Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 14 (7.7.1922)
- Date
- 1922-07-07
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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einer jüdischnatibualen Hoimstätite zu agitieren. Herr Weitzmann wird sich «also stark ins Zeug legen «Müssen, um dem Patriarchen gewachsen W sein. Mt idem «Schekel äyein wird es nicht gchen. Mer noch jemandem schickt der Vatikan ins Treffen. Er berief den Wächter des «heiligen Landes,. Pater Ferdinando Dista'llev i, nach Rom. Es verlautet, daß Mischen BarliassiNa und Distallevi Differenzen bezüglich der $u empfch lenden Haltung des Vatikans gegenüber Palästina bestcheN und' daß «letzterer eine viel' unversöhnlichere Politik als Barlassina empfiehlt. Man versichert, daß die Ansichten Distallevis auch «vom Vatikan geteilt werden. Diese Arisichiten wurden in einem offiziellen Protest dem Völkerbund zur Kenntnis gebracht, der Uber die betreffende Note, in. welcher Garantien für .den Schach der chistlichen Wndevh eiten in Palästina gefordert wurden, unverständlicherweife ablehnte. Man «sicht aber jetzt in dieser Angelegenheitschon klarer. Es scheint, daß nach der deMvindigen Abstimmung im englischen Oberhaus, das Mandat ohnehin in feiner jetzigen 'Form zu Fall kommen wird, zumal -auch von der tüMWdiplomatifchen Miffion in London «ein Protest gegen die Forderung Lord Balfours nach RatiWerungdes Palästina- Mandates veröffentlicht wurde. Man will anscheinend nicht, daß es, wenn die Sache «knirsch werden sollte, heißen wird da«ß ein religiöses Forum, der Vatikan, 'die Entschließungen eines politischen Forums, des Völkerbundes, -beoiNffnßt 'habe. Bei der obigen -Registrierung «der immerhin' stattlichen Liste von Protestkundgebungen haben wir die von jüdischer «Seite nicht ins Auge gefaßt. -Diese gchen hauptsächlich -von der Agudah aus und sind von uns wiedrholt besprochenworden. Ist Vernunft Wahnsinn? In der letzten Nunnner v'ertzeichneiten wir die unerschrockenen Worte, die General Deimling in einer Versammlung «des Tübinger Deuffchdewokratischen Vereines sprach, in der er hjerlvorhob, daß es endlich an «der Zeit wäre, mit den Jndenbeschimpfnugen aufzuhören, und das Ganze, das heißt alle Kreise des schwer leidenden Deutschen Reiches, zu sammeln. Die Worte fMen .aber «drüben 'auf schr unfruchtbarem Boden. Dies beweist die ruchlose Ermordung «des «fähigsten deutschen SitaiatsmauNes« Rathenau, der nur das Unglück hatte, Jude zu fein. Dies beweist «auch «die Art, wie dieser Vortrag des mutigen Generals in Ider antisemitischen Presse «ausgenommen wurde. Die berüchtigte deuöschnatiönale „Kreuz-Zeitung" gcht sogar so «wM, Ms Grund des Zeugnisses «Mes anscheinend selbst nicht ganz normalen Generalleutnants Rohne die ZrrrechnuutgssähigkeÄ des Generals Deimling anzuzweifeln. Das ist etwas stark! Warum ist es niemand «eingefallen, nach Erscheinen des Machwerkes des General Ludendorff den Verstand «des Autors antzuzweiseln? Grund für einen solchen Verdacht wäre ebenso vorhanden gewesen wie im Falle Deimling, der in seinem „Wahnsinn" etwas verlangt hat, was Herrn GenMrlleutnant Rohne widersinnig erscheint. Ist es nicht viel mchr Menschen widersinnig erschienen, was Ludendortff von seinen «Soldaten verlangte, deren Leben -er oftmals kalMMtig «Nr «Unternehmungen aufs Spiel fetzte, von deren Aussichtslosigkeit er überzeugt fein mußte, zumal wenn es gegen eiine Ueberntacht zu kämpfen galt. Da wagte es niemand, ihn als wÄhnsinusverdachtig zu erklären. Wenn aber sich jemand findet, der seine Mahnung zu Recht und Vernunft -un-evschrycken in die Welt hinausrust, flugs