Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 14 (7.7.1922)
- Date
- 1922-07-07
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 12 Die Wahrheit Nr. 14 Noch fabelhafter dünkt uns eiin schwarz-rot-goldenes Mm unfwter Zukunft. UM) wenn schon, we sollen «es Wese Organe, denen diie Fähigkeiten des Empfindens und Denkens eignen, -es fertig bringen , zu- und antzagreisen? Es macht Eindruck, daß mmuhes Hirn doch „umnebelt" wli-rd, wenn es gor zu „völklich" eingestellt ist. -Sonntagsruhe in Litauen. Eine 'Spezialkomiinission des litauischen Sejms, der mtehrM jüdische Vertreter unter der 'Führung des jüdischlen Ministers Dr. Svlowtejtschi'k tMgchörten, erörterte eingchend die Frage der Sonntagsruhe in bezug ans die jüdffche Bevölikteonng im . Lartdte. D ieser soll gestattet werden, ihre Geschäftsladen durch sechs Stunden offen halten zu dürfen, desgleichen .wird einem größeren Teil der jüdischen Handwerker und Arbeiter gestattet werden,-ln den Werkstätten am Sonntag zu arbeiten. Die -endgültige Erlchignng dieser Frage wird demnächst im -Sejm erfolgen. Wir «fürchten nur, daß diese Frage ebenso -an dem Widerstand der toter* einigten litauischen Antis-emiten scheitern wird wie seönerzeiit die Frage der Anerkennung der jüdischen Nation in Litauen. Damals ist der obengenannte Minister für jüdHche Angelegenheiten, ein Zionist, zurückgtetreten, doch valnn, da die diesbezüglichen Bemühungenscheiterten, verblieb er wiederum aus seinem Posten. Wir sind die letztemdie für einen , ,Minderh eitsschutz" und andere aus der Dhevvie der JÜdischn-cckiionalen abgeleitete Einrichtungen schwärmen. Doch in diesem Falle wären auch wir dafür gewesen, zumal dieser nationale Minderheitsschntz für die Juden -Litauens, besonders vom kulturellen Standpunkt, große Vorteile mit sich bringt. Denn hier handelt es sich um Juden, die in dichter Menge das Land bewohnen, ja in einzelnen Städten sogar die Mehrheit bÄden. Diese Juden haben, da in den Ostländern erst vor noch nicht allzu langer Zeit die Mauern des Ghetto gefallen sind, zum Teil noch bestehen, sich nur in geringem Maße an dile übrige Bsvolkerurtg des Landes -anlgeschlosien, sind also gjewissermiaßen Juden unter sich geblieben, daher ist einte separate, wenn man 'unbedingt will, nationale Behandlung ihrer Angekegenheiitten nMvendig. Die Frage der Sonntagsruhe aber ist hauptsächlich eine religiöse und zugleich wirtschaftliche. Ein Feischalten am Sabbat -ist seMw«stündlich, und ebenlso natürlich ist es, daß in Anbetracht der oben erwähniten Stärke der jüdischen Bevölkerung diese ein Berdienstentzgang von «zwei Gefchäftstagen hart 'treffen würde. Wir wollen 'daher hosffen, daß sowohl «mlf Seite der Judengegner endlich einmal die Vernunft vorherrschen wird, daß aber auch die jüdischen Abgeordneten, zum großen Teil jüdischnationale, diesmal Festigkeit bew'ahren werden. Diese kann ihnen, gestützt ans die Anteilnahme der jüdischen Bevölkerung, doch nicht schwer fallen. . „Theologia", Verein jüdischer Hochschüler an der israelitischrheologischen Lehranstalt, Wien. In der letzten VoMevsammlung wunden die folgenden Herren in den Ausschuß gewählt.: Hirsch Teller, Präfident; Schalom Lilienseld, VizepräfKrent; David Sonnenschein, Kassier; Joses Wahrhaftig, 1. Schriftführer; I. I. Lev in, 2. Schriftführer; Joses Trommelschläger, Nationalfonds-kommissär. Zufolge Raummangels entfällt in dieser Nummer der Schluß des Artikels „Weltanschauungen" hon Dr. Joseph Lazarus. - Theater, Kunst und Literatur Im Rikola-Berlag, Wien, sind erschienen: Jndianermärchen, erzählt von Ad. Gelber, M. und Jos. Binder.