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Die Wahrheit · 1922-07-20 · Heft 15 (20.7.1922) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 15 (20.7.1922)
Date
1922-07-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 semitisches Versammlungslokal gerade nur das Hakenkreuz, die lieblichen Juden-hinaus-Plakate und ein Püdimn fchlt, ans dem Herr Richl als' Vevsammlungsredner "figurieren könnte. Sv übernimmt die Bäuerin die Rolle -des Abweisenden unid sagt: „Habt's den g'sehn, wie er abp.^chtist, weil NM eam was g'sagt halt, wos wohr is: Der :Mär' lieber statt a Pvlischer a tschechischer Jud' mit- «aner -höheren Valuta." Nachdem die Gemüter sich beruhigt hatten, wurde die Judendebatte geschlossen, in der merkwürdigerweise die Bäuerin ihre VertrauHeit mit den ausländischen Kursen bekundet hatte. Nun schritt man zu wirtschaftlichen Fragen. Sie erzählten einander den Zweck ihrer Reise nach der Hauptstadt. Sie wollten Heurige verkausfen, düs Kilo zu K11300. Dem Zuhörer -kam momentan der Gedanke: - Ist an diesem niedrigen Preise auch der Räuber Jud schuld! Eine Bäuerin, die in Wien einen VerDaussstand hat, berichtete, daß sie vorijge Woche, innerchakb eines Vormittags den Preis dreimal mi je 50 K hinaufnumeriert habe. Als er das horte, da wendete sich der Berichterstatter mit Grausen und verließ ebenfalls den - Waggon. Vielleicht wurden auch ihm einige Nachreden gehalten, die denen nach dem ersten Abgehenden ähnlich waren. Wer weiß? Er dachte sich noch: Der Jud ist ein Räuber. Der Bauer ist . . . . . ja Bauer, das ist was anderes! O. H. Die Heringsdorser schieben zurück. Im Reigen der -judlönseindUchen deutschen Becheorte wollte auch HeriNgsdors an der Ostsee nicht fehlen. Daraufhin unternahm die Swinemünder Ortsgruppe des „C. B." die erforderlichen Schritte, damit die Wohniunigsoermieter dieses Ostseebades Farbe bekennen. Der Erfolg war für den C. B. sehr be- - friedigend. Sämtliche Heringsdorser Interessenten geben .sich als weiße Lämmchen, damitihnen das ^Svmrnergeschäft nicht entgehe. So weit, so schön. Die vertrauensseligen Juden werden unseres Erachtens dort gleichwohl ' ihres Aufenthaltes nicht froh weiden. Ein notgedrujngener Philosemitismus behält immer seinen Stachel, d!er gelegentlich hervorgekchrt wird. Proteste. Wir haben schon einmal darüber berichtet, daß gegen die Verfolgung der jüdischen Religion in Rußland von verschiedenen Seiten Proteste erhoben wurden. Bei Wiedergabe, eines der letzten dieser Proteste — es handelte sich um die Resolution der Misrachiftengruppen beinahe sämtlicher europäischer Länder an die Genueser Konferenz — gaben wir unserem Zweifel darüber Ausdruck, ob dieser Protest auch etwas nützen würde, obwohl gerade. im damaligen Augenblick Rußland!, zum erstenmal seit Bestehen der Sowjetrepublik,.. einer Konfermz Wgezogenj, sich hätte bestreben müssen, die teilweise schon vorhandenen Sympathien zu befestigen 'und nicht -durch Nachrichten über Grausamkeiten im Lande zu verheeren. Trotzdem wurde unser Zweifel bestätigt, die Lage der Juden hat sich seither noch mehr verschlechtert und wieder werden Proteste in -alle Welt hinausgeschickt. So hat der polnische Rabbinerverein an den Vatikan die Bitte gerichtet, bei der Sowjetmacht dahin zu wirken, daß die Verfolgungen in Rußland eingestellt werden. War schon im ersten Falle, wo es sich um politische Instanzen handelte, die' Sache aussichtslos, wieviel mehr ist sie es, wenn ein religiöses Forum sich an ein anderes wendet. Denn die Sowjetrepublik hat bekanntlich mit jedem religiösen Bekenntnis gebrochen, bekämpft sogar seine offenen und ehrlichen Anhänger; wie sollte da der Vatikan imstande sein, etwas anszurichten. Abgesehen von diesem Bedenken, muß