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Die Wahrheit · 1922-07-07 · Heft 14 (7.7.1922) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 14 (7.7.1922)
Date
1922-07-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Rathenau. Em GedeMviorit von De. Max Gruuwalid. Der Name gehört wie Än Dxitdetov oruLus, wie zum Gewebe vm Faideu, der durch leuchtenden Farlbeinton das Muster bÄM, M Glanzperiode der'preußtschen Metropole. Er wivbM in der Erinnerung aus wie eite Fanfare zu.dem PräseNtierMarsch Ar Lustgarten paradieren- «der Reyimeuter. Die R«a!th «nous, Vater und SoJfjrt; bleiben unzertreniNlich legiert mit -dem: Andenken cm Wilhelms II. SoMenauWeg und Mittagshöhe. Wie B a lll ii n, den ein ungnädiger FScherschlütz Amgust« Brktori as schnöde gelohnt für feine von Kindesbeinen auf, M den gemeinsamen Spielen auf Sylt, dis in den Dod dem Gefangenen von Amerongen bewahrte Fveundestmw, — wie der vom Berliner Bobkswitz Mn „GÄdborger" umgestempelte Goldberger, — wie James Simon, der großzügige Förderer des Kaiser Friedrich-Museums und hochherzige Leiter des Verbandes der Deutschen Juden, der in sonnigen Zeiten Milt jüdischen Witzen an der Hostafel die Rolle Mrquels übernommen «hatte, — die Impromptus des „Leinen" mtd „HaMeineini", der „Kachles" und „Tachles" laufen auf seinem Konto, — so gchörten die Rathenaus zu den Ausnahmejuden, die der Reife-Kaiser seines näheren Umganges würdigte. Wie die Liebermanns entstammten sie jenen AW-Bevlvrrjer FanMen, deren Interieurs durch „Jettchen Gebert" zu dauerndem Literaturbestand geworden sind/ Nie begegnete ihnen der Kaiser 'hoch zu Roß, ohne seinen Rappeln ontzujhalten und mit ihnen Freundesworte MsizutanschM.An der Festtafel pnt 70. .Geburtstage Emil Rathenaus, des BeigvüinderS der A. E. G., deren Konzern lange vor ^Kriegsausbruch auf 3 bis 4 Milliarden geschützt wMdd, und in 'deren Maschinenräukmen Skaby begeistert ousgvvusen hiat: „Die Lichtzentrale des kommeuldön JahrhuWevts!", «saß der erste FNgÄadjutan-t des Kaisers M Rechten des Jubilars. In dem Beileidsbries an den Sohü.schrieb Wilhelm: „Ich werde seiner charaktervollen Persönlichkeit stets gerne gedenken." Seitdem hat sich vieles 'verändert. Aus dem „Judenkaiser" der „Stützen von Dhron nnd> Altar", der einst scherzend den Bürgermeister von Frankfurt gefragt hat, vb die Juden wirklich kleine Chvistenkinder verspeisen, ist, da er sein Gewissen vielleicht mit zah!llvsen großen Christen- und Jubenikiüdern belastet 'sühtt, der getreue Gläubige und Apostel seines weiland Hospreidigers S t ö cke r <geworden. Das Berlin von vorgestern ist dem Berlin, wie es war, und wie es in seiner anspruchslosen, bienensleWgen Biederkeit Kaftan uns schildert, ins Grab gefolgt. Die Stadt der Intelligenz hat die „Zentrale des Lichtes" und' diese nun das. Paradies der Einbrecher und GranatenhMen abgelöst. Wir erfahren jetzt, daß die Ermordung Erzbergers in Walther Rathenau Todesahnungen geweckt hat. Jeder Eingeweihte hegte die gleiche Befürchtung. Ein süddeutsches Blatt hatte längst ein SchüßgeW auf Rathenwu ausgesetzt und War mit einer Geldstrafe 'davongekommen, die in Ährer Milde 'fast wie eine Ermunterung 'aNmjutete. Daß hier nicht nur politische Parteilichkeit antrieb, sondern Judenhaß mitsprach, bewies die Haltung der Reaktionäre bei Äer Berufung Rathenaus ins Kabinett Wirth, der in einer denkwürdigen Rede gegen