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Die Wahrheit · 1922-07-20 · Heft 15 (20.7.1922) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 15 (20.7.1922)
Date
1922-07-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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gekommen ist und zu denen er heimTchrt. Wer Dein Lehen Mst Du jetzt wahrhaftig. Bei Gott, Du «lebst es wahchaftitz, Du 'lebst Vs 'leibender uLs wir, diel wir lebendig sind und gegen Dich nur Schatten. Und vin Deinem Leben laß uns, -Vater, unsere LebMsfackel entzünden, an Deiner Wahrheit unser Jrten erleuchten, laß uns aus Deiner Kraft unsere Kraft schöpfen und unseren Glauben aus Deinem Glcvulben: zur Arbeit «an unserem heiligen deutschen Lande und mx Arbeit im Dienste des ewigen Geistes! Und nun, V-a ter, «grüße ich Dich, in tiefer Ehrfurcht, mit dem Seg-ensgruß Deiner und meiner Väter, mit dem Segen Mosis, der zum Segen geworden ist aller Mens chenvö lker und aller Ge schlecht er. Der Herr segne Dich und behüte Dich, Der Herr lasse sein Antlitz Dir leuchten und sei Dir gnädig, Der Herr erhübe fein Antlitz über Dich Und gebe Dir Frieden. , Amen. Aus dem Lebenslauf eines Ehaffidisten Von Dr. S. V. Weser Tage wurde unser Mtarbwter, der durch .seine Werke über «den Chassidismus in weiten Kreisen bekannte Schriftsteller Chchim Bloch 40 Jahre alt. Wir benützen Liesen ,' Anlaß, um den nachstehenden Aufsatz, der über . > i . . den Lebenslauf dieses Mannes einigen Aufschluß gibt, zu veröffentlichen. Die Redaktion. Emil Luka schrieb einmal: „Es ist ein tiefes Gesetz in der Seele des sich vervollkommnenden, besonders des großen Menschen, daß sie immer über den einzelnen Gegenstand hinausstrebt, baß sie auf irgendeine Art einem Höheren entgegenwächst. Dieses Höhere kann verschieden sein: Ein ^gemeineres, abstvattes oder ein im rein menschlichen, lebendigen Sinne höheres, gütigeres, es kann Vernünftiges oder Gefühlvolles, Weisheit oder Liebe sein. Bei solchen Menschen ist ein unwillkürliches und meistens unbewußtes Hinüberftreben in eine -höhere Region fast durchweg zu beobachten — wenn auch dieses Hinüberftreben durch Chaos, -durch Leid und Pein führt." Zn diesen Männern kann mit Recht C h a j i m Bloch gerechnet werden. Die Bitternisse des Krieges, die Bloch «bis zur Neige leerte, machten ihn, der sich seither in seiner im Karpathengebirge gelegenen- Heimat in Wohlhabenheit und -Behaglichkeit mit rabbinischen Studien und praktischem Chassidismus befaßte, zum Dichter und Schriftsteller. Heute bedeutet sein Name eine Verheißung aus Eigenart in der Flut der zeitgenössischen Literatur. Das Feuer des sogenannten jüdischen Volksgeistes hatte ihn erfaßt und durch den mystischen Schleier seiner Werke offenbaren sich die Wurzeln des Judentums: Vernunft und Gefühl, Weisheit und Liebe. Auf ungarischer Erde, inmitten eines Waldes, in dem ein Jahrhundert früher der berühmte ungarische Räuberhäuptling Rozsa Sandor seine Residenz hatte, lernte ich Bloch kennen. Es war im Mai 1916. Ich hatte das Reservcfpual Sopron, wo ich infolge einer im Felde erlittenen Verwundung mehrere Monate lag, verlassen und war, wegen meines lahmen Fußes, „nur zum Garnisonsdienst geeignet", in ein Kriegsgefangenenlager im Veszprsmer Komitat kommandiert. Das Lager zählte