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Die Wahrheit · 1922-07-20 · Heft 15 (20.7.1922) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 15 (20.7.1922)
Date
1922-07-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Theater, Kunst und Literatur Drei Bücher aus dem Verlag „Der Weitze Ritter"- Berlin: Otto Karl Müller: Der brennende Tod. Mysterium. Ein Feuersstiel. 1922. Mk. 20. — Eine Dichtung, die uns das erotische Erlebnis des Kriegers, den Zwiespalt in seiner Seele bei der Heimkehr schildert. Ausgestattet mit sechs Holzschnitten von Georg Fischer-Jena, ist es für reise Menschen ein wertvolles Geschenk. Dr. Hans Hartmann: Kulturwende. Bausteinbücherei, Höft 1. 1922. Mk. 12. — Eine Predigt vom Neuaufbau des inneren Menschen als notwendige Grundlage einer neuen Menschheit. Hans Blüher: Lscsssio judaica. Philosophische Grundlegung der historischen Situation des Judentums und-der antisemitischen Bewegung. 1922. Mk. 15. — Eine schmerzliche Enttäuschung für die, die Blühers bisherige Werke gelesen haben. Wenn wir auch mit den Schlüssen Blühers zum größten Teil übersiustimmen, so können wir dennoch den Gedankengüngen, wenn man das Tohuwabohu von Axiomen so nennen darf, nicht folgen. Schade nur um das Papier und die wirklich schöne Ausstattung. K. G. * * ■* Obwohl mit dien obigen Ausführungen des 'Rezensenten die 'letzte Broschüre bereits für uns isrlMgt sein könnte, wollen wir sie noch >cms eigenem ein Wenig kritisieren!, denn sie bezweckt M<h Ae Art Erledigung, Nämlich Ne des Judenbuims. Erchgiltig und für -alle Ewigkeit ist >es orleNigk: Diches große Wort h-at Hans Blüher gelassen ausgesprochen. Weshalb es mÄ dem Judentum so weit gekommMi ist, hat Mäher ^ebenfalls hevaNsgchunidsn und nach seiner. Meinung Mar aufgözeigt. Israel war das auserwählte Volk nur so 'lange, bis Nus ihm Jejsus, der HeMaNd der Welt, hervorgogaNgeN. Damit war fein Zweck erreicht, seine D aseiNsberechtiguNg abgetan, sein Schicksal erfüllt, und weiter braucht man Ms dieses überwundene Volk, den Schödling der anderen, keine Rücksicht zu nehmen. Die Blühersche Hypothese schreit förmlich Nach dem Irrenarzt, aber es ist b^eichnend für »den Tiefstand' deutscher Urteilsfähigkeit, daß solcher Stumpfsinn Anhänger und Bekenner findet. <3r. Heinrich Konrad: Das natürliche System der menschlichen Gesellschaft. Wien 1922, Mauz. Mk. 25.—. In jahrelanger hingebungsvoller Denkarbeit hat der Ber- 'fasser versucht, die Gesaimth-eit der BezichNngen, aus denen die menschliche Gemjeinschaft wirkt und lebt, Nach Dean Beispiel der Mathematik m BeigrfffsformÄn Mszudrücken. Wie fein Meister RaymunÄus Luluß stellt er neun Reihungen oder Arten (Wissen, Macht, Wirtschaft, Sittlichkeit, Sltaat, Recht, Kunst, Technik, Organisation) mit je 71 Grundbegriffen oder „Elementen" auf, so daß das ganze System 243 solcher Elemente zählt. Da ist nun freilich zu sagen, daß diese 243 „Elemente" nicht den Anspruch erheben können, die Urelemente auch nur dieser Begvffsswelt zu sein!. Zahllose andere Bögrfffe tcrfb' Einsichten sind in jedem Neser Grundbegriffe 'bereits angefammÄt. Die Zahl der möglichen BebbiNdüngeN bei' gegebenen Elementen zu berechnen, ist eineMaHematrsche Methode, Uber keine philosophische Lösunig. Zur DeNkNotweUdigketit und zum objektiven Wesen dringen wir >aUf keinem anderen Wege vor als auf dom, durch wdlchejn wir Ms der Erfahrungswelt zu der Bernnnfterkenntnis emporsteigen. Das „natürliche System der menschlichen Gesellschaft" schließt jede historische und psychologische Richtung Id-es Blickes Ms. Der Aftrvlogisrnus, zu dem es sich schließlich bekennen muß, ist kein Ersatz für die Erkermtmskraft Dies Denkens, das Ms der Erfahrung schöpft, diese dMn aber, freilich aus eigener'Kraft überschreitet. O. H Francesco Nitti: Das friedlose Europa. Frankfurter Soeietäts-Dvuckerei. Mk. 45.