diese selbstmörderische ,Mordpo!litik an den deutschen! Patriotismus appellierte. Leider, wie Rathenaus grausiges Ende lehrt, zu spät. Ob ganz vergebens, wird das Echo seines Falles zeigen. Sv geht sie auf, die Drachjensaat des Haffes, die surrende deutsche Geister ansgeftveut. Der Flach, dem Juden zugedacht, fällt auf den Feind zurück. Unter all den Breughel-Fratzen aber,, die jetzt die Verfolgung der Mörder zu Tage fördert, die widerlichste ist die eines ^— Getauften! Gegen einen der Besten ans jüdischem Stamme schmiedete den Mordstahl ein Gottverlassener, dessen 'Sippe gleichfalls dem Judentum Zierden zeugte. 8&iiiH Feuilleton^ BCainiih Vom Trinken bei den Juden. Sozialh ygieUische Betrachtung von Dr. A. B. Um in dem lebhaften Kampf,, welcher jetzt in der AWohvlfrage entbrannt ist, die richtige. ODeutterung zu finden, ist es aNgezeigit, . die Stellung der jüdischen Satzungen zu di^er Frage Revue pajsierxp^ zuj 'lassen. Es Wird sich «dmMzeigtzu, .daß diofölben dÄn. Duden Extremen, der vollständigen ErMaMamikeit . und «der schrarikeNliösen Genußsucht, fern« bleiben und sich auf der «MWeilstvatze weiser Mäßigkeit bewegen. Dies entspricht auch den maßgebenden Verhältnissen. In einem' Lnde, welches zufolge seiner klimatischen Verhältnisse und' BodeUbeschaffenheit für den. Weinbau besonders geeignet ist, «Ware jeto Alkoholverbot nicht am Platze gewesen — anderseits wußte auf die Erfahrung, welche der Mköholgeimß in den Ländern der heißen Zone mit sich BÄtacht genommen werden. «Sv ergcch sich ganz. uiaturgemä ß di,e mWleve Linie einer «wvhMtigen ^MhHhxäniknntz. Die vollständige EnHÄHÄnE' vom Genüsse berauschender Getränbü «wird Von «der Bibel als „Selbst- Heiligung" zutfvlge Gelübdes wohl gestattet, aber-uicht verlangt. Der „Nasir" -(4. B. M., K. 6) muhte. sich vom Genüsse des Weines u«W aMvor gegorener Getränke (Schechor), sowie deren Produkte (Essig) enchalten, durfte aber <auich leine frischen oder trockenen Trauben genießen, was Wer Aas Gebot der Abstinenten hinausgeht. Das Gelübde wär für den Nasir Während der von ihm bestimmten Zeit, Meist für 30 Tage, bindend. Ein Äusnahmefall war der für Lebenszeit „vom Mutterleib, ab" zum Nasir bestimmte 'Simlsvn (Richter, 13, 5), welcher gleichzeitig einen Beweis ddfür bildet, daß große Körperkraßt auch ohne' Weingeinuß erlangt werden kann. Nach Beendigung der WeHezeit mußte der Nasir ein Gaiizopfer und ein Sühnopfer Aarbringen. R. Eli User HaKapor bemerkt hieizu, der Nasir habe sich gegen sich selbst versündigt, Weil er sich einen erlaubten Genuß versagt >HNbe. (Rasch i zu 5, 11.) Ueber die Wertung des Wüiugenusses schwanken die Ansichten. König David war bekanntlich eia Lobredner des Weines („Der Weinerfreut «des Menschen Herz", Pr. 104, 15), während sein Sohn, König Salomo, sich mehr aus die Seite «der Weingegner stellt nNd vor der! Schlemmerei warnt („Gehet nicht zu den WeintriNkern und Fleifchessern", Spr. 22, 2tz), indessen im Alter auch den WeingenlNß preist („Den Becher führe «drum zum Mund mit Lust", Kohelet, 9, 7). Der Wein war, nach den Satzungen der Bibel, mäßig genossen, „-ein -Nahrungsmittel und Bringer der «von Gott gebotenen Fröhlichkeit" (Grunwalidl, Hygiene «der Bibel, in. einem Sammelwerk: Hygiene der Juden, S. 175). Dieser GsdaNke fetzt sich <im späteren Schrifttum fort. Im Talmud 1

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