schon damals viele tausende Kriegsgefangene, Menschen, heute traue ich es zu sagen, aus Men Teilen Rußlands, Rumäniens und Italiens, und unter diesen einige, tausend Juden. gemacht und nicht sensationslüstern war man herberigeströmt. Die ehrliche, gesunde, ethische Absicht, der Kunst zu dienen — einer Kunst des freien, unbeeinflußten persönlichen Geschmacks einiger gebildeter Menschen — einer-: seits und mehr pflichibmäßiges als freiwWiges Erscheinen anderseits, das waren die Boraussetzungen dieser Aufführung. Und der Effekt? Ein Erfoilg. Ein stürmischer, von keiner Claque inszenierter, «Der, brausender Erfolg. Für alle T-eiilnehmer ein künstlerisches Erlebnis! Soviel über den Geist dieser Hlufführumg. Ueber das technische mit Rücksicht auf den Raum nur das Aller-; wichtigste. Aber vor allem: Solche Leistungen sind — selbst wenn zur olympischen Vollendung noch mancherlei fehlt — kein Dilettantismus mehr. Abgesehen von dem glücklichen Zufall — oder war es reife Auswahl? —, daß die meisten Darsteller schon mit ihrer natürlichen Erscheinung, die beste Maske mitbrachten, war das darstellerische Können aller, besonders vom 2. Akt an, ein respekcheischendes. FräulÄnj Lotte Honziik sin ihrer, brünetten, zierlich-schlanken Geschmeidigkeit, die geborene Zigeunerin, bot als Sanda eine Leistung von seltener Abgerundetheit; geradezu groß in den Höhepunkten Wer Rolle. Schreie, Elementare Gefühlsausbrüche, in einem Schrei!^ gipfelnd, sind für jede, auch die größte Schauspielerin gefährliche Klippen. Wenn da nicht die ganze Seele mitschwingt, gelingt es Nie und nimmer; gilbts nur einen gellenden Mißton. Bei Fräulein Honzik hatte man nur den Eindruck, als wären ihre Schreie geradezu ihre Srärke. So schön und echt klangen sie! Etwas weniger sicher im Detail, namentlich im Spiel der Hände, oft auch in der Verinnerlichung des Gesprochenen Fräulein Stella Beck als Pia, dafür Nber echt und sicher im Treffen und Festhalten des herzgewinnenden Süßenmädel-Tones. Der Liebhaber des Herrn Joses Wolsf in -einzelnen Momenten, besonders im letzten Akt sehr gut, seine Regie nicht minder. Um dieser nur in einigem gerecht zu werden: ganz ausgezeichnet, nur etwas zu laut für die Bühne, die Dumnttszene im 3. Akt, nach Verlautbarung des Mordverdachtes gegen Sanda. Der Staatsanwalt des Herrn N. Fran! l, namentlich in der Maske gegen Schluß mit seiner Rolle wachsend, «ittr ganz beachtenswerter Mephisto. Auch die Chavgenrollsn waren sehr gut besetzt. So der atte Barbu des jungen Herrn Franz Schee r, in Maske, Haltung und Ton gleich packend, die Wirts ch after in des Frl. Grete Kolbert von imponierender Unbefangenheit, und der Dragosch des Herrn FriM Frank. An diesem Darsteller fesseln besonders die leidenschaftliche Spielfreudigkeit. Sehr gute Sprecher Me. Kurz und gut; man sah es wieder einmal; unsere großen Bühnenkünfter haben unter den Laien-Zufchauern in den Lagerhäusern ihrer Wirkungsstätten mehr lerneifrige, täküntierte, sachverständige Jünger als sie selber ahnen! Denn was man am Donnerstag in der Rolandbühne sah, das war, wie gesagt', sich bescheiden gebende, dafür aber immer unmittelbarer wirkende echte Kunst! HervorgegLngen aus einer Schule höchster künstlerischer Kultur. A. P.

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