Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 14 (7.7.1922)
- Date
- 1922-07-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Diesen Gipfel sittlicher Verwor senil e i t h a t der Tau f z w a n g g e z e it i g t! Die Prämie aus den Verrat! am eigenen Stamme wiÄ) Ansporn Mm Brudermord, zum Bürgerkrieg, zum Hochverrat! Das ist -der Werdegang des Judenstämmlitngs, den, sei es Lockung des Kreuzes oder Drohung des Hakenkreuzes, zur h alt- und hemmungslosen Bestie macht. Diese Pest- -gefahr ist das ProidUkt des Glaudens- und Rassenhasses. Der aufrechte Jude, der Edelmensch, ein Rathenau, der sein- Leiben in die Schanze schlägt geigen Deutschlands Feind, er muß fallen von deutscher -Hand, weil ehrenhafte Treue ihm den Bruch mit seinem Väterstamm verbietet. Der.feile Bube, der die „Ehrlichkeit" seines Verrates bekunden muß, iNddm -er sich zum Hetzhund gegen sein eigenes Blut erniedrigt, er findet „die Bahn frei dem Tüchtigen!" Wann'wird der dentsche Michel sich diesen Opiumrausch ans den Augenreiben? Und wir Juden? Werden wir nicht endlich doch Ernst machen mit der Isolierung dieser vom ärgsten Aussatze Behafteten? Ist es wirklich Fanatismus, ist es nicht vielmehr Selbstschutz amfo Schutz der Umgebung, wenn wir, wie die jüdische Volksseele -es instinktiv richtig fordert, „weghobeln die Stelle, aus der ein Meschumrned stand?" Vielleicht wird nun endlich der Moloch deutschen Judenhasses sich gesättigt fühlen und die Fahne, die der Hand Rüthenans entsunken ist, znm Siege der Duldsamkeit führen und der Würdigung rein menschlicher Werte ohne Schielen auf die Herkunftsmarke? Die Demokratie nannte B i sm et r ck die Vorfrucht des Sozialismus. Heute müßte er den Judenhaß, mit dsm er sein politisches Spiel getrieben, bezeichnen als die Vorfrucht der Anarchie. Wohl hatte er in F r i e d e n t h a l einem getauften Juden ein Portefeuille anvertraut, auch ernstlich die Berufung des un-getauften Las falle aulf -einen Mlnifterposten -erwogen, in Wirklichkeit aber nur einen jüdischen Geheimrat — Cahn — in den höheren Staatsdienst ausgenommen. Aber ein veri-tMer, ganzer Jude an der Stelle des eisernen-'Kanzlers, das war mähr, als das deutsche GemA Bdu heute ertragen >8ann. Umsonst »hatte dieser Jude den seit BerfaWes heillos verfahrenen Karren der deutschen Außenpolitik wieder auf ein fahrbares Geleise gebracht und -gegen weitere lSdurvmsluten französischer Reoanchegier 'haillbwegs einen Damm errichtet, umsonst wurde er, der di« Spra^n der Feinde wie sein Mnttieridiom beherrschte und ohne Herzklopfen wie kein zweiter mit Milliarden zu operieren von Hause aus gewohnt war, hüben und bribben als der einzige zum Wiedevausbau Deutschlands Berufene erkannt. Man erinnert sich der schlagenden Kritik, die englische Matter während des Krieges an dem rostig morlchen deutschen Diplomatendienst übten, vndiem sie »anschaulich geistdurchlestchtete Porträts englischer Staatsmänner Ms denr Volke — Lloy d - G e o r g e, der verwaiste Schnstvrbub! — deutschen Politikertypen dekadenten Uradels gvgenübevstellten. Jetzt endlich, da mit der alten Erbsünde gebrochen war und frisches -Blut die WilhelmÄvaße verjüngern »begann, fällt der Fähigste, weil er Jude war. Und daß er das war, und daß er die ZunMtrnnig, es auszujgoben, standhaft und mannhaft -von »sich wies, das sichert ihm die Dankbarkeit -derer, denen diese fein« Treue gegen seine und chre Glaubensgemeinschaft ein leuchtendes Vorbild bietet und ihre