^ In wissenschaftlichem Interesse wäre für diteses unter anderen von Koch-Grünberg erschlossene Gebiet einte, wenn auch noch so gedrängte, Quellenangabe erwünscht gewesen. Besiondters -erwähnenswert siitd die Schöpsulig der roten Menschen mit der Ermahnung, den Stammesgenvssen bei-, zustehen (S. 109), ferner der magische Kreis (S. 67), die Schöpfungs- und Sintstü-tsage (S. 83). Me Geschichte der Wolfsbrüdter erinnert, an Swift. Kalmückische Märchen, erzählt von W. Gelber, Illustration von Amad. Dier. Man fühlt sich hier ganz in die Welt von „Tausend und eine Nacht" versetzt. AllgAneiue Märchenmotive sind unter anderen d-ie Zänberstiefel, .die chren Träger au jeden Ort befördern, den er sich den'kt (S. 21), das Bepstch'M der BogMprache (dos.), das Strahlenauige mitten aus der Stirn, wie bei Polyphem (S. 36), die Zauberkreife und das Wachen während sieben Tage und Nächte, sowie die Entstehung des Sternbildes des Wassermannes (S. 65 fg.). Der Bilderschmuck beider Bücher ist meisterhaft, die ganze Äusstcvttung höchst geschmackvoll. Negermärchen, erzählt von- Ad. Gelber/ illustriert von Axel Leskoischtek. Ans -diesen Märchen spricht, abgesehen von der Naiven . Lust am Fabulierten, mitunter ein seiner. Hnnror, so aus der Geschichte „Warum die Assen 'keine Häuser bauen". Sinnreich ist die Geschichte von den sechs Broten. „Eines esse ich, eines werfe ich weg (oder gebe ich der Schwiegtermntiter), mit zweien zahle ich Schulden (den Eltern), izjwei leihe ich weg (Iden Kindern-, die sie mir einst zurückzahlen svMien)". Das Wandermotiv des Werwolfs findet sich -auch hier. Daß der Islam in diesem Märchen eine Rolle spielt, ist natürlich. Das Gedicht „Der Lump" liest sich wie eine Variation -des „Pagliazzo". Ludwig Biro: Die Juden von Bazin. Berlin, Oster--, hteld u. Co., 1921. Preis Mk. 34. Ins 16. Jahrhundert führt uns dieser Roman/, der das Schicksal einer Gemeinde in Ungarn erzählt, die aus 'die aberwitzige Beschuldigung des Ritualmordes hin nach einem rechtlos geführten Prozeß auf dem Scheiterhaufen endigt! Zornbtebend und mit Spannung liest man vom ersten bis zum letzten Angenblick dieses glänzend geschriebene Buch, spielt sich' ja in ihm nicht nur das Schicksal dieser einen Gemeinde ab, sondern das, was hier erzählt wird, hät sich tausendfältig wiederholt. Immer wieder, bis in die Neuzeit hinein, sind die Massen aus die unsinnigsten Anwürfe hin fanatisiert worden undhaben chren billigen Mut in Judenblnt, gekühlt! Biro hat es verstanden, nicht nur den allgemeinen historischen Hintergrund plastisch darzustellen, von chm heben sichauch scharf gezeichnet die einzelnen Erscheinungen ab: David, der mit dem Gedanken des Uebertrittes zum Christentum spielt und der dann angesichts des Todes seine Verfehlung einsieht, der -altehrwürdige Arzt Zacharias, der -ein Leben voll Aufopferung für die Andersgläubigen ebenfalls aus dem Scheiterhaufen endigen muß, der fanatische Graf Thomas, der durch die Verfvlgmtg der Juden dem Christentum zu neuem Haß Helsen will, der ausschweifende,. liederliche, halb wahnsinnige Gras Franz,' der die Lächerlichkeit der Beschuldigung wohl einsieht, aber -auch nicht die Kraft hat, sich ihr entgegenzustemmen. Kurz: