Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 15 (20.7.1922)
- Date
- 1922-07-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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fote LäuteraLntz seines Weims. UuN 8as stärkste, WA starke Liebe Wicken kann, dias wirkte siie: sie «nkfachte Liebe. Diese Liebe K enHacht und! «glüht 4« Dürsenden von Hertzen, und diese Liebe lebt und überlebt -Hn. Sein Leiben! liegst vor uns vßfen wie ,M lausgeschlagenes Buch. Wir blättern dlalrin nnld finden die Seiten der köstlichen Mühsal, «die Seiten der BÄUMflung und der Leidenjschaft, und die wenigen Zeilen der gjlucklrchen Augenblicke, des vollendeten Schaffens. In diesem Buche ist auch verzeichnet die Summe Äetr Wecke seines äußeren Lebens, und diese Summe ist einfach und kurz. Kunz und einfach wie alles Echte und' wie alles Große. Auch vor ihm gab es Deutschland eine stolze, bewundernswerte Technik, auch Vor Hm gab es einen emsigen Kaufmannsstand von Ehrenhaftigkeit, Größe und Weitsichtigkeit; auch vor Hm gab es eine WirWaftMtnst, welche die goldenen Ströme des Landes Aus'Mtmenifaßte, um sie dahin zu lleliten, wo dias BedÄrifnts Ge forderte. Aber mit drei Griffen^ die der dreifachen Natur seines Intellekts entsprangen, diese Kräfte zu samtmeln, sie auf ein Ziel zu lenken, eine Einheit zu schaffen «von Technik und FiNanzikraft, FiNan^kraft und' KanfMaNnsgenie: das ist sein Weck. 'ltn!b das ist nach Hm vorhanden, Vorher war es nicht da. Denn Nur der konnte es machen, der -gleichzeitig ein Denker und «ein Empfindender, ein Rechn ender und ein Enthusriaist, ein Mann der Wissenschaft und der Technik war. . - Mit diesem dreifach wuchtenden Hammer hat er mitgeschmiedet an der dritten Waiffe, die heute in den. Händen des Reiches unseren Feinden furchtbar ist. NMni der Waffe des Heeres und der Waffe der Flotte ist diese dritte die Waffe der Wirtschaft. So zeugt sein Loden' und so sein Tod'. Wie an dem Junisonntage (auch. Walther Rathenau endete «an einem solchen sonnigen Jnnrbagie) feines Todes das Jahr ans seinem SonnengipfÄ harrte, so -te iber ZenÄh seines Lebens nicht übwschritten, unid' erstand in der Kvcüft feilntzs Geistes. Er staub nngBrvchen, 'iNmMen der Arbeit, die von neuem hevanbrandste von lallen Seiten, d>a es hieß, Vorsorge zu treffen s ü r d i >e W 4 >e d -e r >g e bnrtunser e r W r r t s ch a f >t n a ch d e m K r i e g «. Von ferne erblickte er die MinnterNden Gipfel der neuen FrredeNswM, die sich uns auftun wird, und die, so Gott will, größer, schöner- und reiner sein wird' als die vergangene; sie zu betreten, war Hm nicht «beschieden. In dieisem Augenblick des Schauens ist er gestorben. Gestdrben in den Armen -meiner lieben Mutter, an einem hellen, glücklichen Tage, an «dem zu Hm heMberriaufchten aus der Ferne die wehenden Fahnen und die Fanfaren- MNge .unserer siegreichen Heere. Nun bestatten wir Hn an diesem strahlenden Tage, der abermals einen herrlichen Sieg gebracht hat, so wie sein Vater bestattet wurde unter den DrompeteNkläNgeu des Einzuges im Jahre 1871. ' ‘ Vater, lobe wöhl! Lebe Wohl, denn wir bestatten Deinen Leib zur Erde. Wir bestatten zur Erde diese reine Stirn, hinter d^er die hohen Gedanken keimten, und die nun ruht -von Söngen' und Mühen. Wir bestatten Deine tiefen und wahrhaften Augen, die wir -geliebt und' die uns geleuchtet haben. Wir bestatten zur Erde Deine reinen Hände, die