Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 14 (7.7.1922)
- Date
- 1922-07-07
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Die Wahrheit Gerte 9 Nr. 14 Wahrheiten vom Tage MM Nach der Ermordung Rachenaus. Die Berbvecherailde der Hakenkreuzjler feiert Freüdsnseste in 'StzM und Land. Sie glaubt, die Vereinigung vom Blut- und gemeinem Rausch zieme der völkischen Art. Im Pfuhl ihrer ekelhaften Gemütsrohheit «führen «sie förmliche Jndianertänze hinter idem Sarge ihres Opfers «auf. Sie feiern einander ' als Helden und Baterlanidserlöser. All dies unter den Angen einer entsetzten KtMmveM. Die führenden verantwortlichen Männer der großen Siegerstaaten, die schon dem «lobenden Deutschen Dr. Walther Rathenau die gebührende Hochschätzung nicht versagen konnten, haben dom Reiche ihre Teilnahme an idem großen Unglück, von dom es 'betroffen «wurde, Msgedrückt. Selbst der grimme Ministerpräsident der französischen Republik. Lloyd George bewies bei diesem Anlaß, daß er, selbst ein GeUtlemen, an .der Spitze einer Nation von Gentilemon stacht. Auch «un-ferc Bundesregierung hat sich zu einer Kondolenz entschlossen. Gewiß nicht «leichten Herzens. Denn tief im Busen unserer Groß- und AMeütlschen, «sowie der sonstigen Monarchisten schlummern dieselben HakeNkreuzid eale. Auch untrere teutonisch geeichten Politiker «empfinidün die Republik als einen Pfahl im Fleische. Ihnen war bei der Kunde vom tragischen Ende Rathenaus so kannibalisch wohl wie den «fünfhundert, bereu der Gänger im Auerbachs Keller erwähnte,'«was auch in ihrer Presse förmlich zum Ausdrucke kam. Dein Gipfel der Dummheit und Gemeinheit hat der Grazer „Michel" mit seiner Ausgabe vom 2. Heuert erklommen. Sein leitender Aufsatz „Tod den Watevlandsverratern" ist eine großkalibrige Kotschleuder. Zwischen den Spritzern wird die Aufforderung «bemerkt: „Gehet hin und tut desgleichen!" Der „Michel" erscheint «aber nicht im bayrischen Hochland, sondern in Graz. — Nach dom an Riachenau begangenen Mord gewinnt es erhöhtes Interesse, zu erfahren, wie. sich Hanns Heinz Ewers vor einiger Zeit mit dem vöMschen Martin Spahn wogen dessen Parallelen Heine-—EicheNdorG,. Goerres—Börne, Bismarck—Rathen an auseinander «gesetzt hat. Bezüglich des letztgenannten Paares meiüit H. H. Ewers: ,,So wenig wie. Heine den Glanz Eichendorffs verdirnkelt hat, so wenig wird Rathenan Bismarcks Ruhm -aus idem Gedächtnis des Volkes wischen! Wenn «aber — znm «H eile Deutschlian d s — se in Stern neben d em Bismarcks so hell aNfleuchten sollte wie der Heines neben dom Eichendorfss, rnm, dann wollen wir Deutsche uns herzlich darüber «freuen! Denn dann «wären wir ja der Nationalen Wiedergeburt viel, viel näher, als wir «alle glaubten — dann dürfte die große Hoffnung Professor Spahns, wie unser aller, «bald in Erfüllung gehen!" Nnn ist durch unerhörtes «Bubenstück Rachenaus Stern erloschen. Mit ihm wohl auch die große Hoffnung Prof. Spahns und so vieler Millionen Deutscher. Henry Fords Progromlust. Der Großmeister der nord«amoüikanischen Antisemiten soll Nach einem Bericht rm „Jewifh Cnrier", den A. Bail in, früherer Untersuchüngskommiffär im JnstMeparitemeNt, vevöfseMicht, nich«ts geringetves gepl«ant haben, als durch feime gutbezahlten Agenten und sonstigen Kreaturen im Osten New-Aorks ein Pogrom zu veranstalten. Ford wird, nach derselben Quelle, weiters beschnld«igt, «daß seine Lento mit extrem judenfemdlichen Elementen in Rußland, Deutschland und Japan in BeMndunig stehen, von dort Weisungen , erhalten «umlb1 solche dahin «gelangen lassen. Bailins Enthüllungen haben «das größte Staunen in Amerika erregt. 