Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 13 (23.6.1922)
- Date
- 1922-06-23
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite ZZ Die Wahrheil Nr. 1L ßin mutiger General. Nämlich einer,, der den Mut seiner Ueberzeugung hat, zum Unterschiede von Ludendorff und anderen hohen nnlitärischen Kriegsverlierern, die ihre eigene Schuld den Juden auftürden. Das ist General von De;nrling, der vor kurzem in einer Versammlung des Tübinger Deutsch-demokratischen Vereines sich freimütig äußerte: Was ihm als Soldaten am widerwärtigsten sei, Ems seien die Vorwürfe, daß die jüdischen Soldaten versagt hatten. Gewiß hat es auch unter chnen solche gegeben, die das.Lebenhöher schätzten, als kriegerischen Lorbeer. Die gab es aber auch unter den Christen. In seinem Korps hatten sich die Juden trefflich gehalten. Es sei statistisch sostgestellt, daß die Juden in einer ihrer Kopfzahl entsprechenden Weise teilhatten am Kriegsdienst, Blutopfern, DekrrLtionen und Besördernngen. Es..wäre an der Z ei t, d a ß d e r Judenh e tz e ein Endegemacht werde. Sie baue nicht.ans, sondern reiße nieder: Das G a.n z e s.a m m e l n heißt die Parole. Die deutsche Volksgemeinschaft brauchen wir. Die Vaterlandsliebe ist dort, wo Aufbauarbeit geleistet und nicht bloß regiert wird. . - Rücksichtslosigkeit. In Preßbnrg hat kürzlich ein Parnes vor den versammelten Qu irrten seiner Gemeinde erklärt, wer Rabbiner oder Religionsleher werde, nehme inrmit den Hunger in.sein Lebensprogramm auf! Wir verzeichnen diese jicher merkwürdige Aenßernng ohne jeden Kommentar. Woja, Mittelftandsküchen. ileber ^Ersuchen der Vereinsleitung der „Woja" stellen wir fest, daß außer den auf Saite 11 der Nr. 12 vom 9. Juni genannten Ausf-cynßmitgliederrn noch die Herren Dr. Bran d, F i g d o >r, Dr.' K. a m <i n k a, Prof. Dr. K r a n ß, Dr. S a d g e r und-Pick dem Vorstände angehören und die Interessen der „Woja" tatkräftig vertreten. ' Die Juden im Deutschen Kommersbuch. In der M. V. Zeitung" weift Geh. Justizrat Oscar C a ssel nach, daß die heutige akademische Jirgend, die so viel ans Rassenreinheit halt, daß sie keinen Juden oder Judenstämmling in ihre Verbindungen ausnimmt, in ihrem Kommersbuch ihnen Gastfreundschaft gewährt. Herme ist mit seiner Loreley vertreten, Auerbach mit „Im Elsaß Der demRhem". Das forsche „Sind wir nicht zur Herrlichkeit geboren?" und andere Lieder sind von Doktor Äl. Wollheim. Auch H'orlosson, Levysohn und Ernst Bloch sind ans dein Kommersbuch noch nicht verschwunden, und das bekannte Lied „Ich war zu Heidelberg Student", das im Allgemeinen d eutschen Kommersbuch euch alten ist, stammt von einem jüdischen. Komponisten, Otto Lob. Die Reihe ließe sich beliebig verlängern. Ein rechter deutscher Mann mag keinen. Juden leiden, doch seine Lieder singt er gern.. Zum 70. Geburtstag Alfred Grünfetds, Samstag, den- 1. Juli, wird der beliebte Meister den Bormittaggottes-renst im Großen Levpoldstädter Tempel, 2. Bezirk, Tempelgasse 3, besuchen und anschließend an den Gottesdienst die Glückwünsche seiner zahlreichen Freunde und Verehrer entgcgennehmen. Kooption in dm Kultusvorstand. Der durch sein humanitäres Wirken im „Sanierungskomitee" bestbekannde Herr Julius.Berger wurde in den Vorstand der israelitischen 5dnltnsgemein.de Witzn kooptiert. Theater, Kunst und