Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 14 (7.7.1922)
- Date
- 1922-07-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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MMänMeZeWrfft für txnxtsf ( MMeMeressev.- REDAKTION ^ADMINISTRATION Mir» A.» Keinestraßr HA XXXVlll. Jahrgang Wir». S. Juli 1838 Rümmer 14 BMer Rachemu Di« Schüsse der n.ati-onaldentfck^n VLordbuiben, die mnetn der Besten feite Vaterlandes, Walther Rathenau, meuchelten, 'haben in der politischen Welt ein erschreckendes Echo^ gefunden. Gang besonders iin Bunde der Deutschenhasser, die nun kräftige Argumente für die Behauptung schöpfen, das Deutsche Re,ich sei ewige GküfahrenquÄle für die Ruhe Europas. Es wird auch bisher -wohlwollend neutral Gewiesene -geben, die sich dem französischen- „ceterum een8eo" nach dem schrecklichen Geschchen des 24. Juni nicht mehr «ganz verschließen dürsten. Ist -doch der Einzige, d-er die Macht, Fäh Weit und Autorität nach außenbesaß,' die Verstandigungsbrücke zwischen Besiegten und S-ieWru zu barten, aus dem Wege geräumt. Diel Pfeiler dieser Brücke, die er bereits in harter ernster Arbeit geschlagen, sinken mit ihm dahin und auch der Glaube, daß überhaupt der deutsche Revanchegedanke zu entwurzeln nrötzlich wäre. Jenseits des Rheins werden sie aus diesem Glauben nunmehr die ihnen erforderlich scheinenden Folgerungen zrchen. Ist es nicht ein bitterböser Witz der WelWschichte, daß die Mordwaffe, die Walther RaHeuaU HAstr-eckte, eine Parabellen-(bereite den Krieg vior)Pisto!le war? Die Wahrridee von Deutschlands KrietzsvbrbeveötUntzen nmß jetzt den Schimirner logischen Denkens annch>men. Darin Stiegt -brie Nächstliegende Gefahr für das stark gehiaßte Deutsche Reich. Eine andere nicht minder drohende wird >in dem Wiederaufleben ider blutigen Kämpfe des Bruderkrieges eM-ickt, wie er bald nach dein Zusammenbruch des Reiches wütete und so ^furchtbare OpseTfordert Das Ende mit Schrecken schien nahe, da sollte dem Laude >mid Volke ein Retter 'in Walch er RachenaU erstehen, iin döm einzig Möglichen, der Ordnung und Verständigung bringen konnte. Sein erstes Wirken als Auisbauminiestr wurde ihm durch die Treibereien der Völkischen verleibet. Mer mit der Größe der Schwierigkeiten wuchs nur RdthenaUs Pflichtempfinden.Trotzend dem wütenden HakenkreUMlge, der sich gegen chn in Bewiegirng setzte, folgte der heroische Mann dem Ruse aus denweit gefährlicheren Posten eines Außenministers. Hier fetzt die Schuld' der Regierung, chr furchtbares Versäumnis ein, nach aill dem, was sie Mrs früheren Ereignissen erfahren hatte, ihren Retter, nicht geschützt Haben. Nach Eisner, Gareis, Erzberger konnte man fast mit 'der Uhr m der Hand die -letzte Stunde Rathenaus Voraussagen. Wie oft hat diese Kraft posierende Regierung nicht versprochen, mit -eisernem Besen Ordnung zu machen, und knickte jedesmal zusammen, wenn es im monarchistischen Wetterwrnkel zuckte -und flaminrte. Es ist noch nicht gar lange, seitdem wir «aus dem „Miesbacher Boten" den Vers zitierten: „Schießt sie ab, die Judensau, Den gottverfluchten Rathenau." Der unbekannte Poet des Judemnordes war ein Prophet mit. kurzer Befristung. Die Reichsregrerung verspricht —zum wievielten Male? —daß sie endlich nach dem Rechten scheu werde. Dieser Versicherung fehlte bisher der Kredit. Der Hvheuzoillernschlange werden immer für jeden abgeschlagenen Kopf zwei -andere nachwachsen, wenn ihr nicht nach Asm Verfahren mit der lernaischen düs ausfließende Blut im Feuer gelöscht wird. Für den unersetzlichen -Verlust, für das 'schreckliche Unglück, mit dem Deutschlands Volk durch die Ermordung Walther Rathenan getroffen wurde, gibt es keinen Trost. Wer noch andere wurden durch die Parabellen-Pistole schwer getroffen —die Fanatiker des Anschlnßwillens, die außer Deutschland kein Heil für Oesterreich kennen. Bor wenigen Tatzen beikamen wir in Wien eine Kostpwbe, wie aus dem deutschen Gogenwartswesen die Welt oder auch nur das -armselige Oesterreich igenesen würde, -als die hiesige HeiligenkveUzsiliale durch -chren Geschäftsleiiter Herrn Richl eine nationalsozialistische! Versammlung zusa-mimentrommölte, bei der es ein vorläufig nur leichtes Blutvergießen -gab. Solange es im legitimistifch-terroristischen Hexenkessel des autoritätslosen Deutschen Reiches nicht zur Ruhe kommen wW, hat selbst eine -ehrliche GesühlspoilitU vor der klaren Vernnnftpoliti'k zu schweigen. Welcher Rathenau schrieb unter anderem -auch „Bon kommenden Dingen". Ahnte dieser unerbittlich logische Denker die kommenden Dinge nach seiner HÄropfernng? d.