Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 14 (7.7.1922)
- Date
- 1922-07-07
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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getan. Schwieriger schon dämm, weil der Prozeß der Einigewöhnmig in deutsche Art und unjüdische Umgebung sei dem Versasier des „Jerusalem" bis zum Autor der „Impressionen". eben um viele Jahrzehnte fortgeschriRen und der Zusammenhang mit idem überlieferten Judentum. um ebervsoviele Grade gelockert mar. Wie aber dennoch jüdische Pietät in Rathenans innerstem Empfinden wirksam mar, davon legt ein schönes Zeugnis die Rede ab, die er an der Bahre seines Vaters gehalten hat. Wir können ihm selbst keinen besseren Nachms widtnen, als durch WiedergM-e jener Kernworte, die-Mlsklingen in den wehmütigen Scheidegruß: „Und nun, Vater, grüße ich dich in tiefer Ehrfurcht mit dem Segengrnß deiner und meiner Vater, mit dem Segen Mvsis,' der zum Segen geworden ist, aller Menscheuvv lker und aller Geschlechter. Der Herr segne dich und 'behüte dich, der Herr lasse sem Antlitz dir leuchten und sei dir gnädig, der Herr erhell sein Antlitz Mer dich und gelbe dir Frieden. Amen."' Drei Sterne erster Größe leuchteten im neuen Jahrhundert am Ruhmeshimmel des Judentums, Einstein, Bergson und Rathena-u. Der eine,von ihnen ist nun erloschen. Rathenau ist nicht mehr. „Das Andenken dieses Gerechten sei zum Setzen!" Alfred Grünfeld Samstag, den 1. Juli, besuchte der beliebte Meister anläßlich seines 70. Geburtstages den BornMiagsgottesdienst im großen Leopoldstädter Tempel. Der festliche Anlaß vereinigte -im bis zum letzten Plätzchen gefüllten, schön dekorierten und beleuchteten Gotteshaufe alles, was ijn der jMischen Oeffentlichkeit Namen von Klang besitzt. Oberkantor I. Morgenstern versah in nrWerhaster Weife mit dem verstauten Chor unter Leitung des Chordixigenten Zellnrk die kantoralen Funktionen dies Festgottesdienstes, Hm assistierte Kantor Funke. Die Feier leitete ein von Oberkantor Morgenstern vorgetragener Festpsabn ein, hierauf wurde der Jubilar zur Thora gerufen. Nachdem dieser den Segensspruch! gesagt hatte, trat Rabbiner Dr. Max G r u n w a l d vor und hielt an den großen Künstler eine Ansprache, die Hm zn Trauen rührte und auch aus die sonstigen.Zuhörer einen starken Eindruck machte. Diese Rede, die den Höhepunkt der Feier bildete, sei hier wiMrgegeben: Verehrter Meister! Gefeiert von der großen Gemeinde Ihrer Freunde und Verehrer, die Ihnen dieser Tage in Wort und Schrift von Herzen huldigen, fmk' Sie heute hier in unserer Glaubensgemeinde erschienen, um selbst -eine Huldi^rng darzubringen. Gehuldigt haben Sie soeben und gedankt mit dem Setzen über das - heilige Schriftwort dem Vater im HrmmÄ, der Ihnen Leben, Kunst und Ruhm gegeben, und der Sitz uns gäscheM hat. Gerade heute enthüllt uns dieses Schristwort den Kern Ihrer Kunst und das Geheimnis Ihrer einzigartigen Erfolge. Vom Hohenpriester erzählt es Uns', von Ahavon, dessen Namen einst der fromme Sinn Ihrer Eltern für Sie gewählt, als Sie die ersten sieben L^bonstagtz vollendet chatten, und dem Sie -in den sieben Jahrzehnten, die sMdem verflossen, stets Ehre bereist haben. Wir lasen heute in diesem heiligen Buche: Jeder der zwölf Stämme brachte je einen <Äab ins Heiligtum. Und siehe da, es blühte der Stab Aharons. Das ist der Zauber Ihrer Kunst. Sie blüht wie Aharons Stab, sie bleibt ewig jung, wie durch ein Gottes Wunder immer neu sich verjüngend und verjünjgend den Hörer. Schon bei Ihrem Anschlag schlagen höher die Herzen, Frühlingsstimmen erwachen im winterlich vergrämten Gemüte, -es grünt und sproßt und blüht, aus Seelentiefen duften auf Blüten unverwelklicher rauschender Lebensluft. Woher dieser Zauber d Wir glauben mit aller Zuversicht: So wie mir durch Berührung mit dem Heiligtum der Stab Aharons Blüten trieb, so haben auch Sie Jugend sich selbst und Ihrer Kunst verjüngende Kraft erhalten durch Ihr Festhalten am Heiligtum, durch Ihre Treue -gegen den Gott unserer Väter, gegen Ihre angestammte Mische Art. Nur «ein ganzer tr-euer Mensch, nur der, der in Harmonie, in stetem Einklang labt mit dem Grundton seiner Wesensart, nur der hiat Macht -über die Herzen, auch sie harmonisch zu stimmen. Und treu wie Ihrer Art, tvön trotz Mer Anfechtung als Jude, so treu waren Sie jederzeit als Freund. Unsere Weisen bezeichnen Aharon als einen, der Freundschaft zu haltest weiß. So haben auch Sie echte, wahre Freunde gefunden. Diese Feier zeigt es vom neuem. Freundeshand hat sie bereitet. Und wer Freundschaft besitzt, besitzt das Kostbarste ans Erden und—das Letzte, das Einzige, was uns bleWt, wenn Blatt mm Blatt sich entlaubt der Baum unserer Lebensfreuden. Mer noch ein Drittes dMiken wir Ihnen. Nach einer alten Sage hat -einst ein Meister 'der Töne mit der Kraft seiner Kunst 'toten kalten Fels belebt:, so daß Stein aus Stein sich seinem Willen fügte zu einem stolzen Bau. So haben -auch Sie, stets bereit, an .edlem Werk mittz-uschaßsen, mit Ihrer'Kunst mitgewirlkt -am dem Mtzdevaufbam unseres -Gotteshauses, und heute wild der 'Grund gelegt zu einer wohltätigen Widmung, die Hren Namen für immer ver- . binden soll mit dipsier heiligen Stätte. So Mündigen wir Sie denn hier nicht sowohl als den weitberühmten Meister, den wir achten und dessen Werk w'ir -ehren, auch nicht sowohl als den bavährten Freund-. Wir feiern hier vor allem den treuen Juden, dessen mannhafter BekenuermUt uns als erhebendes Vorbild dient. Wir alle, die wir hier versammelt zu Ihren Ehren, vereinen jetzt unsere Herzen in dem Gebet: Der Allgütige erhalte Sie Ihrem Familiennin!d FreuNdeMreise! Er erhalte Sie -der Kunst und dem Judentum! Er begnade Sie noch lange und sonnige Jahre mit dem Segen, den zum erstenmal Aharon herabtzeiflcht, mit dem Segen, mit dem der jüdische Vater sein Kind segnet, -und den Sie, als treuer Sohn des Judentums vollauf verdienen! Der Herr segne Dich und Er 'behüte Dich! Der Herr lasse Dir sein Antlitz leuchten >uüd sei Dir gnädig! Der Herr wende Dir Sein Angesicht zu und gebe Dir Frieden! Amen. Nach der Ansprache folgte ein dom Chor borgetragenes feierliches Hällelliujah. Um die Tümpetfeier hatte sich Herr Inspektor Max Schwager ganz ib-esonders verdient gemacht. * -