'ML Es kann aber beim Staunen nicht bleiben. Die Sichierheitsbchövdon müßtM etwas gegen Ford veranlassen. Zn» nächst würde es sich empfehlen, seinen Geisteszustand nnitersnchen zu lassen. Der Mann gilt nämlich schon feit längerem als pathologisch. Das Palästinamandat geworfen. Im englischen Oberhaus wurde mit 60 gegen 29 Stimmen das englische Palastjinamandat in seiner fetzigen Form als unannehmbar abgelehnt, obgleich Minister Balsvnr sein Ideal energisch verteidigte. Begründet wurde dieser Mehrheitsbeschluß mit der Notwendigkeit, den Arabern eine Regierungsautonvmie omznränmen. Für die zionistische Welt ist dieses Ereignis von niederschmetternder Wirkung. Denn wird die verhimmelte BalfourdeklavcMon nach dom Votum der 60 Peers einer Revision unterzogen, wird sie beschnitten, geschmälert, gekürzt, verändert, dann bleibt von dem ursprünglichen Glanze, mit dom «die Augen Letichtglänbiger geblendet wurden, nur ein wesenloser Schein, dann ist das feste Fundament, ans dem «das Zuknnftsgebände des Zionismus errichtet werden sollte, trügerischer' Flugsand geworden, und alle «die unterschiedlichen Aktionen für «den Wiederaufbau, die/ sich aussichtsreich anließen, geraten ins Stocken. Fürs Ungewisse nämlich sind auch Me Zionsbegeisterten nicht zu haben. Jedenfalls werden sie abwarten wollen, wie es mit der verbürgten Heimstätte der Inden ausschauen wird und was «dann noch endgültig „verbürgt" bleibt. In zionistischen Kreisen tut man ob des Vorgefallenen sehr überrascht und will «dahinter eine Konspiration gegen Lloyd George wittern, anstatt die Taitsachenlogik zu verstehen, daß in der Politik immer der Stärkere Recht behält, und in Palästina sind die Araber die Stärkerer!, daher Ausschlaggebenden, Entscheidenden. Jetzt wird es auch ofsenbar, daß all die bisherigen Unterströmungen gegen den Zionismus, die mit der üblichen Geringschätzung abgetan wurde, denn doch nicht wirkungslos Verliesen. Und wenn die „Morgen-Zeitung" auch sich und ihre Freunde damit trösten möchte, daß der verhängnisvolle Antrag ans Aenderung des Palästinamandats nur ein „Zwischenspiel" ist, so hängt doch alles davon ab, was sich nach demselben in den zionfbischen Reihen abspielen wird. ' Wie sie das wohl machen werden? Am dritten Jahrestage des Versailler Friedens veranstaltete Wiens dentsch- «arifche Studentenschaft itm großen Festsaale der Universität eine ProteMlndgeibuNg, «der «auch zahlreiche Führer, beziehungsweise Verführer, Mitglieder des oEademrifchen Senats und ländere «als Hörer und Redner 'beiwohnten. Zum Schluffe natürlich die unvermeidliche Resolution, in der folgende Stelle erwähnenswert ist: „'Wenn es auch in- «folge der augenblicklichen Lage unmöglich ist, am heutigen Tage zu dem Friedensvertrage von Versailles Stellung zu nehmen (wenn es unmöglich ist, Stellung zu nehmen, wozu dann der «ganze Klimbim? D. Red.), so wissen wir uns «doch eins mit dom Deutschen Reiche in dieser «Stunde. Wir wollen nicht eher ruhen, «bis -dieses Frwdenswevk einem Frieden «der Gerechtigkeit Platz gemacht hat, der auch uns die allen Völkern zuMbWgten Rechte gibt nud vor allem uns den Zusammenschluß aller deutschen Stämme in einem großen deutschen Vaterlands gewährleistet." Wenn die jungen Herren wirklich bis zur Beseitigung des Versailler Friedens nicht ruhen wollen!, «können «sie recht alte Herren ihrer 'akademischen Verbindungen werden. Hoffentlich werden sie in ihrer politischen Ruhelosigkeit MM auf den Gedanken kommen, «mit den 30.000 Mann unserer Reichswehr gegen die Entente eine kriegerische Entscheidung herbeizuführen.