Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 14 (7.7.1922)
- Date
- 1922-07-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Anschließend an die Tempelseier vereinigte sich im Zevemoniensaal eine Anzahl Freunde und Verehrer des Jubilars, «an ihrer Spitze Herr Alfred Landesß> e r g e t, dessen unerschöpflicher Munisizönz der Löwenanteil «an dem glasenden Gelingen der Veranstaltung ge- «bührt, zu einer Hüldiguntzsfeier, wie man sie erhebender und imposanter in diesem Saale selbst nach nach dem Ausspruch der ältesten Dempelbesucher nicht gesehen! hat. Konrcke doch der Raum kaum all die fassen, die, aus den vornehmsten Kreisen der jüdischen Wiener Gesellschaft, in lautloser Stille den zahlreichen Reden lauschten, in einer Ruhe, die beim feierlichen Anlatz .angepaßt war und ihm zur Ehre gereichte. Wir bringen im Nachstehenden in ihrer Reihenfolge die gehaltenen Ansprachen^ deren Reigen Professor Doktor A. P i ck, Präsident der Knltusgemeinde, mit folgender Rede eröfftete: . Hochverehrter Meister! Mit aufrichtiger Freudie ergreife ich die Gelegenheit, Ihnen anläßlich Ihres 70. Geburtstagfestes meinen aufrichtigsten und herzlichsten Glückwunsch zum Llusdruck zu bringen. So wie es Ihnen, hochverehrter Meister, als großen Künstler gelungen, durch Ihre herzgewinnende, zum Herzen sprechend« Kunst einen großen Kreis von Verehrern in der ganzen Welt zu gewinnen, haben Sie sich durch Ihr gütiges liebevolles Wesen die Helfen Unzähliger zugewendeit. Ihnen., hochverehrter Meister, war der Ring zuteil, von dem es im „Nathan" heißt, daß er die Gabe verleiht, seinen Träger vot Gott und Menschen angenehm zu machen. Niemals hat man sich vergeblich an Sie gewendet, wenn.es galt, einen wohltätigen Zweck zu fördern, steits. hilfsbereit haben Sie, hochverehrter Meister, Ihre große Kunst in -den Dienst jeder guten Sache gestellt. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde hat feine verchrnngsvollften Glückwünsche in einer Adresse zum Ausdruck Fracht, welche ich« Ihnen, hochverehrter Meister, hiemit überreiche. Möge Ihnen noch eine lange Reihe glücklicher Jahre beschieden sein, um in gleicher Kraft und Frische zu wirken, zur. Freude Ihrer unzähligen Verehrer und zur Ehre unserer Gemeinde, als deren Stolz und Zierde wir Sie schätzen und lieben. A. B e ck im Namen des Bethausvvrstandes: Geehrter Jubilar! Ich habe heute aus Ihrem Munde vernommen, -daß Sie am 4. Juli Ihren Geburtstag feiiern, doch sind Sie schon seit Wochen Jubilar, Wes .finde ich begreiflich, ja selbstverständlich, denn mit Ihnen jubiliert nicht nur ganz Men, vielmehr weit über unsere Grenzen fast eine ganze Menschheit, und dafür reicht ein Tag nicht aus, denn Sie sind ein Liebling aller Menschen; wer Sie kennt, einmal gesehen, ganz besonders aber gehört Hat, mnßte Ihnen Freund sein. Kunst wird anerkannt, der Künstler bejauchzt, bejubelt nfw. Deshalb muß er nicht auch beliebt oder geliebt sein. Ihnen aber schlagen die Herzen aller Menschen mit Liebe entgegen und diese Liebe gilt nicht -mir dem Künstler, vielmehr dem Menschen Alfted Grünfeld, einem Menschen in des Wortes edelster und schönster' Bedeutung. . Ich kenne viele Ihrer Bernfsgenossen, tue sich Künstler nennen, es mitunter auch sind. Die meisten von ihnen haben ihren Glauben gewechselt, ohne