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Die Wahrheit · 1922-06-23 · Heft 13 (23.6.1922) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 13 (23.6.1922)
Date
1922-06-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Die Wahrheit Nr. 13 fordert. Diese Flucht in die Oessentlichkeit sollte so mancher, unkontrollierten und uns regelrecht überprüfte jährliche Rcchnung mit vorn eh in er Geste verzichtleistenden „WohlfHrLsaktion" in mehreren jüdischen Kreisen zur Warnung dienen. Ein jüdisches Sprichwort lanet: „In Chelem tagt es". Vielleicht nun auch bald in Wien! - Was ist des Deutschen Schulvereins? Sein ist vor allem der bereits petriftzierte Obmann Dr. Karl Groß. Ehe 'die Erde gegründet lvnrde, stayd es inr Schicksälsbuche verzÄchneit, Dr. Groß soll Obmann des Deutschen Schul- Vereins werden und es iimmeridiar bleiben. Sein RübezäMart — Rübezahl ist das teutscheste Berggespenst — weht wejich, wüMg, wonnesam über den BürsmnrUlungen. Des Deutschen Schulvereins ist auch die Erinnerung daran, daß er unter der Regierung Taasses — also während des schärfster Sprachenkonflikts — eine Sturmsormation bi'Mete, die außerordentlich dazu bäitvug, dide Feind schaft zwischen den beiden Volksstämmeni in den 'SudettenlLnde.ru zu vertiefen. Als der Weltkrieg, die Deutschen Oesterreichs nach unten, die Tschechen Böhmens, Mährens und Schlesiens nach oben brachte, machten sie von ihrem VergÄhungsrechte Gebrauch und schlugen dabei sogar über die Strange, derart, daß die im Laufe der Zeit vom Deutschen Schulderem in gemischtsprachigen Bezirken errichteten Lehranstalten ausgelassen und sogar der frühere.Bestand geschmälert wurde. Des Deutschen 'Schulve-reins — nicht allein des Herrn — ist aber lwuch die Rache,.aber in übertragenem Wirkungskreis. Anläßlich einer besonderen Versammlung des Deutschen Schulvereins in Wien (wo denn sonst?) wurde beantragt, die Gemeinde solle aus dem Wege zur Tschechisierung des Schulwesens einhalten und umkehren. Die Strömung im Wiener Rachhanse und niederösterreichischen Landhanse, ist aber deutschvölkischen Schmerzen nicht zuträglich und so wird der Versuch, dem alten Nativnalitätenhader hier wieder. Nährboden zu bereiten, vergebens sein. Das Register, was alles des. Deutschen Schulvereins ist, wäre mangelhaft, wollte man verschweigen, daß nach dem Bericht des Säckelwarts der kürzlich veranstaltete Sammeltag allein in Wien 9y2 Millionen, in ganz Oesterreich schätzungsweise 20 Millionen Kronen ergeben hat. Angesichts dieser, st'ir die Herren befriedigenden Tatsache, wird außer der im Titel gestellten Frage noch eine andere aufzuwersen sein. Was soll mit dem gesammelten Gelde geschehen? Eine satzungsweise Verwendung des Geldes ist sehr in die Ferne gerückt. Die erwachten anderssprachigen Herrenvölker lassen natürlich auf ihren Gebieten keine Schulgermanisterring zu, die Oesterreicher sorgen hinreichend aus eigenen Mitteln für das Schulwesen und bedürfen des geschnorrten Geldes nicht. Da man aber bei der reißenden Kornenentwertung zwanzig Millionen doch nicht ungenützt in den Kasten legt, werden sie vermutlich für das herangezogen werden, was man in Schulvereinskreisen „Kleinarbeit" nennt, die Verbreitung von Schmäh- und Hetzliteratur gegen hie Juden und.Slawen, Anschauung von Hakenkreuzen und ähnlichen Zeichen treudeutscher Gesinnung, wie es stets war und bleiben wird. Dies soll hervorgehoben werden, um etwaige noch vorhandene charakterlose Ehrenjrrden im Deutschen Schulderem üiber dessen Wesen und Streben restlos aufzuklären. Zwei Biedermänner vor Gericht. Das ist so die Art der gerissenen Geschäftsantisemiten, daß sie unbekümmert mit vergifteten