdischen Gerechtigkeit eingeliefert werden könne, obwohl von ihm jedermann weiß, daß er mit dem Morde von Orgovany ebenso in Verbindung steht, wie mit anderen Judenmetzeleien, da kam eg in den Hallen der Themis zu unerhörten SLandalszenen. Ebensolche Turnultszenen beschwor derselbe Anlaß im Parlament herauf, wo die Sozialdemokraten und Liberalen der Regierung scharfe Oppositionmachen. Es scheint also leise Wende zu kommen. Auch aus kleinen Anlässen merkt man dies. So wurde ein Mischer Brigadekommandeur a. D., Julius Bauer, der einst — man denke! — im Ofner Tempel Chorsänger gewesen war, wegen seiner großen Verdienste im Kriege zum Generalmajor a. D! ernannt. Wenn man Juden, diesen notorischen Drückebergern, schon Verdienste im Kriege zuspricht, dann ist die Einkehr nicht mehrweit. Die Sudeten-Jungen. Es hätte uns schr gewundert, wenn die geistige Epidemie, die jetzt im ganzen Deutschen Reiche wütet> pch durch die Grenzen nicht «ajbhiailteu lassen, auf die SudetenlLnder überzugreisen, wo eine Disposition däftir schon- 'lange vorhanden war. Walther RacheNau war ein Signal für die deutschen Jünglinge im Böhmerland, die eigentlich nur Gaste des tschechischen Herrenvvlkes sind und sich nicht so mausig machen sollten, wie es im Fall Samuel Steinherz geschehen ist. Ein gewöhnlicher Steinherz, der noch dazu den Vornamen Samuel hat, ist für jedes germanische Empfinden ansreizend. Wenn aber derselbe Mann ein Gelehrter von Weltruf ist, an der altberühmten Prager Carolina lehrt und' vom Professorenkollegmm zum Rektor gekurt wurde, dann müßten die Sudeten-Jungen, die zu Füßen dieses Meisters sitzen, sich mit dieser Tatsache abfinden, anstatt Krach zu Machen, wie es in einer Versammlung der Studentenschaft geschehen ist. Sie konnten ja die Folgerungen derart zichen, daß sie den Prager Staub von ihren «Schuhen schütteln und nach einer Hochschule übersiedeln, wo ihr strammer Judenhaß gesinnungsgleiche Brüder finden wick. Ja, diese wahrhaften Deutschen! Wenn sie gelegentlich eines Sänger- oder Turnerausfluges von den Libussa-Söhnen nur scheel angesehen werden, möchten sie unter Anrufung des Minvritätenvechtes gleich den Völkerbund mobilisieren, entblöden sich aber nicht an einer noch schwächeren Minderheit ihr Uebevmütchen zu kühlen. Aber gar so einfach^ wie die Herrchen sich das vvrstellen, ist die Sache vielleicht doch nicht. Sie leben in einer wiMich demokratischen Republik, an deren Spitze ein Mafaryk steht, der in seiner Person Gesetz und Recht verkörpert. Noch lebt an der Moldau ein anderer Geist als .an der Spree oder Elbe. Das werden die Sudeten-Jungen wohl inue werden. Der Vatikan — antizioniftisch. Wohnen in dev Brust des jetzigen Papstes vielleicht zwei Seelen? Eine Menfreundliche, die Ausgangspunkt rührender Legenden war und- Allerlei Schönes aus «dem vorpäpstlichjerr Leben des Kardinal Nitti meldet, wie er «arme »alte Judenfmuen unterstützte uüd «auch sonst idem anserwählten Volke Sympathien entg-ögeNbvaWe, während er jetzt «auf dem '«Stuhl Petri den Regungen der artdeven «Seele lauscht. Tatsache ist, dlch sich der Va-Man zurPaläftinafrage jetzt nicht freundlicher stellt, als dies unter Benedikt XV. der Fall war. Der Vatikan soll jüngst sogar beim Völkerbund gegen die Errichtung eines Königreiches Israel-protestiert haben. Das ist unbMngt Me hyperbolische Ausdrucksform, die das KorrespoNdenzbureaU auf dem Gewissen haben mag. Glaubeuswürdigev ist schon, d.aß der englischen- Regierung ncchegelegt wurde, den Einwohnern (respektive Christen und Araberin) das SsWstbeiftimmMgsrecht nW zu rauben. Es soll sogar über diesen PuuN eine EnzyklMa beivorstehm. Für »alle Fälle betreibt der Vatikan gewohrcheitsmätzig ReligionspolM. MM wird sich des exponierten Hervortretöus des Mons. Bavlastena «gegen die Zionisten erinnern, das gewiß nicht ohne hohleren Aujftrag geschah. Nun wollen wir zu der gMzen Angelegenheit die rilWge Distanz gewinnen. Die Zeit, in der eiiti Roma locuta die Welt erregte und' zum Gch orsam zwang, ist endgildilg abgetan. In der PoWik hat Rom schon lange feine Rolle ausgespielt. Das h«at sich vor und nach, dem «Krieg erwiesen. Se. Heiligkeit wiÄ dem BMerbunde kaum imponieren, oder die englische Palästinapolitik irgendwie beeinflusse«. Ein anderes -aber ist die moralische Tragweite vatikanischer ENuntziatbionen. Der Papst ist «das Oberhaupt, der .römisch^kaHolischen Kirche, die von Hm ausgegebene Parole hat bei vielen Gläubigen Urlfch!lbarjkeÄsw«ert und Werbeikraft. Darauf läßt es sich zurückführen, daßdie palästinensische christliche Bevölkerung und durch sie die Araber den Zionismus als ihren gemeiinsamen Feindanzusprechen sich gewöhnt haben. Drei glückliche Gewinner. Der Kommunismus, der Monarchismus undder Antisemitismus haben vor Vurzem innerhalb einer Woche Glück gehabt. In ihren bezüglichen Organen „Staatswchr", „Rote Fahne" und „Volkssturm" sind sie, böziehuNgswieife Hve Klopffechter »unid 'deren parteimäßig. verübte Delikte vor Gericht fteigesprochen worden. Das bolschewikische Mendblatt in der Eanisiusgasse begrüßt den Freispruch der drei glücklichen Prozeßgewinner mit selbstverständlichem Jubel. Die anders gerichtete Presse konnte diese Stimmung nicht teilen, auch nicht begreifen,, wie es zu solchen Verdikten kommenkMn. Sollte es schön daran liegen, daß in einer Stadt, in der geständige Kindesmörder und Postdiebe freigesprochen werden, Feind-e der staatlichen uNd öffentlichen Sicherheit keine Rvlle spielen? Wiener-Neustadt. Herr Moses Vogel, Kantor,-in Neunkidchen, Niederästvereich, wurde einstimmig zum hiesigen OberkaNtvr gewählt. «Seine kantorale und musMMsche Begabung, sMe eicht Mische Vortragsweise, sekne besondere Bvfähig-uinjg «als SchochÄ, Mn fester Charakter «und jüdischer'Lebenswandel bieten dafür Gewähr, daß unsere Gemeinde, die in streng «konservaNver Strömung ist, durch fehte Tätigjkeit im jüdischen Sinne gedeihen wird'. Kaffeehausübernahme. Die im Bezirke LsopMstadt durch ihr reelles geschMiches «Wirken üsstbekamtten Kcmfleute, Paul nNd FeM-mvnd K o r nm e h l, haben das in der Leopoldsgasse 25 befindliche gutbuvgeEche Kaffoeehaus Moritz Schwarz Übernommen.