dadurch, soweit ich zu bemerken Gelegenheit hatte, wesentliche Vorteile erreicht zu haben, Sie hingegen bilden eine glänzende Ausnahme, Sie sind nicht nur Ihrem angestammten Glauben, ja, was vielmehr bedeutet, sich selbst treu geblieben, und haben damit bewiesen, daß es genügt, ja vollständig ausreicht, bloß „Alfred Grünfeld" zu fein, und daß «es keinem Menschen auf dem ganzen Erdenrund jemals einfällt zu fragen, welchen Glauben Sie angehören. Geehrter Jubilar! Jeder Mensch ist von Natur aus mehr oder weniger Egoist, so wünsche ich mir, daß es mir vergönnt sein möge, Sie «an Ihrem achtzigsten Geburtsfeste an dieser Stäle wieder in Ihrer vollen Jugendsrische wie bisher begrüßen zu könn. Ich will Ebenfalls mit den Worten, die Ihnen Ihr Freund Hans Müller in einem offenen, an Sie gerichteten-Brief zuruft, schließen: „Bleibe gesund, Alfted Grünfeld!" Rechtsanwalt Dr. Thal.er im Namen des Vereines der „Freunde des Großen Leopolidstädter Tempels": Hochverehrter Meister! Die siebzigste Wiederkehr .des Tages, an dem eine gütige Vorsehung Sie uns geschenkt, ibtMdt einer unübersehbaren Schar von Freunden und Verehrern willtommenen Anllatz, Ihnen ihre Huldigung darzubringen. Tausende und abertausende Herzen schlagen Ihnen entgegen in begeistertem Dcm!k für Stunden erlesenen Genusses und «erhöhter Lebensfteude, die ihnen der Zauber Ihrer Kunst bereitst, sowie in warmer Anerkennung der rein menschlichen Vorzüge, die den Berkchr mit Ihnen so schätzenswert .Macht und als Auszeichnung empfinden laßt. In diesem Jubelchor erscheint heute auch unsere Glaubensgemeinschaft, der Sie nicht nur dem Bekenntnis nach angchören, .der Sie vielmehr, wo immer die Gelegenheit sich bot, auch durch, die Tat Ihre Treue bekundet haben. Um der Genugtuung über diese Ihre vorbildliche Haltung als Jude sichtbaren Ausdruck zu verleihen and stolz darauf, Sie zu den Unfern zählen zu dürfen, hat der Verein der Freunde des Großen Leopoldstädter Tempels in Wien in einer Versammlung am 26. Juni d. I. beschlossen, zum dauernden Andenken an den heutigen Tag einen Professor Alfred Grüns e l d - I u b i l ä u m sf o nd s zu schaffen. Diese Widmung ist zum TM für Zwecke des genannten Vereines bestimmt, zum anderen für ein Stipendium, das alljährlich an Ihrem Geburtstage, verehrter Jubilar, eiinem Studierenden der Musik gewährt werden soll. Wir bitten Sie, diese Widmung anzunehmen und wohlwollend zu fördern nnd wünsench von ganzem Herzen, es möge Ihnen noch viele glückliche Jahre vergönnt sein, die Wahl des Stipendiaten selbst zu treffen. Daß die Verbindung, in die somit Ihr weithin kliu gender Name ntii dem unseres Vereines tritt, unseren! Gotteshanse zum Segen gereiche, wie Ihre jüdische Treue in unseren Augen den LorbvM Ihres Ruhmes um ein wertvolles Blatt bereichert, das walte Gott! Gleichzeitig wurde dem Jubilar -die künstlerisch ausgestattete Widmungsurkunde >des neugefchaffenen Fonds überreicht. Prof. S u l z e r überbrachte «im Namen der jüdischen Künstler dem Großmeister der jüdischen Knstler die herzlichsten Gratulationen nnd hob in seiner Rede hervor, daß der Jubilar stets zu den Freunden und Wohltätern der jüdischen Künstlerschaft zählte, der er bei jedem Anlasse stets hilfsbereit und opferwillig entgegenkam. Mit Tranen in den Augen wünschte er ihm langes Leben und