Literatur Das Problem der Völkerversöhnung. Was die Schwierigkeiten der Lösung betrifft, wetteiferte es bisher mit der Quadratur des Zirkels. Nun aber hat sich ein Mann gesunden, der leider der Genueser und gegenwärtigen Haager Konferenz 'nicht beigezogen wurde, denn seine Vorschläge zur Völkerversöhnung sind, wie alles Großartige, höchst einfach. Vorläufig auf dem Papier, das in Form eines Flugblattes, uns zur Begutachtung ins Haus kam. Man lese und staune! Erforderlich ist Zuweisung der gemischtsprachigen Gebiete an den a n s p r u ch s berechtigtere n Teil der dieselben bewohnenden Völker und Anhaltung der anderen Teile zur A u s w a n d e r u n g in das He r stam mu n gs l and, somit: Vereinigung aller Konnationalen eines jeden Volkes auf ethnographisch und geographisch einheitlichen, zur „Nationalisierung" .gelangenden Boden. Geigenseitiger Austausch der wirtschaftlichen Güter, deren Besitzer von der Auswandelungsmaßregel betroffen werden, zwischen den in Betracht kommenden Nationen. Reichliche Entschädigung der Auswanderer, auch (auch ist hier sehr gut) der Vermögenslosen!, aus einem zu schaffenden interftaatlichen Fonds. Gründung eines Schutzbundes, welcher mangels Gegensätze in feiner Aktions sreihit nicht behindert sein könnte, mit der Aufgabe, einen eventuellen Störenfried unschädlich zu machen. Unterstützung jener Staaten, welche durch diesen Prozeß in Schwierigkeiten geraten würden, durch die anderen. Jetzt braucht man nur festzustellen, wer in einem Laude den anspruchsberechtigteren Teil der Bevölkerung repräsentiert und den nicht berechtigen auswandern zu lassen. Wohin? Darüber sollen sich berufenere Leute als unser Problemlöser die Köpfe zerbrechen. Vielleicht gibt er auch rroch denTip, wie sich der Güteraustausch zwischen den Ausgewiesenen und den „in Betracht kommenden Nationen" vollziehen soll. Zu dem interftaatlichen Fonds, aus dem die Ausgewanderten — noch obendrein reichlich — entschädigt werden sollen, dürften sich im Interesse der guten Sache hoffentlich die Finanzgewaltigen, beider Hemisphären beitragleistend herandrängen. Alldieweil aber die Menschheit immer Unzufriedene aufweist und auch hier der Fall vorhergeschen werden muß, daß sich, gegen die vorgeschlagene Problemlösung unliebsame Störenfriede erheben dürften, wird gleich das Mittel an die Hand gegeben, der Schwierigkeit Herr zu werden. - Einfach wie alles bisherige: , ,Uuschädlichmachung". Den Ordnungs- Machern bleibt die Wahl der Mittel Pulver und Blei oder anderweitige Massenhinrichtungen freigegeben. Werden schließlich jene Staaten, die hiebei in Schwierigkeiten geraten, von den anderen unterstützt, dann löst sich alles in Wohlgefallen auf. Sollte sich, etwa schon jetzt ein Denkmalkomitee für den Mann interessieren, um ihn — selbstverständlich nach vollbrachter Völkerversöhnung — in Erz oder Stein zu verewigen, sind wir gerne bereit, seinen Namen und augenblicklichen. Wohnort zu verraten, d. Das jüdische Jugendbuch. Herausgegeben von M. Steinhardt, H. Loewe, C. Z. Klötzel. Weltverlag, Berlin 1920. Ein prächtiges Geschenkbnch für nufere Jugend. Der jüdische „Gute Kamerad". Sagen, Erzählungen, Volkskunde, Bilder ans der Geschichte, Anekdoten, Biographien und Gedichte bilden den Inhalt. -Besonders, gelungen ist die Reihe „Das jüdische Jahr". Bedauerlich