Segen.gebracht haben allem, was sie berührten. Zur Erde bestatten wir Dich, die in diesem Jahr so viel Opfer empfängt der Tränen und des Blutes und' der Leiber, die reine SaUt, aus der das Reich Ikeiimen wird, das Reich des Geistes und' der Macht, das . Reich des Glaubens und der Seele. So Gott es will! Lebe wohl. , Vater, -aus tiefem Herzen lebe wohl! Wir bestatten Deinen Leib, -aber wir bestatten nicht i Deinen Geist. Der steigt empor mit der Kraft, die ihm die Sonne verliehen hat, empor zu den Höhen, von denen er IM« Wohltätigkeitsoorstellung zugunsten des Vereines „Wohlfahrt". Zur Förderung eines wohWNgen Zweckes haben sich am Donnerstag,, den 15. Juni, ein -Mar Damen und Herren, Mitglieder des D.Mtanten-^eMrvereitns „Kainz-Bühne" znsammeNgetan und' Theater gespielt. Auf der Rolandbühne gab man die „Hochzeit von Balem", Schauspiel tat 4 Auszügen von GaNgh o fer und Marco Brociner. Und alle, die zu dieser Vorstellung, kamen — und es ivaren ihrer angesichts des herrlichen Wetters sehr viele! — erlebten etwas nur sehr selöen Vorkommendes. Ein Uebertreffen Hrer kühnsten Erwartungen. Denn wer geht zu einer DMManten-WohltMgkeälsvorsM anders als — resigniert? In diesem Falle «aber, wie gesagt, zu Unrecht, denn die „KaiNz-Bühne" hat etwas geboten. Wer sie hat nicht nur etwas geboten, sie hiat auch etwas gezeigt, w«as beachtenswert, was wert tst festgestellt zu weckren. Und' das soll hvemiik geschehen. Nämlich: Daß in Wien die Kunst nicht nUrin ihren Tempeln haust und nur von berufenen Priestern bedient wird', sondern daß sie auch in Geist und. Herzen dies Volkes wohnt und daß sie, wo immer sie ein vorWergeheNdes Abstckigcmartier nehmen mag, sicher sein kann ein Hrer würdiges Milieu zu finden. Ein so hoher Wnstlerischer Ernst, ei!n Feuilleton so begeistertes Wollen, wie es die „Kainz-BWhne" mit dieser Vorstellung an den Tag legte, verdiente Anerkennung, selbst wenn das Erreichte weniger gewesen wäre. Es stand aber aus einer dem Streben vollkommen ebenbürtigen Höhe. Schon die Wahl des Stückes beweist sicheren, künstlerischen Instinkt. ' Denn so sehr Ganghofers Epik überlM sein mag, so geringschätzig man in Zunftkreisen über Marco Brocinexs Muse die Achsel zuckt', beide, vor ollem aber der letztere, besitzen doch etwas, was ihnen der hämffchefte Brotneid nie und nimmer absprechen kann (niw es vielleicht gerade deshalb' so krampfhaft versucht), -einen unfehlbaren Spürsinn', einen sechsten Sinn sozusagen für das Dramatische eines Stoffes, einer Szene, eines Moments. Und noch etwas iNbezug auf Brociner: Er ist nicht Psychopath und' Hystsrtlkerverhervlicher. Er schreibt gesund — für Gesunde. Damit ist -er fve-WH unmodern, Aber ob auch unpopulär? Die Aufführung -am Donnerstag gibt zu denken. Alles War -gespannt. Alles war gepackt. Und alles War begeistert. We? — wenn in unserem Volke, vor allem in Geist und Herzen der Intelligenz doch die urmenschlichie Begeisterung f ü r, der Urtrieb zum Guten, Gesunden /schlummerte und nur eiine gewissenlose SpekUlMtenbande diese Instinkte >vtzrtzew!aWgt, um durch gewaltsame Auspeitschung anderer, das heißt durch. Ne hieraus sich ergebenden materiellen Vorteile, dile erschütterten DasöinsbHingungen korrupter „Kirnst"Unternehmungen, fragwücWer ,.Künstler"eristenzen^ besser zu fundieren.!? Bei der Aufsührnng am Donnerstag hat niM ein geschiästs'WhUegr DHÄerdireKor das Programm