Pfeilen um sich schießen, aber wenn mit ehrlichen Waffen zurückgeschossen wild, ganz empört zum Kadi lausen. Der berüchtigte Knüppel-Kunze fühlte sich durch eine Kritik seines Treibens im „Berliner Tageblatt" in' feiltet — man lache nicht — Ehre gekränkt und stellte beim Schöffengericht Berlin-Mitte gegen den Redakteur D o mbrowski Strafantrag. Im Verlause des Viersahrens 'kamen allerlei ^erbaulichp Dinge ans Tageslicht. So daß Kunze, der die jüdischen Soldaten der Feigheit beschuldigt, während des ganzen Krieges der' schmählichste Drückeberger war, daß er im Gefangenenlager zu Gardelegen Mehl und Schinken veruntreut, wegen Hamsterei und Preistreiberei eine Verurteilung erfahren hätte, »nenn nicht die Gerichtsakten merkwürdigerweise plöblich — verschwunden wären. Die Verhandlung wurde behufs Erbringung.weiterer Beweise vertagt. Der famose Dr. Arthur D i n t e r überfällt zwar die Judm nicht 'mit dem Knüppel, sondern mit der Feder. ' Auch er markiert Ehrgefühl milb! klagte, als ihm vom Redakteur Dr. Birnbaum kräftigst auf die Finger geklopft wurde. Auch dieser wackere Deutsche ging nicht ungezanst.aus den Hallen der Themis. Es wurde ihm der Schwindel mit einem frei erfundenen Ausspruch Kaiser Wilhelms zum Lobe des Buches „Die ©i’mJbe wider das Blut" vorgehalten, sowie die lügenhafte Angabe, daß von diesem Schundwerke bereits 90.000 Exemplare verkauft wurden. Die Vechändlnng wurde zwecks Einholung von Gutachten Sachverständiger und neuer Zeugen «ebenfalls vertagt. Bis auf weiteres können also die beiden Herren noch die Maske als Ehrenmänner trägen. . Russisches. Wir sind leider noch immer gezwungen, >anf die trostlose Lage der Inden in Rußland hmzrrweisen, denn die dortigen Verhältnisse wollen und können sich auch nicht so bald bessern. Im Zusammenhang mit diesem Hinweis brachten wir bisher Berichte, die in lobender Weise von der erfolgreichen Sammeltätigkeit der „Agudah" ftir unsere hungernden Glaubensgenossen sprachen. Aber auch andere Parteien befleißigen sich einer regen Propaganda für diese Erbarmungswürdigsten. Wieder einmal kann man es aufs lebhafteste bedauern, daß bei einer solchen Gelegenheit, bei der ein einheitlicheres Vorgehen überaus wünschenswert wäre, die aus politischem Gebiet in keiner Weise fruchtbare Uneinigkeit Ms das charitative Feld übertragen wird. Nun scheint es -aber, als ob im letzten Momente das Zusammengchen bewerkstelligt wurde. Nicht, daß die einzelnen Organisationen ihre speziellen Aktionen aufgegeben hatten. Das tun sie nicht, wäre auch gar nicht so vorteilhaft. Vielmehr hat sich eine — wir wollen hoffen — über den Parteien stehende Institution, die „Jüdische Wel th ilfs k o nser ejnz" gefunden, die in gemeinschaftlichem Vorgehen mit dem „I o i n t" und der „I c a" die Verteilung und Unterbringung, der in einzelnen Ländern konzentrierten Flüchtlingen Ms Rußland vornehmen will. Diesbezüglich erhielt sie dieser Tage von. ihrem Vertreter itm Beratnngskomitee für russische Flüchtlinge vom Vö l k e r b und einen ausführlichen. Bericht,, demzufolge bezüglich der jüdischen Flüchtlinge in Kdnstantinopel das Oberkommissariat die Hoffnung ausdrückt, daß die Palast inensische und argentinische Regierung die Einwanderungsbestimmuntzen in der Weise mildern werden, daß es möglich wirch größere Massen jüdischer Flüchtlinge aus einmal in diese Länder hinüberzuführen. Wieder einmal wird der Meinung derjenigen zugestimmt, in deren Augen das Heilige Land mir als Zufluchtsort für diejenigen. Elemente geeignet erscheint, denen Hans und Hof geraubt wurde und denen zu helfen, Pflicht eines jeden guten Juden ist.;

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