Nr. 16 die Bitte des polnischen Rabbinervereines für die russischen Juden überhaupt merkwürdig berühren. Nicht, daß wir einer Stellungnahme von Juden in dem einen Land für Juden in anderen Ländern für wenig opportun halten. Wir sind die letzten, die einen solchen exklusiven Standpunkt für richtig finden würden und haben immer unsere Stimme für bedrängte Glaubensbrüder in auswärtigen Gebieten erhoben. Aber angesichts der Judenverfolgungen durch die berüchtigte polnische Pogromistenbande Rozwoj ist es beinahe komisch, daß die dortigen Rabbiner sich für russische Juden exponieren und für die Juden im eignen Lande ziemlich wenig tun. Ist doch die Macht dieser polnischen „Erwachenden" so groß, daß sie sogar die Polizei dazu brachten, Juden, die in begreiflicher Empörung über antisemitische Hetzplakate diese von den Wänden rissen, zü verhaften! Ein altes Sprichwort sagt: „Jeder kehre vor seiner eigenen Türe!" Das ist besonders notwendig, wenn vor ihr ein solcher antisemitischer Schmutz liegt, wie in Polen, wo noch heute Ritinalmordmärchen im Umlauf sind. Dank vom Hause Hohenzollern. Gegen den toten Löwen häufen sich Eselstritte. Auch des verflossenen deutschen Kaiserreichies verflossene Majestät Wilhelm erlaubt sich dieses zoologische Vergnügen, das vielleicht als eine FerNwirbung gedacht ist. Wilhelm II. 4 R., der noch immer im . Wahn lebt, die Welt lausche seinen Anssprüchen als Offenbarungen eines höheren Geistes, urteilte' über den ermordeten Rathenau Mergnädigst, daß ihm zwar seltene ’ Fähigkeiten eigneten, daß er aber als Jude eine Gefahr für das Vaterland war. Der Jude als vaterländische Gefahr ist in Deutschland hohe politische Mode geworden. Also, „machen wir", denkt der Exrex. Man kann nie wissen, was aus dem deutschen Hexenkessel in so bewegter Zelt hervorgehen kann. Am Ende gar ein restaurierter Kaiser. Einer, der sich zur Judengesahr bekannt hat. Freilich etwas spät kommt Hm Bekenntnis nNd Erkenntnis. Ms 'er seine sämtlichen Untertanen kurz vdr Kriegsausbruch mit dem Kotzen sing und sie dürchHandschlag zur blinden Treuederpflichtete: „Ich kenne keine Parteien — nur Deutsche", da waren die Juden, die zu vielen taufenden in den Krieg zogen und dort ihr Leben oder die Gesundheit ließen, sntjschikdM keine Gefahr. Und der Jude Rathenau, der die allerhöchste Kaiserschlange an seinem Busen nährte, Hr die Kriegswirtschaft einrichtete, ohne welche S. M. Soldaten keine vier Monate, geschweige vier Jahre durchgeh alten hätten. Ratheuau, mit dem S. M. ein Spezialdraht verband-, um . jede Minute den.gefährlichen Juden hevanklingeln zu können. Nein, damals war er für Kaiser und Reich keine Gefahr. Keine Regel ohne Ausnahme. So.ist der jüdische Literat Rosner, der S. M. Memoiren druckfähig macht, keine Gefahr, sondern Helfer zu einem Milliardenvermögen, das dem allerhöchsten Verfasser eine behende amerikanische Verlagsfirma zahlen wird. Auch' die zerbrochene Hoffnung und Zukunft des Entthronten, sein Sohn, der gewesene Kronprinz, bedient sich des gleichen Juden zu ähnlichem Zwecke. So kann im deutschen Gesichtsfelde -der Jude bald eine Quelle der Gefahr oder des Prosits werden. Jean Jacques Rousseau und der Zionismus. „Wahrlich, liebes Männchen, ich gebe mir laXte 'erdenkliche Mühe, jedesmal eine andere Fleischspeise auf den Tisch zu setzen, aber wenn sie fertig wird, kommt ein Beefsteak heraus." sagte die. junge Hausfrau entschuldigend.. AchNlich geht es der „Wiener MorgenzeÄiuntz". Größtes,' wie alltägliches Geschehen, dem scheinbar fachliche Behandlung werden soll, mündet doch schließlich im Zionismus. Da schrieb am * 29. v. M. Dr. Hugo Spilegjler. anläßlich des 110. GesbWts- Die Wahrheit

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