—, >geb. Mk. 58.—. Manche von den alliierten Staatsmännern haben die BsvderNichkeit Der rachsüchtigen Friedensschlüsse, >für Die sie sich selbst im Siegesrausch eingesetzt haben, erkannt, wagen aber ihre Meinung nicht vssen zu bekennen, um nicht mit dem von ihnen wachgerNfenen BolkÄeiAonschajsten in Konflikt zu kommen. Der frühere italienische Ministerpräsident Nitti hüt diesen Mut und hat ein Buch geschrieben, das die Welt Ms die Gefahren des Weges aufmerksam machen soll, den die Siegerstaaten einschlagen. Seit Keynes ist keine so embringende und vernichtende 'Kritik der Verträge geschrieen worden. Ueber die Friedenskonferenz, bringt er keine indiskreten Dokumente, doch >ersährt der Loser manches Neue, vor allem über die Art, wie Glemenceaiu die . WiodergntmachuNgsbestimmungen durchgösetzit hat, über die HAflosigkeit Wiffons nNd die klägliche Rolle Italiens, das nur nach Fiume starrte, über die schonen Grundsätze Lloyd Georges und die Unmöglichkeit, diese Frankreich gegenüber durchzusetzen, nachdem England die deutschen Kolonien geschluckt >NNd die deutsche Kriegs- und Handelsflotte beinahe gänzlich vernichtet hatte. In der Frage der Schuld >am Kriege klagt er vor allem Rußland M wegen der verbrecherischen Aufhetzung der Südslawen und der Mobilmachung, schenkt aber Mch seinem Vaterland in keiner Weise etwas, das mit der Eroberung Lybiens das Zeichen zu dem Balkankrieg igab und die Milliarden lieber zum AusbM seiner Wasserkräfte verwendet hätte. Treffend schildert er das neue Europa, wo finoaHielle Zerrüttung, Not, Verrohung, Völker- und Klassenhaß täglich anwachfen. Insbesondere wendet er sich gegen Polen, das fieberhaft seinem Untergang eutgegenarbeite, und gegen Frankreich, dessen Plutokraten die deutschen Kohlenschätze, ideffen Pvlitiker den dauernden Besitz des Rheinlandes erstreben. Als Rettung schlägt er vor: eine Bürgschaft Englands und Italiens für Frankreich gegen einen . dentsichen Angriff, aber jtichti für einen Gewaltfrreden, sondern für einen Rechtszustand. Er verlMgt daher Räumung des Rheinlandes und des Saavgebietes, vollständige Rückgabe der grundlos entrisienen deutschen Gebiete, ein Ende der üppigen KÄntrollkommifsionen, Herstellung des wirtschaftlichen Gleichgewichts. d. H. G. Enelow» The Jew and the World, New-Zork 1921, Bloch Publifh Comp. Bon Epelxrr, dem geistvollen Prediger am Temple Emanuel in New-Aork besitzen wir eine Reihe wertvoller Predigten und-Vorträge, die, in handlichen Heften vereinigt, jeder jüdisch-theologischen Bibliothek zur Zierde gereichen. Das vorliegende Bändchen, Louis Marshall gewidmet, dshandelt in Anknüpfung an entsprechende Bibeltexte die Frage der Charakteristik des Jiüien, den jüdischen Universalismus, den Äntisemitismus, die Leistung des Stifters des Christentums in jüdischer Beleuchtung, sodann einige Centenarien und Millenien (wie Napoleon, Ad. Jellinek, Dante), Jbn Gebirol, das Verhältnis der Puritaner zu»n Judentum und die weltgeschichtliche Sendung des Juden. Die Verbindung biblischer und nachbiblischer Gedankengänge mit analogen Aussprüchen moderner Denker verleiht diesen von echt jüdischem Gefühl, darchglühten Skizzen einen besonderen Reiz, ihr gediegener Inhalt blewenden Wert.

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