Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 14 (7.7.1922)
- Date
- 1922-07-07
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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.: Zur Reknvaschung bayrischer Bade- und Sommerfrische«. Die Zeitschrift idä Zentmlvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gab vor kurzem Anhängern und GegN'ern bayrischer Kurorte und Sommerfrischen Gelegenheit, sich über die Gefahren oder GesahrlofiAeit des dortigen. AachenWältes -Zn äußern'. Dem WarMMgßbriefe eures Herrn Gnggenheimer folgten BeschwichtMngslwWen und Verhaltungsmaßregeln, wie sich der Jude zu benehmen hübe, -damit er bei den Landbewiohnern kein Aevgernis errege. Herr Guiggenheimer setzt aber all dem entgegen, daß kein noch so änlgjftlliches Wohlverhalten die Möglichkeit 'schwerster Ausschreitungen gegen Wische Fremdie -itn. Bayern verhüte. Der beste Schutz sei, derart bedenkliche Orte zu meiden. Denkt der deutsche Jude alber -an die Wahl eines SommerausenthaMes im lieben Vaterlande, dann sieht die unlösbare Frage -vor ihm: Wohin? Den auch Schlesien, Pommern, Mecklenburg und Thüringen Machen keinen Hehl daraus, daß sie „Wenrem" bleiben wollen. Wie wär's einmal mit einem belchrsamen BadestreÄ d!er angereutpelten. Juden? Seelensäugerei. Die nulter diesem Titel in der vorigen Nummer unsers Blattes veröffentlichte Notiß hat iü Wischen Kreisen starken Widerhall gesunden und uns eine große Anzahl von Zuschriften ins Haus gebracht. Diese zu verössenWchen, verbietet uns leider der Raummangel, und so sind wir bemüßigt, sie nur dem Inhalt nach wiederzugeben. Die einen meinen in Mr uns schmeichelhaften. Briefen, daß es „hoch an der Zeit war, unseren Glaubensgenossen den Star zu stechen und sie darüber auszuklären, daß diese moralin-freien Monarchisten nur das Geld der Juden wollen, um sie selbst dann im Stiche zu lassen." Andere wieder sind der Ansicht, daß es nicht notwendig gewesen wäre, „mit Kanonen >aus Spatzen zu schießen" und verweisen darauf, daß die zweite Nummer dieses obskuren Monürchistenblättchens bereits konfisziert wurde, schließlich gDt es welche, die in skeptischer Weise uns darin n'icht reicht geben, daß -unsereWarnung Ech von Nutzen sein wird. Auch Wische Blätter außerhalb Oesterreichs — die bm uns sÄldon es anscheinend nicht notwendig — beschäftigen sich mit der Angelegenheit. So schreibt Die „Jüdischliberale Zeitung": „In der reaktionären Wiener Zeitschrift: „Die Monarchie" wirdausgchührt: Würger ist Bürger, sei er Jude oder Christ. Die Juden sind wie alle Oestevreicher Untertanen des Kaisers, Bürger mit 'gleichen Rechten und gleichen Pflichten. Unfern „Rechts "Parteien zur Beherzigung empfohlen." Man sicht sich beinahe veranlaßt zu bchcmpten, Laß d-ie „Jüdisch-liberale Zeitung" den Reaktionären auf den Leim gegangen ist, wüßte man nicht, daß es eine in Deutschland beliebte Form des Abwchrkampses gegen den Antisemitismus ist, Der wir aber absolut nicht beistimmen körmen, bei für uns Juden objektiv scheinenden Aeußerungen rechtsstehender 'Kreise andere Parteien ähnlicher Schattierung darauf aufmerksam zu machen. Glanz in unserem Sinne, gewissermaßen als Ragout aus unsorenr Schmaus schreibt das „Israelitische Wochenblatt -für die 'Schweiz" -in ihrer „Rundschau" (Wir bringen auch die aus Bayern 'bezügliche Stelle, um zu zeigen, wie ernst es die Reaktionäre in der Judenfrage metnen): „Daß Bayerns 'früherer Ministerpräsident, der EozreMionär v. Kahr, jetzt «einer der höchsten Verwalituogsbeallnten des Lan'des, ganz zum Antisemitismus übergeht, nimmt kern Wunder. Der angeblich rein ideellen „christlich-germanischen" Weltanschauung fetzt er, iu einer Rede vor der ohnehin so aufgeblasenen Münchner