Wurzelfeftigkeit zu stärken »geeignet! ist. Wer seine offene Erklärung liest, in -der er die Ueberläuferschande brandmarkt, wird ihm zugute halten, was sonst in seinen Schriften ihn weniger archeimeln mag. Was anderthalb Jahrhunderte vor ihm bereits ein Berliner Jude aüf ragendem Pied-estal, was Moses Mendelssohn in seiner Erwiderung an Lavater geleistet, das Gleiche hat unter wesentlich anderen, und wir dürfen sagen: schwiorigeren Umstanden Walther Rathenau für das Judentum wird der alte Wlei'n hochgeschätzt, -der Mit Wüster gemischt wurde: in der Regeil ein Teil Wein -mit zwei Teilen Wasser — wi»eder eine Anleitung zur Mäßigkeit (Funk, Hygiene fce£ Talmuds, im obigen Sammelwerk S. 229). Der Schulchan Arnch kennit die Gefahr des übermäßigen- Genusses des Alkohols und -warnt vor ihm uitä seinem häufigen Begleiter dem Spiel: „Man »gewöhne sich daran, sernzubleiben- -dem Spiel -und dem übermäßigen G-enuste von ber-Mschenden Getränken" (Iben Haßzer, 25, 1, Bamberg-er, im obigen Sa-mmeiliweMe S. 239). Bon besonderem Interesse »sind die Meinungen v»n Maimonides über »den Alkoholgeuuß. (Kroner und Gvunwald, Maimonides als Hygieniker, -ibid-. S. 259). Als Arzt eines Sultans, »in einem Lande, dessen Bewohner religivnszesetzlich der Weingenuß verboten »war, mußte sich Maimonides besondere Reserve auferlegen. Ein kleines Quantum Wein hält er für durchMs zuträglich, ja hygienisch sehr wertvoll, insbesondere »für Greise. („Der Wein, die Milch den?Men" sagt Liebig.) Dagegerr «soll die Jugend sich vom Weingenuß vollständig fernhalten und erst nach 21 Jahren soll Äeir Jüngling den Wein kennen lernen. Im übrigen ist -vom Wein im allgemeinen abznraten, am besten, ist völlige -EnHalltnng, er ist gefährlicher als Schlangen und Basiliske (Seifer Refnol, 25). Gilt dies -zunächst -für Wein und andere im Tlltertu-m bek-annte geistige -Geitränke, so mußte dies in noch »höherem Maße.der Fall sein für ib'ett hochgradigen Alkohol, den sogenannten „gebrannten Wein", -welcher erst seit Anfang des 16. JahrhimK-erts hergestellt wurde. Anordnungen hierüber finden sich erst in späteren Werken. R. Rafael in seinem -Werk: Tafel des Lebens (Ruach hachajim) bemerkt: Wein »dürfe man bis zu ein Viertel Maß ruhig trinken, mehr fei von Hebel. Branntwein, wie er in Polen und Rußland »üblich ist, »könne, in mäßigen Mengen genossen, nicht -als schädlich bezeichnetwerden, allerdings nur .im Wkteven Klima, wo ein igowist-es Bedürfnis danach vorhanden sei. (Biermann, ibid. ©..263.) Der Genuß von Branntwein wird aber durch »das kalte Klima -gerechtfertigt; es sind aber auch andere ökonomische Gründet für dias Uebechandnehmerr des Genusses von Branntwein unter den Juden maßgebend gewesen. Juden waren meist »die Inhaber der Schcmkftäitten (in GcMzieu PropiNationspächter), hatten also -ein »besondeves Interesse an der Hebung des Konsums von Alkohol. Maßgebend waren aber -auch — und nicht in »letzter Linie — die TrimksiLten der BGlUr (Rüsten, Polen utw Ruchenen), unter welchen He Juden l-vWn. Insbesondere muß die Verbindung -des Trinkens Mit religiösen Bräuchen, auch solchen, welche keine Auslösung von Frohsinn erheischen (wie „Tikun" hei Jahrzeiten), als Chukkatit Hagoj bezeichnet werden Ntid sollte als »unjüdisch Nbgeschasft »werden: In diesem Punkte mußte also eön-e ANtial-koholbewegung »bei den Juden eiNsetzen und -könnte bei Verbreitnug der Erkenntnis von -den Übeln Folgen des Genustes von Branntwein auch von Erfolg -begleitet sein.