Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 15 (20.7.1922)
- Date
- 1922-07-20
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. l§ Gerte 9 Hi-e WahrHe'vk damalige' jüdische Secoesion (die Nm-Juden oder Alt- Christen), um den Völkern dieplbe Religion, aber ohne BeschneiduNgsMaNg zu bieten. Durch dieses AblaßmÄtel wur'de dem weiteren Verbreiten des Judentums Einhalt getan, und die Verbreitung desselben, in christlicher Form, nahm, um so rascher ihren Lauf, als die Vorarbeit, eine neue Weltauffassung den Heiden 'beizubringen, vom Judentum bereits geleistet, wurde. Das reformierte Judentum (Christentum) setzte dieselbe Arbeit, aber auf schmerzlose Weise fort. Der letzte beschnittene Bischof, den die Chriftenwelt hatte, War der Bischof von Antiochi'a. Zum eigenen Scheiden taten aber die Propagandisten des neuen Glaubens mehr, als die Befchneidung zu erlassen. Um sich derheidnischen Ausfassung populär zu machen, lehnten sie sich an das mythologische Denken an. Aus diesem Wege enrstcmd, bald die -NotwendigDeit eines Dogma, um sich, wie sich Coudenhove-Kalergi nusdvückt, Kosmisch zu verankern". Als aber später Kopernikus diese Verankerung losriß, erfolgte die Desagregation der christlichen Weltanschauung bis zum Zynismus, den Condenhove-Kalergi in seinem Artikel so trefflich beweint. Altjüdische Weisheit. Es gab einen Schweiz >auf Erden, den -allem Anscheine nach nichts zu überbieten vermochte. Der Schmerz Jocheleds, als er «am User des Nils von . seinem «kleinen Kinde Abschied nahm. Er mußte sein Kind verstoßen und den Wellen des wilden Flusses überlassen. Denn Pharao wollte nicht dulden, daß jüdische Mütter Knaben am Leben ließen. Dieser Schmerz ging bis in den Himmel und« erschütterte die Wolken. Aber seWst dieser Schmerz wurde überboten ... In der 'fürchterlichen Nacht der zehnten Plage, da starb im Palais des Pharaos in den Armen des Herrschers sein Erstgeborener, der Thrdfiolger, sein einziges Kind, der Herr der Zukunft. Damals in diesem Moment hMe Phiavao den Schmerz Jocheleds nachempfuiniden. Wenn man Dich schlägt, schlage nicht zurück. Wenn man Dir «Mch wehe Kit, so darfst Du niemandem wiche tun. Dich soll MM Hussen, Du aber liebe. Wenn Du auch erbittert bist, trage mit Freude den Schmerz. Das sind Deine Gesetze . Israel! * * Wenn Du einen sündhaften Menschen siehst, so sage - den Segenssprüch: „Gelobt seist Du, Ewiger, unser Gott, der Du sündige Menschen begnadigen kannst." * * * Werbet Monnenten M unser WM! Wahrheiten vom Tage Michels Tobsucht. In seiner Ausgabe vom 16. „Heuert" — es herrschte damals eine Hitze, die leicht Sonnenstich bewirken konnte — zeigte „Michel" mit dem Schand- und Brandmal des Hakenkreuzes an der Stirne uMerkeNnbare 'Symptome der Tollwut. In dem ^leitenden Aufsätze rast er über den Ausnahrnszuftand, den die deutsche Reichsregierung verhängte. Diese Maßregel. «tbAUlwehren, gibt es, meint er, zwei Mittel, den legalen Stimmzettel, „oder MM halte sich die Foszistenbewegung in Italien vor Angen". Also nichts «weniger als Bürgerkrieg. Bon Bayern müsse dieses Heil kommen, denn es hat die Ausnahmsbewsgungen der „Berliner 'Sowjetjuden" glaÄ abgelehnt, und so wird sich Mch einmal im Norden alles um die weißblauen Farben scharren. Später wird „Michel" noch drohender. Das Schicksal Deutschlands wird wieder einmal «durch Blut und Eisen entschieden werden. Dem „roten Gesindel" wird gedroht, daß Mch „die Dmtschvölkischen über eiine Streitmacht verfügen, die zur rechten Zeit fix und fertig dastchen wird". Der Zeitpunkt ist vielleicht schon recht nahegerückt, wo die beiden Armeen auf ein ander prallen w«erden. Ob da nicht ,Michel" ein wenig zn früh -Ms «der Schule geschwatzt hat? Wäre er besonnen statt tollwütig, hätte er es wohl nicht getan. Einen zweiten Anfall bekam er in der Schnovvnotiz „Michelleser", aber dia legt er Methode Kr den Mchnsinn und fordert, nachdem jeder ehrlich arbeitende Deutsche Bruder ein JcchveseiUkommien von zwei Millionen hat, hievon „lumpige 2400 für eine «der wichtigsten völkischen Fragen" (nämlich ein „Michel"-Abonnement). Von rechitAWegen sollte er schon längst über «fünf Millionen verfügen. Nach diesen geschäftsmäßig rechnerischen Aufstellungen stellt sich prompt wieder der Pavoxismus ein und wird johlertd «festgeftellt, daß ,Hwei Juden» buben (Rathmau und Max Hardm) vom endlich zu Taten Wergchmidm erwachenden Geist unserer reichsdeujtschen BMder gezüchtigt «wurdm". Daraus folgt, daß für wahrhast deutsches Zeitungswefm, pr gefunden Pressegeift geworben werdm muß. Das ist sein Standpunkt. Nach unserem Dafürhalten wären einige Kübel eiskalten Wassers über dm Kopf des „Michel" und zeitweilig die Zwangsjacke besser am Platze. Plauderei über Räubereien. Wenn einer eine Reise tut, so kann er was erzählen. Im Personmzug 3. Künste von Leobersdorf nach Wien. Das Publikum ist bunt gemischt. Unter anderen sitzt im Waggon ein „Polischer" m der ihnen eigenttimllichen Tracht. Neben chm, als wirksames Pendent, Bäuerinnen, aber nicht in der ihnen im Frieden eigentümlichen Tracht. Nein, sie sind nobel ungezogen, zur Modernität fchlt gerade nur die tief ausgeschnittene Toilette. Im VerlMfe des Gesprächs erzählt sogar ein Bauernmädchen, der das ortsübliche Fmsterln zu fad geworden ist und die im Besitze eines Klaviers gewiß schon die 6-Dur spielen kann, daß der Herr Väter sie hmte in die „Oper" zur „Bajadere" führen wolle. Eine der Bäuerinnen bemerkt: „In dem Waggon hört man alle möglichen Sprachen: Deutsch, ungarisch, polisch, Misch!" Der „Polische", der sich durch diese immerhin richtchfi Konstatierung von Tatsachen betroffen fühlte: „Das ist eine Sprache wie jede andere!" Die Bäuerin: „Ja, aber a Rauberfprach, denn ös Juden seid's alle Räuber!" Der „Polische": „Ich kenn noch ärgere Räuber!" Verläßt wutschnaubend da^ Conpch dem zur Eignung pr ein anti-