Studentenschaft. eine angeblich „jWW^mateMlistische" gegenüber, die aus Tod -und Leben bekämpft werden müsse. Zur gleichen Zeit buhlen die Monarchisten in Oesterreich, -dem unglücklichen Kmnenlande, um die Unterstützung der Wischen GeMlieUte; in der Zeitschrift „Die Monarchie" wird den Juden 'Schönes über Hre Gleichberechtigung gesagt." Deutschnationale Fälscher. Es vergeht keine Woche, in der nicht dem antisemÄischen Deutschvölkischen Schutz- und Trntzbnnd eine neue Fälschung nachgewiesen werden könnte. Bis jetzt beschränkten sie sich daraus, ih!r Augenmerk auf die deutschen Juden zu wenden. Da aber 'diese ihnen anscheinend zu wenig Stoff.für Lügen und Verdrehungen bieten,' so lassen sie ihve> Blicke ins Ausland schweiften. Gin gediegenes Operationsfeld ist für solche Zwecke das von 'der Hungersnot schwer heimgesuchte Rußland. Erstens läßt sich mangels eines objMrven Nachrichtendienstes die Richtigkeit der von ihnen in die Welt gesetzten Schauermärchen schwer Nachweisen. Dann ist es natürlich, daß man, da die Juden doch an allem schuld und, bient leichtgläubigen und antisemitischen Argumenten leicht zugänglichen Volke unschwer ,/beweisen" kann, daß auch die Hungerkatastrophe nur den Wischen Kommunisten zuznschr eiben ist. Schließlich ist es möajlich zu ,/beweisen", daß alle Juden Bolschewiki sind nnd alle Juden infolge ihrer Rassengemeinschaft gleich schlecht sind, daher auch die deutschen Juden. Daß es hier Disferenziievungen gibt, die durch den Hochöder Tiefstand der jeweiligen nationalen Kultur bedingt sind, das sehen die Herren nicht, oder vielmehr sie wollen es nicht sehen. So ist auch ihre neueste Behauptung zu erklären, daß ,cher in Salus und Braus lebende Sowjetjude und Bluthund Apfelbaum, der sich fälschlicherweise dein Namen Sinowjew zugelegt hat," einer Abordnung hungernder Arbeiter gesagt habe: „Ich kenne keinen Hunger, ich werde -ihn erst dann anerkennen, wenn die Mütter ihre Säuglinge attsftessen und die Einwohner sich um eine halb verfaulte Ratte diüe Köpfe «ntzweischkagen." Zuerst wollen Wir uns mit der fälschlichen Beibieigung des Namens Sinowjew >durch den „Sowjetjuden und Bluthund Apfelbaum" ein wellig befassen. Es gibt in jedem Lande ein Gesetz, «das dem Träger eines unschön klingenden Namens MstwttiÄ,. sich einen anderen, schöneren zu wählen. (Bei uns in Oesterreich kostet das mit Recht viel Geld.) Es bestehen sogar in diesem Punkte gewisse Erleichterungen, wenn der .frühere Name nicht der Sprache d!es jeweiligen Landes angepaßt ist. Dieses Gesetz kennen die DeutschvöWfchen sowohl im Reich, als auch bei uns Nicht. Denn wie käme es sonst, daß es einen dentschnationalen Minister namens Odehnal (wahrlich ein arisch klingender Name) gäbe. Nach diesem Gesetz dürfte >aych Sinowjew vorgegallgen sein, ebenso wie z. B. Trotzky. Das Schönste «an der Angelegenheit ist aber, daß Apfelbaum diesen, ihm vorgeworfenen Ausspruch — nie .getan hat. Wer ist nun der größere Fälscher — er oder der „DeutschviMerftchie Schutz- und Trntzbnnd", dessen Lügen bald einen großen Band füllen können. Gegen das Palastinamaudat. Die Araber sirid nicht die einzigen, die aus nichtjiüdischev Seite Stellung .geigen das Palästinamandat nehmen. Auch der BatiDan hiat sich in dieser Frage fchr exponiert, sogar, wie wir in Nummer 12 berichteten, den lateinischen Patviarchen aus Jerusalem nach London geschickt, wo er die Stellung des Vatikans verteidigen soll. Herr Ehaim Weitzmann bekommt in ihm einen gefährlichen KioMrrreniten, denn Monsignore Biar'la s s iua schickt sich gleichfalls an,- eine große Tour durch Europa anzutrÄen. Er will Paris, Berlin und Wien besuchen, um an den genannten Orten in religiösen und' politischen Kreisen gegen tden GedarÄen