findet sich ein Generalleutnant, der feine HMentaten des «Schwertes, von denen man allerdings wenig hörte, durch gemeine Verdächtigungen noch verdunkeln will. LW Bo« Nah und Fern Jüdischer Bruderkampf. Wir haben in der letzten Nummer die vom Vorstand des Mgomemeu Rabbinerverbandes in Deutschland herausgögedene Mahnung veröffentlicht, auch in den Zeiten der Erholung, die jetzt bev«or>stchen, eütsprechend der Würde des Judentums sich zu benchmen. ^luch die Berliner zionistische Zeitung ,,Jüdische Rundschau", deren «Stärke die kommentarlose Wr^ergabe ist, brachte zuerst diese Zuschrift ohne jede redaktionelle Ergänzung, dann schrieb sie in ihrer Nummer vom 13. Juni als Erwiderung auf mehrere Briefe: „Bei einem anftändi-!gsn Juden sind Ermahnungen dieser Art nicht erforderlich: jene Typen aber, die sich bei uns wie bei cnÄreren Völkern finden und denen 'anständiges Benehmen aus innerer Unvornehmheit fremd , ist, werden auch 'durch Ermahnungen nicht geändert werden «können. Aufforderungen wie die des Rabbinerverbandes haben immer' das Mißliche, daß sie aus einem Gefühle der Unsicherheit geboren zu sein scheinen und deshalb ängstlich darauf bedacht sind, den Nichtjuden nicht zu mißfallen." Im Prinzip hat ja ausnahmsweise die „Jüdische Rundschau" einmal recht, doch muß es uns auffallen, daß sie gegenüber «allen Handlungen, die von einer ihr fernstehenden «Seite ausgehen, eine ablehnende Haltung einnimmt. Man sicht sich beinahe veranlaßt, diese Art der Stellungnahme als Revanche dafür za deuten, daß der überwiegende Teil der deutschen Juden die politischen Bestrebungen' der Zionisten Nblchnt. Diesen ohnehin für die Antisemiten ein «willkommenes Schauspiel «bietenden Bvudeökampf führen die Zionisten noch mit schweren Geschützen. Denn «während «die Anti^ionisten gegenü«ber den ihnen richtig erscheinenden Aktionen der Nationalxuden eine, sagen wir, neutrale Haltung emnchmen, lehnen diese alles rundweg «ab, was von der gegnerischen Seite kommt. Mt Recht schreibt daher die „Jüdisch^-liberale Zeitung": „Dieses (das offizielle ZionrfteNblatt. D. Red.) konstatiert, daß Typen, denen gutes Benchmen fremd ist, auch «durch Ermahnungen nicht geändert werden können, und «Mt darum den Ruf unserer Rabbiner für mißlich. Der Zionismus befaßt sich doch programmatisch mit der Frage 'der Erziehung. Wie kann er nur daran zweifeln, «daß mangelnder Anstand unverbesserlich sei! Ins Politische 'übertragen, würde er sich ja den Ast absägen, aus dem er jetzt sitzt, und nach der Seite des Selbstbewußffeins hin, die bei den nationalen Juden eine große Rolle spielt, urteilt er auch recht schroff. Die Bekundung der Rabbiner ist keine Verbeugung nach außen 'und gewiß nicht darauf -abgeftömmt, Nichtjuden Komplimente zu machen." Wippchen im Steyrerhof. Die „Volks-Zeitung" schließt ihren leitenden Aufsatz vom 22. Juni mit der rieffiunigen Betrachtung: „Keine Sorge um unsere vöUliche Zukunft. Auch deren (?) pulsierendes Herz und dessen nicht zu umnebelndes Hirn schwarz-rot-golden find und bleiben, werden zu- und angreifen müssen, «denn «in atmendes, arbeitendes und gerettetes Oesterreich —dies unser fester Glaube — wird früher heim finden als «ttzn Volk in Verzweiflung und «Auflösung!" Befaßen wir uns vorab Mit dem pulsierenden Herzen unserer Zukunft, das hier trikolor gedacht ist. Nun spricht man allerdings vom schwarzen Herzen eines Bösewichts. Das NormalhM dies Menschen ist entschieden rot und «die Legende weiß auch 'von einem goldenen Wiener Herzen. Jedem das Seme. Jedem Herzen feine Spezialfarbe. Nach dem dvetifäMgen aber würden alle anatomischen Museen vergebens «fahnden